{"id":20554,"date":"2012-05-23T17:33:54","date_gmt":"2012-05-23T15:33:54","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/23\/urzeitplaneten-und-die-entstehung-des-lebens\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:47","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:47","slug":"urzeitplaneten-und-die-entstehung-des-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/23\/urzeitplaneten-und-die-entstehung-des-lebens\/","title":{"rendered":"Urzeitplaneten und die Entstehung des Lebens"},"content":{"rendered":"<p>Viele der aktuellen kosmologischen Theorien mit denen die Entstehung und fr\u00fche Entwicklung des Universums beschrieben werden, erscheinen uns auf den ersten Blick etwas unglaubw\u00fcrdig. Die Ph\u00e4nomene die dort beschrieben werden sind weit entfernt von dem, was wir aus unserem Alltag kennen und es f\u00e4llt schwer, sich die Vorg\u00e4nge im fr\u00fchen Universum &#8211; abseits der Mathematik &#8211; konkret vorzustellen. Trotzdem ist die Urknallkosmologie <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/02\/den-urknall-gab-es-wirklich-teil-1-wie-die-elemente-entstehen.php\">durch<\/a> <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/02\/den-urknall-gab-es-wirklich-teil-2-das-licht-aus-der-vergangenheit.php\">Beobachtungsdaten<\/a> gut best\u00e4tigt. Manche Theorien klingen aber nicht nur unglaubw\u00fcrdig. Die Chancen stehen gut, dass sie auch unglaubw\u00fcrdig <i>sind<\/i>.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nZum Beispiel einiges von dem, was sich Fred Hoyle ausgedacht hat. Hoyle war unbestritten einer der gr\u00f6\u00dften Astronomen des 20. Jahrhunderts (\u00fcber die Frage ob nun Hoyle oder Hubble DER gr\u00f6\u00dfte Astronom des 20. Jahrhunderts war, l\u00e4sst sich wunderbar streiten). Die wichtigste Leistung von Hoyle war die Theorie der Nukleosynthese. Er konnte erkl\u00e4ren, wie die Elemente aus denen unsere Welt besteht, Schritt f\u00fcr Schritt im Inneren der Sterne aufgebaut wurden. Hoyle hatte aber auch einige Ideen, die, vorsichtig ausgedr\u00fcckt, eher unkonventionell waren. Die von ihm mit entwickelte <a href=\"\">Steady-State-Kosmologie<\/a> geh\u00f6rt da noch nicht mal so wirklich dazu. Anfangs war das Steady-State-Universum eine durchaus brauchbare Alternative zum Urknall-Modell. Erst im Laufe der Zeit zeigten die Beobachtungsdaten immer deutlicher, dass das Steady-State-Universum nicht funktioniert (Hoyle hielt aber trotzdem bis zu seinem Tod daran fest). Hoyle hatte aber noch viel seltsamere Ideen. Er war zum Beispiel der Meinung, dass der interstellare Staub aus gefriergetrockneten Mikroorganismen besteht. \u00dcberall im Universum sollten diese Lebenskeime herumschweben und dabei auch immer wieder auf die Erde fallen. So sollte nicht nur das Leben auf unserem Planeten selbst entstanden sein. Die Mikroorganismen aus dem All sollten so auch immer wieder f\u00fcr den Ausbruch von gro\u00dfen Seuchen sorgen, zum Beispiel wenn ein Meteorit abst\u00fcrzt und Krankheitserreger auf die Erde bringt. Mit dieser Theorie stand Hoyle relativ isoliert da. Es gab keine Belege daf\u00fcr, dass der Staub im All lebendig war (und es gibt sie heute noch nicht) und Hoyle konnte nie einen brauchbaren Zusammenhang zwischen dem Ausbruch von Epidemien und Ereignissen im All nachwweisen.<\/p>\n<p>Einer seiner wenigen Mitstreiter auf diesem Gebiet war der Astronom Chandra Wickramasinghe. Auch nach Hoyles Tod verfolgte er dessen Ideen weiter und Wickramasinghe ver\u00f6ffentlicht auch jetzt noch immer wieder Artikel, die auf den urspr\u00fcnglichen Ideen von Hoyle basieren. Zum Beispiel die k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte Arbeit mit dem Titel <a href=\"https:\/\/adsabs.harvard.edu\/abs\/2012Ap%26SS.tmp..191W\">&#8222;Life-bearing primordial planets in the solar vicinity&#8220;<\/a> \u00fcber die auch in den Medien viel berichtet wurde.<\/p>\n<p>Wickramasinghe st\u00fctzt sich dabei auf die im letzten Jahr verk\u00fcndete <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/05\/ein-himmel-voller-planeten.php\">Entdeckung einer gro\u00dfen Zahl von &#8222;vagabundierenden Planeten&#8220;<\/a>. Das sind Planten, die nicht an einen Stern gebunden sind, sondern sich frei durch die Milchstra\u00dfe bewegen. Die entsprechende Arbeit war ein sch\u00f6nes und faszinierendes St\u00fcck Astronomie. Mit Wickramasinghes Artikel hat sie aber eigentlich wenig zu tun. Denn er und seine Kollegen untersuchen eigentlich ganz andere Planeten, die den vagabundierenden Planeten nur oberfl\u00e4chlich \u00e4hneln. Es geht um die sogenannten &#8222;primordialen Planeten&#8220;. Ausgehend von einer &#8222;Hydrogravitationsdynamik-Kosmologie&#8220; folgern Wickramasinghe et al, dass sich direkt nach dem Urknall schon Planeten gebildet haben. Schon 300000 Jahre nach der Entstehung des Universums h\u00e4tten sich primordiale Planeten aus dem hei\u00dfen Plasma geformt, das damals den Kosmos erf\u00fcllte. Es soll gewaltige 10<sup>80<\/sup> dieser Planeten gegeben haben. Sp\u00e4ter h\u00e4tten sich dann aus einigen dieser Planeten Sterne gebildet. Die restlichen blieben zur\u00fcck. Sie sollen einen Kern aus Eisen haben, darum eine Schicht aus Silikaten und au\u00dfen von einer H\u00fclle aus fl\u00fcssigen Wasser umgeben sein. Au\u00dferdem dar\u00fcber noch eine dicke Schicht aus gefrorenem Wasserstoff. Diese Planeten (die laut Wickramasinghe auch gleich die Erkl\u00e4rung f\u00fcr die &#8222;dunkle Materie&#8220; liefern) sollen auch primitives Leben beherbergt haben. Sie befinden sich \u00fcberall im Universum, vor allem aber umgeben sie Galaxien. Es kommt aber immer mal wieder vor, dass so ein Planet in die Galaxie selbst eindringt. Dabei w\u00e4rmt er sich auf, der gefrorene Wasserstoff sublimiert und die Molek\u00fcle und Mikroorganismen die sich darunter befinden gelangen ins All. Auf ihrem Weg durch die Milchstra\u00dfe durchquert die Sonne auch die Regionen, in denen sich die primordialen Planeten aufgel\u00f6st und Wolken mit Lebenskeimen zur\u00fcckgelassen haben. So gelangte das Leben auf die Erde und auch auf andere Planeten in der Milchstra\u00dfe. Oder, wie es Wickramasinghe und seine Kollegen dramatisch ausdr\u00fccken:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;One could thus envisage the entire galaxy to be a single connected biosphere where primordial planets play a crucial role in transmitting and mixing the genetic information needed for life to evolve and realize the fullest range of its evolutionary potential.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Tja. Die Idee von Planeten die gleich nach dem Urknall entstanden sind und Leben beherbergen ist ohne Zweifel faszinierend. F\u00fcr ihre Existenz gibt es allerdings keinerlei Belege und Wickramasinghe sprechen in ihrem Artikel auch nie dar\u00fcber, wie man ihre Thesen durch Beobachtung best\u00e4tigen k\u00f6nnte. Und da sie aus ihrer Hypothese weitreichende Aussagen ableiten, w\u00fcrde es mich nicht wundern, wenn es auch Konflikte mit bestehenden Theorien geben w\u00fcrde. Die primordialen Planeten sollen ja angeblich nicht nur die dunkle Materie erkl\u00e4ren, sondern auch die Entstehung der ersten Sterne. F\u00fcr die Bildung von Galaxien sind sie au\u00dferdem verantwortlich. Das klingt alles schon ziemlich weit her geholt &#8211; was an sich kein Problem w\u00e4re. Der Mangel an Belegen allerdings schon, gerade wenn es um Hypothesen geht, die unser gesamtes Weltbild revolutionieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Fred Hoyle war nicht nur ein gro\u00dfer Astronom sondern auch ein begabter Science-Fiction-Autor. Seine Thesen vom lebendigen Staub aus dem All hat er auch in seinen Romanen aufgearbeitet. Dort w\u00e4ren wahrscheinlich auch die primordialen Planeten besser aufgehoben&#8230;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/1ecea1639b6d4e2c8afe4055a4c7a336\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele der aktuellen kosmologischen Theorien mit denen die Entstehung und fr\u00fche Entwicklung des Universums beschrieben werden, erscheinen uns auf den ersten Blick etwas unglaubw\u00fcrdig. 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