{"id":20527,"date":"2012-05-16T10:40:46","date_gmt":"2012-05-16T08:40:46","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/16\/es-wurde-kein-neuer-planet-im-sonnensystem-entdeckt-leider\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:44","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:44","slug":"es-wurde-kein-neuer-planet-im-sonnensystem-entdeckt-leider","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/16\/es-wurde-kein-neuer-planet-im-sonnensystem-entdeckt-leider\/","title":{"rendered":"Es wurde kein neuer Planet im Sonnensystem entdeckt. Leider"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;New Planet Found in Our Solar System?&#8220; <a href=\"https:\/\/news.nationalgeographic.com\/news\/2012\/05\/120511-new-planet-solar-system-kuiper-belt-space-science\/\">titelte National Geographic<\/a> k\u00fcrzlich. Und f\u00fcr den Fall, dass diese Schlagzeile aus Amerika hier zu uns her\u00fcberschwappen m\u00f6chte ich sicherheitshalber ein paar Worte dazu sagen. Die Kurzfassung lautet: Unser Sonnensystem hat derzeit immer noch 8 bekannte Planeten. Niemand hat irgendwas entdeckt. Aber es gibt interessante wissenschaftliche Ergebnisse!<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDiese Ergebnisse wurden von Rodney Gomes auf einer Astronomie-Tagung in den USA pr\u00e4sentiert. Er hat die Bahnen der Asteroiden im Kuiperg\u00fcrtel untersucht. Das ist <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/09\/asteroiden-im-sonnensystem.php\">ein Asteroideng\u00fcrtel<\/a>, der hinter der Bahn des Neptun beginnt. Pluto, als gro\u00dfer Zwergplanet bzw. Asteroid ist Teil dieses G\u00fcrtels. Manche Objekte im G\u00fcrtel haben keine kreisf\u00f6rmigen Bahnen sondern Orbits, die stark elliptisch sind. Der Asteroid <i>Sedna<\/i> ist daf\u00fcr ein gutes Beispiel:<\/p>\n<form mt:asset-id=\"11046\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-ab6090d11b2c031e0339622ee73fefca-Oort_cloud_Sedna_orbit.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-ab6090d11b2c031e0339622ee73fefca-Oort_cloud_Sedna_orbit.jpg','popup','width=2499,height=2499,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-1c9073ebbb4c70fff281a058f4536336-Oort_cloud_Sedna_orbit-thumb-500x499-1.jpg\" alt=\"i-1c9073ebbb4c70fff281a058f4536336-Oort_cloud_Sedna_orbit-thumb-500x499.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>(<a href=\"https:\/\/www.spitzer.caltech.edu\/Media\/releases\/ssc2004-05\/ssc2004-05d.shtml\">Bild: NASA\/JPL-Caltech\/R. Hurt (SSC-Caltech)<\/a>)<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Oben links ist das innere Sonnensystem zu sehen; bis zur Bahn des Jupiters und mit dem klassischen Asteroideng\u00fcrtel. Oben rechts sieht man auch das \u00e4u\u00dfere Sonnensystem mit dem Kuiperg\u00fcrtel rund herum. Unten rechts ist die Bahn des Asteroiden Sedna eingezeichnet, die weit \u00fcber den Kuiperg\u00fcrtel hinaus reicht. Unten links schlie\u00dflich sieht man Sednas Bahn im Verh\u00e4ltnis zur Oortschen Wolke (eine weitere gro\u00dfe Ansammlung von Asteroiden und Kometen, die sich weit hinter dem Kuiperg\u00fcrtel befindet).<\/p>\n<p>Gomes hat sich nun 92 Kuiperg\u00fcrtel-Asteroiden angesehen und ihre Bahnen untersucht. Sechs davon hatten so stark elliptische Bahnen, das er sich nicht erkl\u00e4ren konnte, wie sie zustande kommen k\u00f6nnen. Denn elliptische Bahnen sind instabil. Objekte mit so einer Bahn \u00fcberleben nicht lange; kosmisch gesehen zumindest. Nach ein paar hunderttausend Jahren kollidieren sie mit anderen Himmelsk\u00f6rpern oder werden aus dem Sonnensystem geworfen. Denn je elliptischer ihre Bahn, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Chance, dass sie die Bahn eines anderen Objekts kreuzen. Wenn wir heute noch Asteroiden auf elliptischen Bahnen sehen, dann braucht es einen Mechanismus, der immer wieder welche nachliefert. Das kann zum Beispiel durch gravitative St\u00f6rungen geschehen. Wir kennen das aus dem Hauptg\u00fcrtel der Asteroiden zwischen den Bahnen von Jupiter und Mars. Die Asteroiden dort bewegen sich alle auf fast kreisf\u00f6rmigen Bahnen. Aber ab und zu kollidieren zwei davon und k\u00f6nnen so in spezielle Bereiche geschleudert werden. Dort wirken <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/03\/resonanzen-und-frequenzen.php\">Resonanzen<\/a> mit Jupiter. Das bedeutet, dass die Gravitationskraft von Jupiter in diesen Bereichen periodisch mit immer der gleichen Kraft auf den Asteroiden wirkt. Die St\u00f6rungen k\u00f6nnen sich so verst\u00e4rken und die Bahn des Asteroiden wird immer elliptischer.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch noch andere M\u00f6glichkeiten, um die Bahn eines Asteroiden elliptisch zu machen. Aber Gomes meinte, seine Computersimulationen h\u00e4tten nur dann ein brauchbares Ergebnis geliefert, wenn er von der Existenz eines weiteren Planeten im \u00e4u\u00dferen Sonnensystem ausgeht. Dieser Planet k\u00f6nnte die Asteroiden dann entsprechend st\u00f6ren und die Bahnen verursachen, die wir heute sehen.<\/p>\n<p>Ich habe leider noch nicht die wissenschaftlichen Arbeit von Gomes zu diesem Thema gelesen (wenn sie jemand findet, falls sie \u00fcberhaupt schon ver\u00f6ffentlicht ist, dann sagt bitte Bescheid!). Ich kann also noch nicht allzu viel dar\u00fcber sagen. Aber zwei Dinge sind wichtig.<\/p>\n<p>Ein Planet im \u00e4u\u00dferen Sonnensystem ist nicht so au\u00dfergew\u00f6hnlich wie es klingen mag. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass sich hinter dem Kuiperg\u00fcrtel und in der Oortschen Wolke noch gr\u00f6\u00dfere Objekte befinden. Es ist nur \u00e4u\u00dferst unwahrscheinlich, dass wir sie direkt entdecken k\u00f6nnen. Daf\u00fcr sind sie zu klein, zu dunkel und zu weit weg. Die Astronomen haben sich nat\u00fcrlich auch fr\u00fcher schon Gedanken dar\u00fcber gemacht, <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/04\/planet-x-ist-weit-weg.php\">wie man sie finden kann<\/a>. Und es gibt <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/02\/tyche-ein-bisher-unbekannter-planet-im-sonnensystem.php\">immer wieder mal Astronomen<\/a>, die meinen, ein paar indirekte Hinweise auf so einen Planeten gefunden zu haben.<\/p>\n<p>Aber, und das ist der zweite wichtige Punkt, die Arbeit von Gomes ist alles andere als eine &#8222;Entdeckung!&#8220;. Das meinen auch die Kollegen, die National Geographic in ihrem Artikel zitieren. Die Wissenschaftler sind der Ansicht, dass die Arbeit interessant ist und wichtig, weil sie uns zeigt, wie man Hinweise auf so einen unbekannten Planeten sammeln kann. Aber die Daten sind alles andere als eindeutig und daraus auf die Existenz eines Planeten zu schlie\u00dfen sei nicht zul\u00e4ssig. Solange ich die Arbeit von Gomes nicht gelesen habe, kann ich nicht sagen, ob das richtig ist oder nicht. Aber ich kenne die Leute, die da zu Wort gekommen sind und die wissen normalerweise wovon sie reden und sind Experten auf diesem Gebiet.<\/p>\n<p>Vielleicht sollte man sicherheitshalber noch einen dritten Punkt erw\u00e4hnen. Selbst wenn es diesen Planet gibt, <i>dann ist er nicht gef\u00e4hrlich<\/i>! Er kann es nicht sein, denn er muss sich ja <i>immer<\/i> in den \u00e4u\u00dfersten Bereichen des Sonnensystems befinden (sonst h\u00e4tten wir ihn ja schon l\u00e4ngst entdeckt). Gomes spricht von einem Planeten, der 1500 Mal weiter von der Sonne entfernt ist, als die Erde (zum Vergleich: Neptun, der am weitesten entfernte bekannte Planet ist nur 30 Mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde). Er kommt der Erde also nicht nahe und hat daher auch nichts mit dem Planet X bzw. Nibiru der Weltuntergangsspinner zu tun (den es <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/08\/die-position-und-sichtbarkeit-des-planet-x-am-himmel.php\">ebenfalls nicht gibt<\/a>).<\/p>\n<p>Ich bezweifle nicht, dass es in den \u00e4u\u00dferen Bereichen des Sonnensystems noch weitere Planeten geben kann. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass es sie zumindest in der Oortschen Wolke <i>gibt<\/i> (das folgt schon aus der Theorie der Planetenentstehung). Aber ich bin skeptisch, ob es so einfach sein wird, ihn zu entdecken. Bis man hier ausreichend indirekte Beweise (direkt wird man ihn sowieso so schnell nicht sehen k\u00f6nnen) gesammelt hat, wird noch viel Zeit vergehen&#8230; <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/d431696f869948d4aece71fd36c16e5a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;New Planet Found in Our Solar System?&#8220; titelte National Geographic k\u00fcrzlich. Und f\u00fcr den Fall, dass diese Schlagzeile aus Amerika hier zu uns her\u00fcberschwappen m\u00f6chte ich sicherheitshalber ein paar Worte dazu sagen. Die Kurzfassung lautet: Unser Sonnensystem hat derzeit immer noch 8 bekannte Planeten. Niemand hat irgendwas entdeckt. 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