{"id":20516,"date":"2012-05-13T17:30:45","date_gmt":"2012-05-13T15:30:45","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/13\/das-sonnensystem-bewegt-sich-langsamer-als-gedacht\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:43","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:43","slug":"das-sonnensystem-bewegt-sich-langsamer-als-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/13\/das-sonnensystem-bewegt-sich-langsamer-als-gedacht\/","title":{"rendered":"Das Sonnensystem bewegt sich langsamer als gedacht"},"content":{"rendered":"<p>Wenn wir einem Raumschiff immer weiter von der Erde weg fliegen, dann kommen wir zuerst am Mars vorbei, danach folgen Jupiter, Saturn, Uranus und schlie\u00dflich &#8211; nachdem wir den 30fachen Abstand zwischen Sonne und Erde zur\u00fcck gelegt haben &#8211; der Neptun. Aber bei dieser Entfernung von 30 sogenannten <i>Astronomischen Einheiten (AE)<\/i> ist das Sonnensystem noch lange nicht zu Ende. Weiter hinten folgen noch die Zwergplaneten Pluto, Haumea, Makemake und Eris am Schlu\u00df bei 68 AE. Noch weiter hinten folgen weitere Asteroiden des <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/09\/asteroiden-im-sonnensystem.php\">Kuiperg\u00fcrtels<\/a>. Aber unser Sonnensystem wird nicht nur durch die Planeten, Zwergplaneten und Asteroiden definiert, die die Sonne umkreisen. Die Sonne hat ein gro\u00dfes Magnetfeld, das weit \u00fcber den Bereich der Planeten hinaus erstreckt. Und sie st\u00f6\u00dft einen best\u00e4ndigen Strom aus geladenen Teilchen aus, den sogenannten <i>Sonnenwind<\/i>. Magnetfelder und geladene Teilchen gibt es auch au\u00dferhalb des Sonnensystems, im Raum zwischen den Sternen. Der Bereich, der durch Magnetfeld und Teilchen der Sonne dominiert ist, nennt sich <i>Heliosph\u00e4re<\/i>. Man kann sich das in etwa so vorstellen, wie ein gro\u00dfe Blase, in der sich das Sonnensystem befindet und die sich mit ihm durch die Milchstra\u00dfe bewegt. Nat\u00fcrlich interagiert diese Blase mit den interstellaren Magnetfeldern und Teilchen. Diese Interaktion kann uns einiges \u00fcber die Dynamik in der Milchstra\u00dfe verraten und darum wird sie seit 2009 vom Satelliten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Interstellar_Boundary_Explorer\">IBEX (Interstellar Boundary Explorer)<\/a> erforscht. Die neuesten Resultate sind sehr interessant. Das Sonnensystem ist offensichtlich langsamer als gedacht&#8230;<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIrgendwann haben sich die von der Sonne abgestrahlten Teilchen so weit von ihr entfernt, dass die interstellaren Magnetfelder beginnen, sie abzubremsen. Dabei werden sie aufgeheizt. Die noch schnellen Teilchen von der Sonne treffen auf die schon abgebremsten langsamen Teilchen und die Materiedichte im Raum wird erh\u00f6ht (so wie ein Stau auf der Autobahn die lokale &#8222;Autodichte&#8220; erh\u00f6ht). Diesen Bereich, der sich in einer Entfernung von ungef\u00e4hr 75 bis 90 AE befindet, nennt man <i>&#8222;Termination Shock&#8220;<\/i>. Dahinter folgt das sogenannte <i>&#8222;Heliosheath&#8220;<\/i>, die &#8222;Sonnenh\u00fclle&#8220;. Hier bewegen sich die Teilchen des Sonnenwinds langsamer. Irgendwann vermischen sie sich schlie\u00dflich mit der interstellaren Materie; der Einfluss des solaren Magnetfelds ist nicht mehr sp\u00fcrbar. Diese Grenze ist die <i>Heliopause<\/i>. Sie liegt irgendwo in der Gegend von 100 AE und umschlie\u00dft die gesamte Heliosph\u00e4re. Die Heliopause bildet keine kugelf\u00f6rmige Grenze sondern ist verformt. Man hat bisher immer angenommen, dass das Sonnensystem in der Heliosph\u00e4renblase bei seiner Bewegung durch die interstellare Materie eine Art &#8222;Sto\u00dfwelle&#8220; (&#8222;Bow Shock&#8220;) vor sich her schiebt. Aktuelle Messungen zeigen aber, dass das wohl nicht der Fall ist.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"30991\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-06c63b73b224fddfd4171d088da0f963-Heliosphere_with_bow_shock.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-06c63b73b224fddfd4171d088da0f963-Heliosphere_with_bow_shock.jpg','popup','width=570,height=440,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-533615c0d87058c156700e793937b486-Heliosphere_with_bow_shock-thumb-500x385-1.jpg\" alt=\"i-533615c0d87058c156700e793937b486-Heliosphere_with_bow_shock-thumb-500x385.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Bisheriges Bild der Heliosph\u00e4re mit Sto\u00dfwelle (Bild: IBEX Team\/Adler Planetarium) <\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Der Satellit IBEX befindet sich zwar in der N\u00e4he der Erde, kann aber trotzdem die Grenzen des Sonnensystems erforschen. Er registriert ungeladene Atome, die aus dem interstellaren Raum in Richtung Erde fliegen. Da sie nicht elektrisch geladen sind, k\u00f6nnen sie ungehindert an den Magnetfeldern vorbei fliegen. Aus ihrer Analyse lassen sich einige interessante Eigenschaften \u00fcber die Wechselwirkung zwischen Sonnensystem und dem Rest der Galaxie ableiten. Im Oktober 2009 fand IBEX zum Beispiel v\u00f6llig \u00fcberraschend <a href=\"https:\/\/science.nasa.gov\/science-news\/science-at-nasa\/2009\/15oct_ibex\/\">eine gro\u00dfe &#8222;Schleife&#8220; von Teilchen<\/a>, die sich um die gesamte Heliosph\u00e4re windet. Es war lange unklar, worum es sich bei dieser &#8222;IBEX Ribbon&#8220; handelt. Man vermutet, dass es um <a href=\"https:\/\/science.nasa.gov\/science-news\/science-at-nasa\/2010\/15jan_ibex2\/\">am galaktischen Magnetfeld reflektierte Teilchen<\/a> sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Dave McComas vom Southwest Research Institute und seine Kollegen haben nun <a href=\"https:\/\/www.sciencemag.org\/content\/early\/2012\/05\/09\/science.1221054.abstract\"> neue IBEX-Daten ver\u00f6ffentlicht<\/a>. Die von IBEX gemessenen Teilchen der interstellaren Materie sind ein wenig langsamer als die fr\u00fcheren Messungen nahelegten, die mit anderen, nicht ganz so sensitiven Satelliten gemacht wurden. Daraus l\u00e4sst sich ableiten, dass sich das Sonnensystem um 11000 km\/h langsamer als bisher gedacht durch die Milchstra\u00dfe bewegt. &#8222;Langsam&#8220; ist hier zwar relativ &#8211; das ganze System saust immer noch mit knapp 83000 Kilometern pro Stunde durch die Galaxie &#8211; aber die Geschwindigkeit reicht nicht aus, damit sich eine Sto\u00dfwelle bilden kann. Es gibt daher wohl nur eine Art kleine &#8222;Bugwelle&#8220;, so wie bei einem Schiff das langsam durch ruhiges Wasser f\u00e4hrt. Das aktuelle Bild sieht also ungef\u00e4hr so aus:<\/p>\n<form mt:asset-id=\"30988\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-86b9edda7035706406f5fa5af3a968d3-TA007685-IBEX-PR.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-86b9edda7035706406f5fa5af3a968d3-TA007685-IBEX-PR.jpg','popup','width=570,height=416,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-b23fec070c3882664fff0f6ba4164e8f-TA007685-IBEX-PR-thumb-500x364-1.jpg\" alt=\"i-b23fec070c3882664fff0f6ba4164e8f-TA007685-IBEX-PR-thumb-500x364.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Bild: IBEX Team, https:\/\/ibex.swri.edu\/<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Die Heliopause umgibt hier eine Region, die ein wenig wie ein Komet aussieht, mit einem langen &#8222;Schwanz&#8220; in der linken Bildh\u00e4fte. Darin befinden sich die Sonne und der Termination Shock. In rot ist die &#8222;IBEX Ribbon&#8220; eingezeichnet, die die Heliosph\u00e4re umspannt. Die schr\u00e4gen Linien zeigen die Richtung des interstellaren Magnetfeldes an und der blaue Pfeil die Richtung, aus der die interstellaren Teilchen auf uns zu kommen (mit besagten 83000 km\/h was ungef\u00e4hr 52000 Meilen pro Stunde entspricht). In Flugrichtung gibt es keine Sto\u00dfwelle, sondern nur eine schw\u00e4chere &#8222;Bow Wave&#8220;.<\/p>\n<p>Die Grenzen des Sonnensystems und die Interaktion mit dem Rest der Milchstra\u00dfe von der fernen Erde aus zu erforschen ist knifflig. Aber wir kommen langsam voran! Und das ist gut so. Denn die Heliosph\u00e4re sch\u00fctzt uns vor den meisten der energiereichen kosmischen Strahlen die aus dem interstellaren Raum aufs Sonnensystem treffen. Zu wissen, wie die Heliosph\u00e4re aufgebaut ist und wie sie sich im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert ist also durchaus relevant!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/224203d2288348a78ec4159a99934293\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn wir einem Raumschiff immer weiter von der Erde weg fliegen, dann kommen wir zuerst am Mars vorbei, danach folgen Jupiter, Saturn, Uranus und schlie\u00dflich &#8211; nachdem wir den 30fachen Abstand zwischen Sonne und Erde zur\u00fcck gelegt haben &#8211; der Neptun. 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