{"id":20497,"date":"2012-05-08T11:24:44","date_gmt":"2012-05-08T09:24:44","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/08\/pseudowissenschaft-an-der-europauniversitat-viadrina-frankfurt-harald-walch-und-der-kozyrevspiegel\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:41","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:41","slug":"pseudowissenschaft-an-der-europauniversitat-viadrina-frankfurt-harald-walch-und-der-kozyrevspiegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/08\/pseudowissenschaft-an-der-europauniversitat-viadrina-frankfurt-harald-walch-und-der-kozyrevspiegel\/","title":{"rendered":"Pseudowissenschaft an der Europa-Universit\u00e4t Viadrina Frankfurt: Professor Harald Walach und der Kozyrev-Spiegel"},"content":{"rendered":"<p>Die Viadrina in Frankfurt an der Oder macht wieder einmal <a href=\"https:\/\/www.webcitation.org\/67VCx8pMQ\">Schlagzeilen<\/a>. Im Zuge der Berichterstattung \u00fcber Harmut M\u00fcller, ein wegen Betrug angeklagter und derzeit fl\u00fcchtiger Pseudowissenschaftler, der sich das sogenannte <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/04\/gericht-sagt-global-scaling-ist-betrug.php\">&#8222;Global Scaling&#8220; ausgedacht hat<\/a>, sind auch die seltsamen Umtriebe der Viadrina wieder einmal <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/gesundheits-check\/2012\/04\/wissenschaftstheorie-wissenschaftspraxis-wissenschaftspolitik-die-unendliche-geschichte-esoterischer-betatigungen-an-der-viadrina.php\">thematisiert worden<\/a>. Denn dort gibt es einen Studiengang &#8222;&#8220;Kulturwissenschaften &#8211; Komplement\u00e4re Medizin&#8220; und fr\u00fcher sollten da auch einmal Inhalte der Global-Scaling-Theorie (und jede Menge andere esoterische Lehren) <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/08\/das-esoterikstudium-an-der-viadrina-in-frankfurt-oder.php\">gelehrt werden<\/a>. Sp\u00e4ter hat hat man dann die \u00e4rgsten pseudowissenschaftlichen Inhalte doch wieder aus dem Lehrplan genommen. Die Thesen des Global Scaling fanden aber trotzdem noch indirekt einen Platz am &#8222;<a href=\"https:\/\/www.europa-uni.de\/de\/forschung\/institut\/institut_intrag\/institut\/index.html\">Institut f\u00fcr transkulturelle Gesundheitswissenschaften<\/a>&#8222;. Institutsleiter Professor Harald Walach <a href=\"https:\/\/www.webcitation.org\/677UYJuQ5\">sagte zwar k\u00fcrzlich zur FAZ<\/a>, dass Global Scaling ein &#8222;vollkommene[r] Schmarrn&#8220; sei, au\u00dferdem <i>&#8222;kenne [ich] mich damit nicht aus, und es ist mir auch zu kompliziert.&#8220;<\/i>. Das hat ihn aber nicht daran gehindert, eine auf Prinzipien des Global Scaling basierende Masterarbeit zu betreuen und sie sp\u00e4ter als <i>&#8222;hervorragende experimentelle Arbeit&#8220;<\/i> <a href=\"https:\/\/www.webcitation.org\/67VBq2Wdx\">zu bezeichnen<\/a>. Verst\u00e4ndlicherweise ist Professor Walach ver\u00e4rgert \u00fcber die Kritik an seinem Institut und wehrt sich. Allerdings auf ganz besondere Art und Weise. <a href=\"https:\/\/www.webcitation.org\/67U4rUapK\">Er vergleicht<\/a> die Kritiker mit &#8222;Inquistoren&#8220; und wirft ihnen vor, die Wissenschaft zur Religion zu machen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nIn seinem Text zur Rechtfertigung der kritisierten Masterarbeit erkl\u00e4rt Walach, dass sich niemand anma\u00dfen d\u00fcrfe zu definieren, was Wissenschaft ist. Und diejenigen, die nun die Masterarbeit, ihn und sein Institut kritisieren, seien nur &#8222;Glaubensw\u00e4chter&#8220;, die Wissenschaft zu ihrer Religion erkoren haben, diese Religion rein halten wollen und alles Unbekannte gnadenlos ausgrenzen:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Was diesen Inhalten widerspricht, wird ausgegrenzt und verfolgt. Dann m\u00fcssen Worth\u00fclsen herhalten, deren m\u00e4chtigste, weil am wenigsten reflektierte der Begriff \u201eunwissenschaftlich&#8220; ist, gleich danach kommt \u201eesoterisch&#8220;.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Bestimmen zu wollen, was Wissenschaft ist, sei &#8222;diktatorisch&#8220;. Und<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Neu-Szientisten, die selber nichts zur Wissenschaft beitragen, sollen nach meinem Daf\u00fcrhalten nicht den Diskurs dar\u00fcber bestimmen, was Wissenschaft ist, sondern das denen \u00fcberlassen, die Wissenschaft betreiben.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Schlie\u00dflich stellt er die Frage:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Was entscheidet dann, was wissenschaftlich ist?&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Art der Verteidigung von Walach war vorhersehbar. Auf die konkrete Kritik an der Masterarbeit (dazu sp\u00e4ter mehr) wird nicht eingegangen. Die Kritiker werden einfach pauschal als diktatorische Inquisitoren bezeichnet, die die freie Entfaltung der Wissenschaft behindern wollen. Wissenschaft sei zur Religion geworden und mutige Forschungsrebellen wie die Leute von Walachs Institut m\u00fcssen sie jetzt vor den dogmatischen Glaubensw\u00e4chtern sch\u00fctzen. <i>&#8222;Wir scheuen uns am IntraG nicht, uns auch mit dem, wovon andere die Finger lassen, wissenschaftlich auseinanderzusetzen. Wer uns hier unwissenschaftliches Vorgehen vorwirft, versteht nichts von Wissenschaft und hat die betreffende Arbeit von Herrn Conrad nicht gelesen: Die Tatsache, dass die Arbeit Kozyrev widerlegt ist von den aufbrausenden Kritikern offensichtlich \u00fcbersehen worden&#8220;<\/i> schreibt Walach <a href=\"https:\/\/www.webcitation.org\/67VBq2Wdx\">in einer anderen Replik<\/a>.<\/p>\n<p>Dabei scheint er aber eines \u00fcbersehen zu haben. Die Kritik st\u00f6rt sich nicht daran, dass an der Viadrina &#8222;komische&#8220; Themen erforscht werden sollen. Au\u00dfergew\u00f6hnliche Thesen aufzustellen und neue Wege zu gehen ist Teil der normalen wissenschaftlichen Arbeit. Es ist auch egal, zu welchem Ergebnis die Masterarbeit kommt. Es geht um die Art und Weise <i>wie<\/i> am Insitut von Herrn Walach geforscht wird. Denn &#8211; um die Frage von vorhin zu beantworten &#8211; entscheidend f\u00fcr die Wissenschaftlichkeit einer Arbeit ist die Art und Weise wie sie durchgef\u00fchrt wurde. Und das, was da abgeliefert wurde, hat mit wissenschaftlicher Methodik nichts zu tun. Dazu muss man nur einen Blick <a href=\"https:\/\/www.fostac.ch\/de\/docs\/kurse\/kozyrev-prinzip-masterarbeit-dr.med.-peter-conrad-2011.pdf\">in die Arbeit<\/a> werfen. Das habe ich getan.<\/p>\n<p>Verfasser der Masterarbeit ist Peter Conrad, ein Orthop\u00e4de aus Berlin. Der Titel seiner Arbeit lautet &#8222;Der Kozyrev-Spiegel in der Praxis&#8220;. Gleich im ersten Satz bezieht Conrad sich auf den Global-Scaling-Erfinder Hartmut M\u00fcller:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Mein erster Kontakt mit dem Namen Kozyrev stammt aus dem Artikel &#8222;Die globale Zeitwelle&#8220; von H. M\u00fcller.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Die ganze Arbeit dreht sich um eine sogenannte &#8222;Kozyrev-Kamera&#8220; bzw. einen &#8222;Kozyrev-Spiegel&#8220;. Das ist eine Apparatur (im wesentlich eine gro\u00dfe R\u00f6hre aus Aluminium) in deren Inneren seltsame Dinge passieren sollen. Der Kozyrev-Spiegel soll auf den Theorien des russischen Physikes gleichen Namens basieren, der sehr unorthodoxe Gedanken \u00fcber die Zeit entwickelt hatte. \u00dcber die &#8222;Zeitwellen&#8220; wird daher in der Masterarbeit viel geredet. Zum Beispiel in dieser Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Funktionsweise der Kozyrev-Kamera:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Wahrscheinlicher ist jedoch, da\u00df dieser temporale Effekt, ebenso wie die  Funktionsweise der Kosyrev-Kamera nicht auf einer Abschirmung lokaler  Wellen vom Einflu\u00df der globalen Zeitwelle beruht (wie bisher vermutet), sondern umgekehrt, die Kosyrev-Kamera bzw. die Metallplatten des Kondensators lokale Zeitwellen kurz schlie\u00dfen, so da\u00df nur noch der Einflu\u00df der globalen Zeitwelle \u00fcbrig bleibt.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Das klingt nat\u00fcrlich alles erst mal enorm beeindruckend. Aber es wird noch besser:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Ein Kozyrev-Spiegel ist eine Aluminium-Konstruktion, welche in ihrem Inneren nach Aussage der Nowosibirsker Wissenschaftler Prof. Kaznacheev und Prof.<br \/>\nTrofimov einen Raum-Zeit-Kanal \u00f6ffnen kann. &#8222;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Da bastelt also ein Berliner Orthop\u00e4de im Rahmen einer Masterarbeit  an einem kulturwissenschaftlichen Institut ein Ger\u00e4t, mit dem ein Tunnel in der Raum-Zeit ge\u00f6ffnet werden kann! Gut, ich habe vorhin festgestellt, dass es nicht so sehr auf das Thema ankommt, sondern die Art und Weise, wie man damit umgeht. Insofern kann man nicht ausschlie\u00dfen, dass ein Orthop\u00e4de im Rahmen einer Masterarbeit  an einem kulturwissenschaftlichen Institut die gesamte moderne Naturwissenschaft revolutioniert. Aber Wissenschaft ist etwas, das nicht isoliert da steht. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse m\u00fcssen zu den bestehenden Erkenntnissen passen. Eine neue, bessere Theorie muss auch all das erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, was die alten Theorien erkl\u00e4ren konnten. Einsteins Relativit\u00e4tstheorie konnte all das, was Newtons Gravitationstheorie konnte. Einstein hat Newton nicht widerlegt, sondern erweitert und korrigiert. Um das tun zu k\u00f6nnen, musste Einstein nat\u00fcrlich auch Ahnung von Newtons Theorie haben. Wenn man nun also mit &#8222;Zeitwellen&#8220; und &#8222;Raum-Zeit-Tunneln&#8220; arbeitet, dann sollte man eigentlich eine solide Ausbildung in theoretischer Physik haben um \u00fcberhaupt erstmal zu wissen, mit was man es zu tun hat. Und um zu wissen, wie der aktuelle Stand der Forschung in Sachen Raum-Zeit ist. Den muss man ber\u00fccksichtigen. Ansonsten begibt man sich auf das gleiche Niveau der Perpetuum-Mobile-Bauer, die in ihren Werkst\u00e4tten fr\u00f6hlich vor sich hin basteln und dabei die physikalischen Grundlagen v\u00f6llig ignorieren.<\/p>\n<p>Aber ok. Schauen wir mal weiter. Vielleicht kennt sich Peter Conrad ja ausreichend mit theoretischer Physik aus, um dieses Thema zufriedenstellend zu bearbeiten.<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Ausgangspunkt der Zeitwellen-Theorie ist die Entdeckung (Vision von) einer physikalischen Strahlung, welche alle Lebewesen und Himmelsk\u00f6rper aussenden. Diese Strahlung dient dem Informationsaustausch, ist eng mit der Raum-Zeit verbunden und beeinflu\u00dft alle materiellen K\u00f6rper in der physikalischen Raum-Zeit.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Ok. Anscheinend nicht. Eine &#8222;Vision&#8220; kann zwar durchaus Ausgangspunkt wissenschaftlicher Erkenntnis sein. Eine &#8222;Vision&#8220; ist aber definitiv keine &#8222;Entdeckung&#8220;. &#8222;Entdeckt&#8220; hat man etwas, wenn es zweifelsfrei und objektiv nachweisbar ist. Wenn es nur als Vision in meinem Kopf existiert, dann ist es keine Entdeckung. Sp\u00e4testens jetzt k\u00f6nnten einem ernste Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Masterarbeit kommen &#8211; und wir befinden uns erst auf Seite 3 der Arbeit&#8230;<\/p>\n<p>Noch zweifelhafter wird die ganze Sache, als Conrad beschreibt, was die &#8222;Zeitwellen&#8220; im Kozyrev-Spiegel denn nun eigentlich bewirken sollen:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Die h\u00e4ufigsten Erfahrungen im Inneren des Kosyrev-Spiegels (&#8230;)  beschreiben 47 Probanden aus 228 zehnmin\u00fctigen Aufenthalten:<br \/>\n&#8211; Das Gef\u00fchl, zu fliegen     88,2 % <br \/>\n&#8211; Austritt in das Weltall     85,1 % <br \/>\n&#8211; Empfangen symbolischer Informationen  82,0 % <br \/>\n&#8211; Beobachtung au\u00dferirdischer Wesen   80,3 % <br \/>\n&#8211; Rotationsgef\u00fchl des K\u00f6rpers    78,1 % <br \/>\n&#8211; Beobachtung von Ufos     75,4 % <br \/>\n&#8211; Wahrnehmung au\u00dferirdischer Konstruktionen  70,2 %<br \/>\n&#8211; Wahrnehmung eines \u00e4u\u00dferen Beobachters  68,0 % <br \/>\n&#8211; Telepathische Kontakte     55,7 % <br \/>\n&#8211; Wahrnehmung vergangener Lebensepisoden  40,4 % <br \/>\n&#8211; Furcht       34,2 % <br \/>\n&#8211; Beobachtung historischer Ereignisse mit  ethnografischen Details   30,3 % <br \/>\n&#8211; Pers\u00f6nlichkeitsver\u00e4nderungen    30,3 %&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>In der Masterarbeit geht es also um die Erforschung eines Ger\u00e4ts, das auf einer &#8222;Vision&#8220; basiert, das angeblich Tunnel in der Raum-Zeit \u00f6ffnet und in dem man UFOs, Alienst\u00e4dte und die Vergangenheit sehen kann. Nochmal: Das Thema an sich ist hier nicht das Problem (obwohl der Absurdit\u00e4tslevel stetig steigt&#8230;). Man kann sich auch mit UFOs, Aliens und Reisen in die Vergangenheit wissenschaftlich besch\u00e4ftigen. \u00dcber Tunnel durch die Raum-Zeit sind <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/09\/wurmlocher-zeitmaschinen-und-ein-universum-dass-sich-selbst-erzeugt.php\">ganze B\u00fccher geschrieben<\/a> worden. Das geht alles. Aber um sich wissenschaftlich vern\u00fcnftig mit solchen Themen auseinandersetzen zu k\u00f6nnen ben\u00f6tigt man normalerweise eine andere Ausbildung als man sie als Orthop\u00e4de typischerweise hat.<\/p>\n<p>Aber lesen wir weiter und schauen wir, wie Peter Conrad dieses Wunderger\u00e4t testet. Zuerst wird es gebaut &#8211; nach Ma\u00dfst\u00e4ben des Global Scaling:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Einen ersten Kozyrev-Spiegel bastelte ich Ende 2008 (Abb. 1). Dieser besteht aus einer innen mit Aluminiumfolie verkleideten Plastikr\u00f6hre mit einem Durchmesser von ca. 90,6 cm &#8211; einem Knotenpunkt nach Global Scaling.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Gut. Jetzt sind wir wirklich im pseudowissenschaftlichen Bereich angelangt. Denn &#8222;Global Scaling&#8220; hat mit Wissenschaft nichts zu tun (ich habe das <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/07\/global-scaling-eine-neue-universaltheorie.php\">hier ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt<\/a>). Die Leute, die immer darauf pochen, dass man alles &#8222;offen&#8220; erforschen m\u00fcsse, dass man sich auch mit &#8222;ungew\u00f6hnlichen&#8220; Themen besch\u00e4ftigen solle, vergessen oft eines: Sinn und Zweck der Wissenschaft ist es, zu objektiven Erkenntnissen \u00fcber unsere Welt zu kommen. Deswegen wird ja immer so sehr auf dem Wechselspiel von Theorie und Experiment, von Vorhersage und \u00dcberpr\u00fcfung beharrt. Eine Theorie sollte idealerweise Vorhersagen machen, die sich \u00fcberpr\u00fcfen lassen. Dann kann man sie falsifizieren oder verifizieren. Und wenn eine Theorie falsifiziert ist, <i>dann verwirft man sie<\/i>. Es hat nichts mit &#8222;Offenheit&#8220; zu tun, weiter einer widerlegten Theorie anzuh\u00e4ngen. Ganz im Gegenteil. Und viele &#8222;Theorien&#8220; wie zum Beispiel das Global Scaling <i>sind widerlegt<\/i>. Wer solche &#8222;Theorien&#8220; weiter verwendet und darauf neue &#8222;Theorien&#8220; aufbaut, der arbeitet nicht wissenschaftlich.<\/p>\n<p>Das was in der Arbeit jetzt folgt, hat aber mit Wissenschaft sowieso nur noch wenig zu tun:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Ein Freund und Kollege verbringt seit 2 Jahren, bei fast jedem Besuch, Zeit im Kozyrev-Spiegel, um mehr Klarheit oder Hilfe bez\u00fcglich eigener Probleme und  Entscheidungen zu bekommen. Mehrfach konnte er Konflikte mit, zum teil verstorbenen, Familienangeh\u00f6rigen kl\u00e4ren. Er h\u00e4lt sich dabei oft weit mehr als eine Stunde in seinem Inneren auf bei gef\u00fchlten 15-30 Minuten.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Auch der Autor der Masterarbeit selbst hat die Kozyrev-R\u00f6hre ausprobiert. Er erz\u00e4hlt wie er w\u00e4hrend eines Meditationsseminars im Zuge des Studiums an der Viadrina ein paar unklare Visionen hatte. Er konnte sich keinen Reim darauf machen und fragte seinen Professor um Hilfe:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Prof. Walach empfahl mir die Bedeutungsfrage dieser beiden Erlebnisse doch mal im Kozyrev-Spiegel zu stellen.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Masterarbeit driftet nun immer mehr in einen pers\u00f6nlichen Aufsatz ab. Mit wissenschaftlicher Objektivit\u00e4t (und Seriosit\u00e4t) haben solchen Passagen nichts mehr zu tun:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Diese reine Gef\u00fchlsebene l\u00e4\u00dft sich nicht  mit Worten beschreiben (das soll auch Napoleon so \u00e4hnlich empfunden haben,  erz\u00e4hlte man mir hinterher). Am ehesten umschreiben kann man es vielleicht  mit: Aufladen, wie an einem Akku &#8211; schwerelos &#8211; zeitlos &#8211; wooohlf\u00fc\u00fc\u00fchlen.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Naja. Peter Conrad wollte nun auch noch tragbare Kozyrev-Spiegel basteln. Dazu wollte er DVDs verwenden. Denn darauf befindet sich Informtion, die durch die &#8222;geheimnisvollen Vorg\u00e4nge&#8220; in der R\u00f6hre irgendwie weiter transportiert werden k\u00f6nnen:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Die erste Idee war, bespielte DVD\u00b4s (mit Lehrvideos, z.B. Hom\u00f6opathie) als Informationstr\u00e4ger zu benutzen. Deshalb bastelte ich einen Kozyrev-Spiegel aus einem leeren DVD-Spender.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Mit den neuen Spiegeln wird jetzt getestet. Verschiedene Probanden sollen Zahlen erraten. Sie sollen dabei besser &#8222;hellsehen&#8220; k\u00f6nnen, wenn sie mit einer Kozyrev-R\u00f6hre verbunden sind. Wenn sie dagegen nur mit einer &#8222;falschen&#8220; R\u00f6hre verbunden sind, soll nichts besonders passieren. Prinzipiell eine gute Idee. Allerdings ist schon die Auswahl der Probanden nicht sonderlich vertrauenserweckend:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Die Rekrutierung der Probanden erfolgte aus Mitstudierenden, Verwandten, dem Bekanntenkreis und aus Patienten meiner Praxis. Einschlu\u00dfkriterien waren Freiwilligkeit und weitgehende Gesundheit i.S. geistiger Zurechnungsf\u00e4higkeit sowie Vollj\u00e4hrigkeit. Die Teilnahme von Kindern &#8211; deren Zahlenverst\u00e4ndnis bereits vorhanden ist &#8211; bei schriftlicher Einwilligung der Eltern und offensichtlicher Bereitschaft des Kindes war m\u00f6glich. So nahm ein 6-j\u00e4hriges M\u00e4dchen  teil und hatte Spa\u00df dabei.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Gut, es wurden also Tests gemacht, die Freund des Autors und das Kind hatten Spa\u00df und am Ende gibt es viele Zahlen auszuwerten. Hat das nun geklappt mit dem Hellsehen?<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Der Kozyrev-Spiegel &#8222;verdeckt&#8220; erreicht weder in Summation, noch in einer der Gruppen, Signifikanzniveau.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Tja, bl\u00f6d gelaufen. Selbst der Autor schaffte es nicht, mit Kozyrevs Hilfe besser hellzusehen:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;O je &#8211;   ich h\u00e4tte lieber nicht selbst testen sollen! &#8230; Dann h\u00e4tte ich aber auch nur 13 Probanden&#8230; Also, wenn meine Intention das Testergebnis beeinflusst<br \/>\nhat, dann bin ich ein intentionaler Master-Arbeits-Selbstt\u00f6ter &#8230; &#8222;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Ernsthaft, das sind alles Zitate aus der offiziellen Masterarbeit!<\/p>\n<p>Aber egal. Die Statistik ist eine Sache, der Glaube des Autors eine andere:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Die Wirksamkeit der Spiegel halte ich f\u00fcr erwiesen (&#8230;)&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>sagt Conrad, und zwar unter andere deswegen, weil die Leute doch in den &#8222;Vorexperimenten&#8220; so viele sch\u00f6ne Visionen in der R\u00f6hre hatten. Au\u00dferdem sei der Kozyrev-Spiegel eine &#8222;nichtklassischer Pseudomaschine&#8220;. Der Begriff stammt aus der Arbeit von Herrn Walach. So eine &#8222;nichtklassischer Pseudomaschine&#8220; erkennt man an folgenden Eigenschaften:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;- Experimentelle Daten sind meist nicht replizierbar<\/p>\n<p>&#8211; Die Effekte oszillieren <\/p>\n<p>&#8211; Bei Verblindung verschwinden die Effekte !&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>DAS hat nun wirklich nichts mehr mit Wissenschaft zu tun. Wenn ein Effekt nicht reproduzierbar ist, wenn die Ergebnisse unklar sind, wenn bessere (verblindete) Experimente dazu f\u00fchren, dass die Effekte verschwinden: Dann kann man sich nicht einfach ein neues Wort ausdenken und behaupten, der Effekt existiere trotzdem! Das alles erinnert an die Hom\u00f6opathie. Wird man nach der Einnahme eines hom\u00f6opathischen Mittels gesund, dann hat die Hom\u00f6opathie gewirkt. Wird man nicht gesund, dann war es die sogenannte &#8222;Erstverschlechterung&#8220; und die Hom\u00f6opathie hat trotzdem gewirkt. Das hat mit Wissenschaft nichts zu tun! Wenn der Kozyrev-Spiegel tolle Visionen liefert, dann funktioniert er. Wenn der Kozyrev-Spiegel bei einem seri\u00f6sen, verblindeten Experiment auf einmal keine Effekte mehr zeigt, dann funktioniert er trotzdem, weil er eine &#8222;nichtklassische Pseudomaschine&#8220; ist&#8230;<\/p>\n<p>Was soll das noch mit Wissenschaft zu tun haben? Ich kann mir viele Wege vorstellen, wie man selbst so etwas absurdes wie einen Kozyrev-Spiegel (wir erinnern uns: Der \u00f6ffnet angeblich ein Wurmloch!) wissenschaftlich korrekt untersuchen kann. &#8222;Wissenschaftlich&#8220; hei\u00dft aber vor allem, dass man sich die Ergebnisse nicht einfach so drehen kann, wie es gerade passt!<\/p>\n<p>Aber mit Wissenschaft hat der Rest der Arbeit sowieso nichts mehr zu tun. Da wird dann von Dimensionen und Quanten erz\u00e4hlt, die verschiedensten Begriffe werden wild durcheinander gew\u00fcrfelt und zu sinnfreien S\u00e4tzen aneinander gereiht. Ein paar Beispiele:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Eine Art fl\u00e4chenhafter Darstellung der Zeit steckt  in Burkhard Heims zw\u00f6lfdimensionalem Weltmodell. Dort spielt die Zeit die  Mittlerrolle zwischen den  Dimensionen und die 4. Dimension bildet die lineare Zeit ab. Die 5. (entelechiale) Dimension und die 6. (\u00e4onische) bilden zeitliche Aspekte ab.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p><i>&#8222;Das spiegelbildliche Gegenst\u00fcck dazu liegt in der 9. Dimension. Diese<br \/>\nDimension ist energiefreier reiner Bewu\u00dftseinsraum, weshalb ich imagin\u00e4r (&#8222;Idee der Zeit&#8220;) f\u00fcr angemessen halte.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p><i>&#8222;Die kreisf\u00f6rmige Darstellung der Dimensionen erscheint mir sympathischer, da mir eine lineare Begrenzung ebenso sinnlos erscheint, wie eine lineare Unendlichkeit. Und letztlich ist doch alles irgendwie ein Kreislauf..&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Sehr geehrter Herr Walach. Die Leute kritisieren diese Masterarbeit nicht deswegen, weil sie sich mit &#8222;seltsamen&#8220; Themen besch\u00e4ftigt (obwohl es schon SEHR seltsam ist, wenn an ihrem Institut Maschinen erforscht werden sollen, die Wurml\u00f6cher in der Raumzeit \u00f6ffnen&#8230;). Die Arbeit wird kritisiert, weil sie komplett unwissenschaftlich durchgef\u00fchrt wurde. Das f\u00e4ngt damit an, dass man nicht einfach &#8222;Zeitwellen&#8220;, &#8222;Raum-Zeit-Tunnel&#8220; und \u00e4hnliches erforschen kann, ohne dabei auch die Erkenntnisse der theoretischen Physik zu ber\u00fccksichtigen. Es geht weiter mit der Verwendung von &#8222;Theorien&#8220; die l\u00e4ngst falsifiziert sind. Und es endet mit der Tatsache, dass die Ergebnisse von Experimenten einfach ignoriert werden, weil sie nicht zu dem passen, was man gerne h\u00e4tte. <i>Deswegen<\/i> wird die Arbeit kritisiert. Und deswegen werden auch sie kritisiert &#8211; weil sie das alles verteidigen und anscheinend nicht verstehen, <i>warum<\/i> Arbeiten dieser Art nichts mit Wissenschaft zu tun haben.<\/p>\n<p>Damit sind sie nicht alleine, ich wei\u00df. Es gibt viele Leute, die \u00e4hnlich denken wie sie. Sie aber sind Professor an einer deutschen Universit\u00e4t! Schlimm genug, dass es m\u00f6glich ist, mit Arbeiten wie dieser einen universit\u00e4ren Abschluss zu erlangen. Wenn das dann aber noch von Professoren verteidigt wird, dann kann man sich f\u00fcr die Universit\u00e4t in Frankfurt (Oder) nur noch sch\u00e4men!\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/3f2dbfcef9dc4565a4b3c94b58f2435c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Viadrina in Frankfurt an der Oder macht wieder einmal Schlagzeilen. Im Zuge der Berichterstattung \u00fcber Harmut M\u00fcller, ein wegen Betrug angeklagter und derzeit fl\u00fcchtiger Pseudowissenschaftler, der sich das sogenannte &#8222;Global Scaling&#8220; ausgedacht hat, sind auch die seltsamen Umtriebe der Viadrina wieder einmal thematisiert worden. 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