{"id":20491,"date":"2012-05-06T12:05:38","date_gmt":"2012-05-06T10:05:38","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/06\/schadet-bloggen-der-wissenschaftlichen-karriere\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:41","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:41","slug":"schadet-bloggen-der-wissenschaftlichen-karriere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/06\/schadet-bloggen-der-wissenschaftlichen-karriere\/","title":{"rendered":"Schadet Bloggen der wissenschaftlichen Karriere?"},"content":{"rendered":"<p>Nebenan bei den SciLogs wird gerade dar\u00fcber diskutiert, ob <a href=\"https:\/\/www.scilogs.de\/artikel\/1150111\">Bloggen und Karriere unvereinbar<\/a> sind. Es haben sich schon viele Leute zu Wort gemeldet und ich bin einfach mal so frei und mische mich ein \ud83d\ude09 Immerhin hat das Bloggen bei mir dazu gef\u00fchrt, dass ich meine eine &#8222;Karriere&#8220; beendet und eine neue begonnen habe.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDie SciLoger sind sich gr\u00f6\u00dftenteils einig: Bloggen ist gut! (Ok, von Bloggern etwas anderes zu h\u00f6ren w\u00e4re auch \u00fcberraschend). Thomas Gr\u00fcter <a href=\"https:\/\/www.scilogs.de\/blogs\/blog\/gedankenwerkstatt\/2012-05-02\/don-t-panic\">wird ganz deutlich<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Bloggen schadet Ihrer Karriere nicht. Ganz sicher nicht. (&#8230;) Man muss nicht darauf schielen, ob irgendeine Lebens\u00e4u\u00dferung die Karriere behindern k\u00f6nnte. Wer st\u00e4ndig mit stromlinienf\u00f6rmig angelegten Ohren heruml\u00e4uft und die drei weisen Affen zu seinen wichtigsten Karriereberatern erkoren hat, sollte ohnehin kein Blog schreiben. Er sollte eigentlich auch kein Wissenschaftler werden, denn die lebendige Wissenschaft n\u00e4hrt sich von Kontroversen.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.scilogs.de\/blogs\/blog\/medicine-amp-more\/2012-05-02\/bloggen-oder-maul-und-haken-halten\">Trota von Berlin sieht Blogs<\/a> auch als M\u00f6glichkeit, um die Menschen etwas direkter zu beteiligen:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Ich hoffe, ich kann mit meinen Texten nicht nur aufkl\u00e4ren, sondern vor allem zum Nachdenken anregen und zum Mitgestalten motivieren.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Hussein Hamadan <a href=\"https:\/\/www.scilogs.de\/chrono\/blog\/der-islam\/grundlagen\/2012-05-02\/bloggen-f-r-die-karriere-ein-r-ckblick\">bloggt gerne<\/a>, allerdings nur als Hobby:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Wenn ich nun zum Abschluss versuche ein Fazit zu ziehen, dann muss ich als erstes festhalten, dass ich das Bloggen nicht missen m\u00f6chte. Ich m\u00f6chte aber auch nicht jeden Tag damit besch\u00e4ftigt sein. Es ist eine sch\u00f6ne Nebenbesch\u00e4ftigung, der ich sehr gerne nachgehe&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.scilogs.de\/wblogs\/blog\/enkapsis\/ansichten\/2012-05-03\/gute-gr-nde-wieso-wissenschaftler-mit-dem-bloggen-beginnen-sollten\">Sebastian Reusch meint<\/a>, das Bloggen nicht nur nicht schadet, sondern f\u00fcr Wissenschaftler sogar hilfreich sein kann:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Wer n\u00e4mlich \u00fcber seine Arbeit bloggt oder sich als geschickter Wissenschaftskommunikator beweist, bekommt Aufmerksamkeit und wo Aufmerksamkeit herrscht, k\u00f6nnten auch die Augen von potentiellen Geldgebern landen.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Einen wichtigen Punkt <a href=\"https:\/\/www.scilogs.de\/wblogs\/blog\/reactions\/elektrochemie\/2012-05-03\/bloggen-und-karriere-forscher-trifft-personaler\">spricht Anna Rebecca Lohmann<\/a> im Blog von Judith Schrauf-Papadopoulos an:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Das Bloggen dar\u00fcber kann dazu beitragen, dass Wissenschaft in der Gesellschaft wahrgenommen wird, ein Gesicht erh\u00e4lt. Es er\u00f6ffnet einen Dialog, in dem Vertrauen entstehen und Akzeptanz erreicht werden kann. Denn letztlich entscheidet die \u00d6ffentlichkeit mit dar\u00fcber, woran in Zukunft wie und in welchem Ausma\u00df geforscht wird.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Vorteile des Bloggens sind also zahlreich: Man kommuniziert direkt mit der \u00d6ffentlichkeit. Man erh\u00e4lt als Blogger mehr Aufmerksamkeit. Man kann direkten Lobbyismus f\u00fcr sein Arbeitsgebiet betreiben. Und es ist noch dazu ein nettes Hobby.<br \/>\nEs gibt viele verschiedene Arten, ein Blog zu f\u00fchren. Und ob das Bloggen f\u00fcr die eigene Karriere sch\u00e4dlich ist oder nicht, h\u00e4ngt davon ab, was genau man mit dem Blog anstellt. Zwei Punkte sind hier logischerweise von Bedeutung. Der Inhalt und die Zeit.<\/p>\n<p>Ein Wissenschaftler, der in seiner Freizeit ein Blog \u00fcber Gartenarbeit schreibt oder \u00fcber seine Lieblingsfernsehserie, der wird keine Probleme mit seiner Karriere bekommen. Wissenschaftler sind Menschen und Menschen haben Hobbies. Eine Wissenschaftlerin, die in einem Blog wissenschaftliche Texte ver\u00f6ffentlicht, wird ebenfalls wenig Probleme kommen. Schwieriger wird es, wenn die Themen nicht so klar verteilt sind. Wer &#8211; so wie ich &#8211; nicht nur \u00fcber Wissenschaft bloggt, sondern auch \u00fcber Pseudowissenschaft, Esoterik und andere &#8222;Pfui-Themen&#8220;, der bekommt dagegen \u00f6fter mal zu h\u00f6ren, dass man sich als Wissenschaftler doch mit sowas gar nicht erst besch\u00e4ftigen soll. Aber so <i>richtig<\/i> schlimm f\u00fcr die Karriere sollte das eigentlich nicht sein. Solange man keinen kompletten Unsinn in sein Blog schreibt d\u00fcrfte es da keine Probleme geben.<\/p>\n<p><i>Wenn<\/i> ein Blog der Karriere schadet, dann liegt es an der Zeit. Klar, wenn man w\u00e4hrend der Arbeitszeit andauernd bloggt anstatt zu forschen, dann ist es kein Wunder, wenn man irgendwann rausfliegt. Das ist offensichtlich. Aber wenn man in seiner Freizeit bloggt, dann sollte das doch kein Problem sein, oder? Leider manchmal doch. Mierk Schwabe hat das in <a href=\"https:\/\/www.scilogs.de\/wblogs\/blog\/zundspannung\/in-eigener-sache\/2012-05-03\/schadet-bloggen-der-karriere\">ihrem Artikel zum Thema<\/a> gut beschrieben:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Ich habe vor einigen Jahres das Nobelpreistr\u00e4gertreffen in Lindau besucht. Dort hat ein Nobelpreistr\u00e4ger  den jungen Leuten die Empfehlung gegeben, tats\u00e4chlich quasi jede freie Minute mit der Wissenschaft zu verbringen, inklusive Abenden und Wochenenden.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Einstellung ist weit verbreitet, nicht nur bei Nobelpreistr\u00e4gern. Als Wissenschaftler hat man im seltensten Fall geregelte Arbeitszeiten. Forschen kann man nicht auf Kommando und nur zwischen 9 und 17 Uhr. Manchmal macht es ein Experiment n\u00f6tig, dass man n\u00e4chtelang im Labor sitzt. Manchmal kommt der Geistesblitz gerade am Wochenende und man verbringt den Sonntag am Schreibtisch. Die Trennung zwischen Freizeit und Arbeit ist in der Wissenschaft sehr schwach ausgepr\u00e4gt. Viele Leute st\u00f6rt das auch nicht. Wissenschaft macht man normalerweise, <i>weil man es will<\/i>, weil man begeistert und fasziniert ist, von dem was man tut. Da ist es kein Problem, wenn man auch die &#8222;Freizeit&#8220; an der Uni verbringt. Darum gibt es auch gen\u00fcgend junge Wissenschaftler, die sich an den Rat des Nobelpreistr\u00e4gers halten und gerne Abende, Wochenende und Ferien mit Wissenschaft verbringen.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung wird auch durch die Hochschulpolitik gef\u00f6rdert. Die Aufstiegschancen f\u00fcr junge Wissenschaftler sind mies, die vorhandenen Stellen <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/01\/kein-platz-fur-junge-wissenschaftler-das-problem-der-fehlenden-juniorpositionen.php\">fast immer befristet<\/a> und die Konkurrenz ist gro\u00df. Die Karriere eines Wissenschaftlers wird immer noch fast ausschlie\u00dflich anhand der Anzahl der ver\u00f6ffentlichten Artikel beurteilt. So ein System bringt zwangsl\u00e4ufig junge Wissenschaftler hervor, die jede freie Minute mit Wissenschaft verbringen &#8211; ob sie das wollen oder nicht. Wer sich den Luxus eines allzu ausgepr\u00e4gten Privatlebens g\u00f6nnt, der ist im Nachteil. Das Problem ist die Zeit: Wer bereit ist, seine Freizeit mit Wissenschaft zu verbringen, kann mehr publizieren und hat bessere Karrierechancen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, ich \u00fcbertreibe ein wenig (aber nicht viel). Es gibt durchaus Wissenschaftler, die auch ein Privatleben haben. Aber es verkompliziert die Sache, ganz besonders, wenn man erst noch Karriere machen muss. Alle Aktivit\u00e4ten, die nicht Wissenschaft sind, sind potentiell geeignet, der Karriere zu schaden. Bloggen geh\u00f6rt nat\u00fcrlich dazu. Wer in der &#8222;Freizeit&#8220; bloggt, k\u00f6nnte in der Zeit genau so gut ein bisschen Wissenschaft betreiben. Und da es immer Leute gibt, die ihre Freizeit der Wissenschaft opfern, besteht immer die Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten.<\/p>\n<p>Aber selbst wenn nicht, kann einem das Blog indirekt Probleme bereiten. N\u00e4mlich dann, wenn man auf Vorgesetzte oder Geldgeber trifft, die so denken wie der Nobelpreistr\u00e4ger aus Mierks Beispiel: <i>&#8222;Der bloggt? Der scheint zu viel Freizeit zu haben. Der sollte sich lieber mehr mit Wissenschaft besch\u00e4ftigen.&#8220;<\/i> Im Gegensatz zu anderen Freizeitbesch\u00e4ftigen findet das Bloggen eben sehr \u00f6ffentlich statt und auch die Chefs kriegen es mit&#8230; Wie Mierk richtig schreibt, ist es nat\u00fcrlich schwer festzustellen, ob einem das Bloggen auf diese Art wirklich geschadet hat. Im Allgemeinen bekommt man ja nicht gesagt, dass man die Projektgelder oder die Stelle nicht bekommen hat, weil man bloggt. Im Gutachten zu meinem letzten &#8211; abgelehnten &#8211; Projektantrag hat der Gutachter zwar erw\u00e4hnt, dass ich Blogger bin. Ob und inwiefern ihn das bei seiner negativen Entscheidung beeinflusst hat, war aus dem Text aber nat\u00fcrlich herauszulesen. Als ich noch Wissenschaftler war, habe ich viele Kollegen und Vorgesetzte getroffen, die es gut fanden, dass ich auch ein Blog schreibe. Ab und zu wurde mir aber auch durch die Blume gesagt, dass ich es im Sinne meiner Karriere besser lassen oder einschr\u00e4nken sollte&#8230;<\/p>\n<p>Bloggen wird nicht deswegen zu einem Problem f\u00fcr die wissenschaftliche Karriere, weil es eine Freizeitbesch\u00e4ftigung ist, die Zeit in Anspruch nimmt, die man besser f\u00fcr Wissenschaft verwenden k\u00f6nnte (nicht nur zumindest). Bloggen wird deswegen zum Problem, weil es <i>\u00f6ffentlich<\/i> stattfindet und alle &#8211; Kollegen, Chefs, Geldgeber, etc &#8211; mitansehen k\u00f6nnen, dass man in seiner Freizeit Dinge tut, die nicht der Forschung dienen (Wir haben hier im Blog ja schon mal die verwandte Frage diskutiert, ob <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/01\/schadet-wissenschaftskommunikation-und-medienprasenz-der-akademischen-karriere.php\">\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Medienpr\u00e4senz der Karriere schadet<\/a>).<\/p>\n<p>Trotzdem kann ich allen nur raten, das Bloggen selbst mal auszuprobieren! Einmal, weil ich den Worten von Thomas Gr\u00fcter nur zustimmen kann &#8211; ich wiederhole nochmal was er gesagt hat:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Man muss nicht darauf schielen, ob irgendeine Lebens\u00e4u\u00dferung die Karriere behindern k\u00f6nnte. Wer st\u00e4ndig mit stromlinienf\u00f6rmig angelegten Ohren heruml\u00e4uft und die drei weisen Affen zu seinen wichtigsten Karriereberatern erkoren hat, sollte ohnehin kein Blog schreiben. Er sollte eigentlich auch kein Wissenschaftler werden, denn die lebendige Wissenschaft n\u00e4hrt sich von Kontroversen&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Aber auch, weil Bloggen der Karriere durchaus auch hilfreich sein kann. Vielleicht nicht unbedingt der wissenschaftlichen Karriere. Aber als Blogger lernt man jede Menge Menschen kennen. Man kn\u00fcpft jede Menge Kontakte und &#8211; wenn man es halbwegs gut anstellt &#8211; das zu Leuten, die nichts mit dem eigenen Fachgebiet zu tun haben. Als ich angefangen habe zu bloggen, hatte ich auf einmal mit Wissenschaftlern aus allen Bereichen zu tun. Ich habe sehr viele Journalisten kennengelernt. Ich habe Leute getroffen die beim Fernsehen arbeiten oder in Verlagen. All diese Menschen h\u00e4tte ich als &#8222;normaler&#8220; Wissenschaftler nie kennengelernt. Und diese Kontakte haben sich dann als sehr hilfreich erwiesen, als ich mich dann doch entschlossen hatte, <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/02\/wie-ich-wissenschaftler-wurde-und-warum-ich-heute-keiner-mehr-bin.php\">aus der Wissenschaft auszusteigen<\/a>.<\/p>\n<p>Ich kann nicht sagen, ob das Bloggen meiner Karriere als Astronom geschadet hat. Aber meiner Karriere als Wissenschaftsautor hat es definitiv geholfen!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/0f7d3a1dfed14aaebaba495c4ed857fc\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nebenan bei den SciLogs wird gerade dar\u00fcber diskutiert, ob Bloggen und Karriere unvereinbar sind. 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