{"id":20487,"date":"2012-05-04T15:30:04","date_gmt":"2012-05-04T13:30:04","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/04\/facebook-will-jetzt-auch-unsere-organe\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:41","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:41","slug":"facebook-will-jetzt-auch-unsere-organe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/04\/facebook-will-jetzt-auch-unsere-organe\/","title":{"rendered":"Facebook will jetzt auch unsere Organe!"},"content":{"rendered":"<p>Facebook will nicht nur unsere Daten und unser Privatleben ausspionieren &#8211; jetzt will Mark Zuckerberg <a href=\"https:\/\/newsroom.fb.com\/News\/Organ-Donation-Friends-Saving-Lives-15f.aspx\">auch unsere Organe<\/a>! Naja, eigentlich will er nur, dass sich m\u00f6glichst viele Leute bei Facebook als Organspender eintragen. Das ist seit neuestem dort m\u00f6glich (allerdings noch nicht in allen L\u00e4ndern) und klingt eigentlich nach einer recht guten Idee. Ich hab von Organspenden allerdings keine Ahnung und kann das nicht beurteilen. Gl\u00fccklicherweise kennt sich eine Freundin von mir damit sehr gut aus. <i>Birgit Priebe<\/i> arbeitet bei der <a href=\"https:\/\/bmg.gv.at\/home\/Ministerium_Minister\/Gesellschaften\/Gesundheit_Oesterreich_GmbH_GOeG_\">Gesundheit \u00d6sterreich GmbH<\/a> (ein &#8222;nationales Forschungs- und Planungsinstitut f\u00fcr das Gesundheitswesen&#8220;) und ist dort f\u00fcr das &#8222;Koordinationsb\u00fcro f\u00fcr das Transplantationswesen&#8220; zust\u00e4ndig (Sie hat aber urspr\u00fcnglich mal ein Astronomiestudium absolviert &#8211; wieder mal ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr die verschlungenen Karrierewege der Astronomen \ud83d\ude09 ). Jedenfalls habe ich Birgit gebeten, zu diesem Thema einen Gastbeitrag zu schreiben. Es hat zwar nichts mit Astronomie zu tun &#8211; aber wenn sich die sozialen Netzwerke jetzt auch schon in Dinge einmischen, bei denen es um Leben und Tod geht, dann ist doch ziemlich interessant. Also viel Spa\u00df mit dem Artikel von Birgit!<\/p>\n<hr \/>\n<p><!--more--><br \/>\nAm 1. Mai hat Mark Zuckerberg dazu aufgerufen, sich bei Facebook als Organspender einzutragen.  Die Bereitschaft, Organe zu spenden wird dann als neues Ereignis in der Timeline angezeigt. Diese Idee ist grunds\u00e4tzlich gut. So werden auch junge Leute, die sich eher selten mit dem Tod und seinen Folgen auseinandersetzen, mit diesem Thema konfrontiert. Diese Idee macht vor allem in L\u00e4ndern mit der sogenannten \u201eZustimmungsl\u00f6sung&#8220; Sinn. Also dort, wo man explizit sagen muss: \u201eJa, ich will nach meinem Tod meine Organe spenden&#8220;. Das ist in Deutschland der Fall.  Hier erf\u00e4hrt man bei Befragungen der Bev\u00f6lkerung  auch oft, dass die Leute grunds\u00e4tzlich bereit w\u00e4ren Organe zu spenden. Leider setzen dann oft nur sehr wenige diesen Willen in die Realit\u00e4t um und besorgen sich einen Organspendeausweis. Bei Facebook k\u00f6nnte diese Hemmschwelle wesentlich geringer sein.<\/p>\n<p>Aber nicht in allen L\u00e4ndern gilt diese Zustimmungsl\u00f6sung. Als entgegengesetztes Modell  gibt es noch die \u201eWiderspruchsl\u00f6sung&#8220;. Hier ist jeder Organspender, solange man nicht explizit widerspricht. Das ist z. B. in \u00d6sterreich der Fall. Hier kann man sich in das Widerspruchsregister eintragen lassen, den schriftlichen Widerspruch bei sich tragen (zum Beispiel einfach auf einem Zettel) oder diesen Widerspruch bei seinen Angeh\u00f6rigen deponieren, die ihn dann m\u00fcndlich den \u00c4rzten \u00fcberbringen k\u00f6nnen. Man muss sich also als Nicht-Organspender registrieren, was bei der aktuellen Facebook-Initiative nicht als M\u00f6glichkeit angef\u00fchrt wird.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"30870\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-0b5018c0ee6d3a3206451c9137099fd2-organspende.png\" alt=\"i-0b5018c0ee6d3a3206451c9137099fd2-organspende.PNG\" \/><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Gesetzliche Regelungen zur Organspende in Europa (31. 12. 2011), Quelle :Transplant-Jahresbericht 2010<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Bei der Facebook-Aktion bleiben allerdings noch einige Fragen offen. Wie ist es mit der Datensicherheit bestellt? Wer hat Zugriff auf diese Entscheidung von mir?  Und wie wird im Fall der F\u00e4lle, also im Falle meines Todes auf diese Daten zugegriffen, damit die \u00c4rzte meine Entscheidung auch kennen? Es ist vor allem wichtig  auch seinen Angeh\u00f6rigen die Entscheidung mitzuteilen und \u00fcber dieses &#8211; sicher nicht leichte &#8211; Thema, zu sprechen. Ansonsten k\u00f6nnte es passieren, dass die Familie gar nichts von der Verf\u00fcgung wei\u00df und dann mitten in ihrer Trauer auch noch mit dieser Tatsache konfrontiert ist.<\/p>\n<p>Ob die Facebook-Initiative etwas an der Organspendepraxis \u00e4ndern wird, bleibt zweifelhaft. Mehr Organspender w\u00e4ren allerdings auf jeden Fall w\u00fcnschenswert.<br \/>\nZur Versorgung der Patienten, die auf Organe warten, wird ein Wert von 30 Organspendern pro Million Einwohnern herangezogen. Gibt es in einem Land so viele Spender, k\u00f6nnen die Wartelisten, d.h. die Listen mit Personen, die auf ein Organ warten ungef\u00e4hr konstant gehalten werden. Nichtsdestotrotz sterben immer noch Leute auf der Warteliste, weil nicht schnell genug ein passendes Spenderorgan gefunden werden kann. In \u00d6sterreich waren es im Jahr 2010 22,8, in Deutschland nur 15,5 Spender pro Million Einwohner. In Deutschland wartet man also viel l\u00e4nger auf ein Spenderorgan und das bedeutet nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Belastung f\u00fcr diese Patienten. Mit der anstehenden Gesetzes\u00e4nderung &#8211; von der Zustimmungs- zu einer  \u201eErkl\u00e4rungsl\u00f6sung&#8220; bei der alle deutschen Staatsb\u00fcrger regelm\u00e4\u00dfig angeschrieben werden sollen, um Ihre Einstellung zur Organspende schriftlich festzuhalten &#8211; erwartet man sich in Deutschland eine Verbesserung der Situation. Man ist bei diesem Modell aber weiterhin nicht verpflichtet, sich festzulegen.<\/p>\n<p>Wichtig ist vor allem die Bedeutung dieses Themas auch bei \u00e4rztlichem und Pflegepersonal zu verankern und die Abl\u00e4ufe und Strukturen zu unterst\u00fctzen. In \u00d6sterreich wurde zur Verbesserung der Strukturen und zur Unterst\u00fctzung des Ablaufes im Jahr 2001 ein F\u00f6rderprogramm ins Leben gerufen. Zu den F\u00f6rderma\u00dfnahmen z\u00e4hlen zum Beispiel regionale Transplantationsreferenten, die als Ansprechperson in der jeweiligen Region zur Verf\u00fcgung stehen. Ein weiteres Projekt ist die Einrichtung von lokalen Transplantationsbeauftragten (auch gerne als \u201eInhouse-Koordinatoren&#8220; bezeichnet) die in den jeweiligen Krankenh\u00e4usern als Kontaktperson zur Verf\u00fcgung stehen. Um den Angeh\u00f6rigen die schwierige Todesnachricht zu \u00fcberbringen und sie \u00fcber eine geplante Organentnahme zu informieren gibt es eigene Kommunikationsseminare, in denen diese Gespr\u00e4che mit Trainern und Schauspielern ge\u00fcbt werden k\u00f6nnen. Die Inhouse-Koordinatoren sowie die Kommunikationsseminare gibt es auch in Deutschland.<br \/>\nEin Spenderorgan k\u00f6nnte jeder von uns einmal ben\u00f6tigen. Niemand von uns m\u00f6chte dann ewig zittern und warten m\u00fcssen, ob man auch rechtzeitig ein passendes Organ bekommt. Es ist wichtig, sich \u00fcber dieses Thema Gedanken zu machen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/aad9a6d7cb164c039084555317b203bf\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Facebook will nicht nur unsere Daten und unser Privatleben ausspionieren &#8211; jetzt will Mark Zuckerberg auch unsere Organe! Naja, eigentlich will er nur, dass sich m\u00f6glichst viele Leute bei Facebook als Organspender eintragen. Das ist seit neuestem dort m\u00f6glich (allerdings noch nicht in allen L\u00e4ndern) und klingt eigentlich nach einer recht guten Idee. 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