{"id":20478,"date":"2012-05-02T10:22:36","date_gmt":"2012-05-02T08:22:36","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/02\/als-ein-stern-einmal-einen-planeten-verschluckt-und-zwei-wieder-ausgespuckt-hat\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:41","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:41","slug":"als-ein-stern-einmal-einen-planeten-verschluckt-und-zwei-wieder-ausgespuckt-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/02\/als-ein-stern-einmal-einen-planeten-verschluckt-und-zwei-wieder-ausgespuckt-hat\/","title":{"rendered":"Als ein Stern einmal einen Planeten verschluckt und zwei wieder ausgespuckt hat"},"content":{"rendered":"<p>In unserer Welt gibt es tolle Dinge zu sehen. Das ist ganz offensichtlich, jeder hat schon mal eine sch\u00f6ne Landschaft bewundert, ein faszinierendes Tier oder einen dramatischen Sonnenuntergang. Wenn man aber nicht nur nur schaut, sondern auch nachdenkt, dann <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/04\/die-wolken-die-baume-und-unsere-grossartige-welt.php\">wird die Welt noch gro\u00dfartiger<\/a>. Leider sind wir mit unserer Wahrnehmung in menschlichen Ma\u00dfst\u00e4ben gefangen. Dadurch entgeht uns einiges&#8230;<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWir k\u00f6nnen nach oben schauen, und dort die Wolken \u00fcber den Himmel ziehen sehen. Wir sehen die V\u00f6gel durch die Luft flitzen. Aber wenn wir zu den Sternen blicken, dann stehen sie still. Der Himmel ist aus unserer Sicht weitestgehend statisch; immer gleich und unver\u00e4nderlich. Erst als die Wissenschaftler etwas genauer hingesehen haben, entdeckten sie, dass sich dort doch was tut. Die Planeten und mit ihnen die Erde bewegen sich um die Sonne. Die Sonne ist ein Stern und so wie alle Sterne ver\u00e4ndert sie sich im Lauf der Zeit. Aber enorm langsam, aus unserer menschlichen Sicht zumindest. Die Sonne lebt 10 Milliarden Jahre lang; das ist ein Zeitraum, den wir nicht erfassen oder verstehen k\u00f6nnen. Wenn wir es aber doch k\u00f6nnten, wenn wir unsere menschliche Wahrnehmung verlassen und die Welt mit anderen Ma\u00dfst\u00e4ben messen und sehen k\u00f6nnten, dann w\u00fcrde sich uns ein ganz anderes Bild des Sonnensystems bieten.<\/p>\n<p>Die Planeten w\u00fcrden so schnell um die Sonne sausen, dass wir sie gar nicht mehr als einzelne Objekte sehen. Wir sehen stattdessen ihre <i>Bahn<\/i>. Aber auch die \u00e4ndert sich! Die Ellipsen, die die Planeten um die Sonne beschreiben werden mal gr\u00f6\u00dfer und mal kleiner. Mal sind sie langgestreckt, mal kreisf\u00f6rmig. Sie drehen sich in allen drei Dimensionen des Raums und wackeln st\u00e4ndig hin und her. Nichts an unserem Sonnensystem ist statisch oder unver\u00e4nderlich! Auch die Sonne selbst ver\u00e4ndert sich. Ihre Temperatur steigt an, sie bl\u00e4ht sich auf. Irgendwann verschluckt sie sogar ein paar der Planeten(bahnen) bevor ihr schlie\u00dflich der Brennstoff ausgeht. Sie f\u00e4llt in sich zusammen, bildet eine kleine Kugel &#8211; nicht gr\u00f6\u00dfer als ein Planet &#8211; k\u00fchlt langsam ab und erlischt schlie\u00dflich.<\/p>\n<p>Das Sonnensystem auf diese Art und Weise wirklich wahrnehmen zu k\u00f6nnen, muss faszinierend sein. Noch faszinierender w\u00e4ren aber die Dinge, die wir anderswo im Universum beobachten k\u00f6nnen. Zum Beispiel beim Stern KIC 05807616. Auch hier sehen wir vorerst nur ein ganz normales Planetensystem. Einen Stern und die Bahn eines gro\u00dfen Planeten. Und auch hier bl\u00e4ht sich der Stern immer weiter auf. Er verschluckt die Bahn des Planeten. Aber als er der Stern dann die \u00e4u\u00dferen Schichten seiner Atmosph\u00e4re ins All schleudert, ziehen da pl\u00f6tzlich zwei neue Planeten ihre Bahnen! Der Planet scheint sich im Inneren des Sterns geteilt zu haben. Der Stern hat einen Planeten verschluckt und daf\u00fcr zwei neue ausgespuckt!<\/p>\n<p>Zu diesem Schluss kommen jedenfalls die beiden Wissenschaftler Ealeal Bear und Noam Soker. Die sind zwar auch nur Menschen und k\u00f6nnen die Welt nur aus menschlicher Sicht betrachten. Aber der Geist  sieht immer mehr als unsere Augen und wir k\u00f6nnen \u00fcber die Dinge <i>nachdenken<\/i>, die wir sehen. Bear und Soker dachten \u00fcber die beiden Planeten von KIC 05807616 nach, die 2011 entdeckt wurden. Ihre Masse ist jeweils nur knapp halb so gro\u00df wie der Erde (einer ist ein bisschen schwerer, der andere ein bisschen leichter). Beide Planeten befinden sich \u00e4u\u00dferst nahe am Stern und in der Zeit, in der der eine Planet den Stern dreimal umrundet, schafft der andere fast genau zwei Umrundungen (die Umlaufzeiten der beiden Himmelsk\u00f6rper stehen in einer 3:2 <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/03\/resonanzen-und-frequenzen.php\">Resonanz<\/a>). Das alles ist ein wenig au\u00dfergew\u00f6hnlich. Urspr\u00fcnglich dachte man, die Planeten w\u00e4ren fr\u00fcher eigentlich gr\u00f6\u00dfer gewesen: Gasriesen, so wie Jupiter. Als der Stern sich dann aufgebl\u00e4ht hatte, hat er dabei die \u00e4u\u00dferen Gasschichten der Planeten zerst\u00f6rt so dass nur die inneren kompakten Planetenkerne \u00fcbrig geblieben sind. Aber das Modell hat Probleme. Selbst wenn die Planeten auch fr\u00fcher schon in einer 3:2 Resonanz waren ist es \u00e4u\u00dferst unwahrscheinlich, dass sie das auch nach der Begegnung mit dem Stern sind. Da zwingend einer von beiden zuerst verschluckt und abgebremst wird, sollte die Resonanz das nicht \u00fcberleben. Es ist schwer zu erkl\u00e4ren, wie zwei Planeten nach ihrem Ausflug in den Stern einerseits in so engen Orbits und andererseits so nahe beieinander \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Bear und Soker haben ein <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1202.1168\">plausibleres Modell entwickelt<\/a>. Hier gab es nur einen sehr gro\u00dfen Planeten. Ungef\u00e4hr f\u00fcnfmal so massereich wie Jupiter. Er wurde vom Stern verschluckt und kam seinem Zentrum immer n\u00e4her. Die Gash\u00fclle des Planeten wurde fortgerissen. Irgendwann wurden die Gezeitenkr\u00e4fte so gro\u00df, dass auch der Kern des Planeten auseinanderbrach. Manche der Bruchst\u00fccke fielen in das Zentrum des Sterns, andere blieben auf Bahnen um den Stern zur\u00fcck. Um das Zentrum des Sterns bildete sich auch eine Scheibe aus den Planetentr\u00fcmmern; aus Gas und Staub. Die Planetenbruchst\u00fccke mussten sich durch diese Scheibe bewegen und die gravitative Interaktion beeinflusste ihre Bahnen. Dieses Ph\u00e4nomen nennt man <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/11\/wenn-planeten-wandern-gehen-planetare-migration.php\">Migration<\/a>. Die Planeten wandern langsam nach au\u00dfen und landen schlie\u00dflich auf ihren heutigen Bahnen. Der Stern hat einen Planeten verschluckt, aber zwei neue ausgespuckt! Das Universum ist wirklich ein enorm faszinierender Ort!\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/a529e29b62814265aa229e859e8a2441\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In unserer Welt gibt es tolle Dinge zu sehen. Das ist ganz offensichtlich, jeder hat schon mal eine sch\u00f6ne Landschaft bewundert, ein faszinierendes Tier oder einen dramatischen Sonnenuntergang. 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