{"id":20396,"date":"2012-04-05T09:50:22","date_gmt":"2012-04-05T07:50:22","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/04\/05\/astronomie-gibt-es-auch-im-labor\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:34","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:34","slug":"astronomie-gibt-es-auch-im-labor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/04\/05\/astronomie-gibt-es-auch-im-labor\/","title":{"rendered":"Astronomie gibt es auch im Labor"},"content":{"rendered":"<p>Wissenschaftler arbeiten im Labor! So zumindest <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/06\/kinder-finden-heraus-wissenschaftler-sind-ganz-normale-menschen.php\">stellen wir uns das oft vor<\/a>. Und oft stimmt es auch! Physik, Biologie, Chemie: \u00dcberall gibt es ein Labor mit jeder Menge komplizierter Ger\u00e4te. Aber bei den Astronomen ist das anders! Die stehen Nacht f\u00fcr Nacht hinterm Fernrohr und schauen in die Sterne! Wieder gilt allerdings: So zumindest stellen wir uns das oft vor. Und hier stimmt es nicht mehr so oft. Ja, Astronomen beobachten nat\u00fcrlich den Himmel. Aber, bis auf ganze seltene F\u00e4lle, nicht Nacht f\u00fcr Nacht. Und sie schauen auch nicht selbst durchs Teleskop und sind &#8211; im Falle von Weltraum- oder Roboterteleskopen &#8211; nicht mal selbst vor Ort. Und ganz viele Astronomen haben mit Teleskopen \u00fcberhaupt nichts zu tun. Sie geh\u00f6ren zu den Theoretikern und arbeiten mit Mathematik oder Computersimulationen um mehr \u00fcber das Weltall herauszufinden. Und dann gibt es &#8211; tats\u00e4chlich! &#8211; auch noch ein paar Astronomen, die im Labor arbeiten.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDas ist eigentlich nicht verwunderlich. Im Weltall passieren die gleichen Dinge, die auch auf der Erde passieren. Unser Planet ist in der Hinsicht nichts Besonderes. Auch drau\u00dfen im Kosmos gibt es Chemie, Geologie und Biologie. Und wenn wir diese Vorg\u00e4nge verstehen wollen, braucht es Experimente im Labor.<\/p>\n<p>Das ist sofort ersichtlich, wenn es um die Untersuchung von Meteoriten geht. Dabei handelt es sich ja um Gesteins- oder Eisenbrocken, die aus dem All auf die Erde gefallen sind. Sie stammen von Asteroiden oder Kometen und verraten uns, wie das Material ausgesehen hat, aus dem die Planeten unseres Sonnensystems entstanden sind. Anfangs gab es da nur eine gro\u00dfe Wolke aus Staub und Gas aus der sich im Laufe der Zeit die Asteroiden und dann daraus die Planeten gebildet haben. Die Asteroiden die heute noch \u00fcbrig sind wurden beim Planetenbau nicht verwendet und wir k\u00f6nnen sie untersuchen um mehr \u00fcber das Ursprungsmaterial herauszufinden. Das macht man nat\u00fcrlich nicht einfach irgendwo, sondern in einem sterilen Labor. Man will die Proben ja nicht verunreinigen. Hier ist ein kurzes Video des Meteoritenlabors im Smithsonian Institute. Ich finde vor allem die aufgeblasenen Gummihandschuhe sehr h\u00fcbsch \ud83d\ude09<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"284\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/furi9DuoQlU\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/center><\/p>\n<p>Aber die Untersuchung von Meteoriten ist noch lange nicht alles, was die Astronomen im Labor so anstellen&#8230;<\/p>\n<p>Viele Sterne sind von gro\u00dfen Staubscheiben umgeben. Das k\u00f6nnen entweder <i>protoplanetare<\/i> Scheiben sein oder sogenannte <i>&#8222;Tr\u00fcmmerscheiben&#8220;<\/i>. In einer protoplanetaren Scheibe entstehen gerade Planeten, so wie im Sonnensystem vor 4,5 Milliarden Jahren. In einer Tr\u00fcmmerscheibe ist der Vorgang schon abgeschlossen. Aber auch hier sind viele Asteroiden \u00fcbrig geblieben. Diese Asteroiden sto\u00dfen nun ab und zu zusammen und erzeugen dabei kleine Bruchst\u00fccke und Staub, eben <i>Tr\u00fcmmer<\/i>. Beide Arten von Scheiben sind \u00e4u\u00dferst wichtige Beobachtungsobjekte f\u00fcr Astronomen. In protoplanetaren Scheiben kann man den Prozess der Planetenentstehung untersuchen und die Tr\u00fcmmerscheiben verraten uns etwas \u00fcber die sp\u00e4tere Entwicklung eines Planetensystems &#8211; und oft <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/05\/der-stern-zum-wochenende-beta-pictoris.php\">noch mehr<\/a>.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"4419\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-2af2d8fbb911663b874ba9342d85e420-phot-42b-08-fullres.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-2af2d8fbb911663b874ba9342d85e420-phot-42b-08-fullres.jpg','popup','width=990,height=985,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-bc3747df66b3512852dfa802f17ee2cb-phot-42b-08-fullres-thumb-500x497-1.jpg\" alt=\"i-bc3747df66b3512852dfa802f17ee2cb-phot-42b-08-fullres-thumb-500x497.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Die Tr\u00fcmmerscheibe um den Stern Beta Pictoris (<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/outreach\/press-rel\/pr-2008\/phot-42-08.html\">Bild: ESO\/A.-M. Lagrange et al.<\/a>)<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Dazu muss man die Beobachtungsdaten aber vern\u00fcnftig interpretieren k\u00f6nnen. Man kann den Staub oder die Tr\u00fcmmer ja nicht <i>direkt<\/i> sehen. Daf\u00fcr sind sie zu klein und zu weit weg. Aber das Licht des Sterns f\u00e4llt nat\u00fcrlich auch auf den Staub. Der Staub heizt sich dadurch auf und gibt die Energie dann wieder ab. Und zwar auf eine ganz charakteristische Weise, je nachdem, wie er zusammengesetzt ist. Ein wichtiges Feld der Laborastronomie besteht daher aus der Mineralogie. Die Wissenschaftler untersuchen im Labor verschiedenste Minerale und Gesteinsproben. Im Experiment pr\u00fcfen sie, auf welche ganz spezielle Art und Weise sie Strahlung wieder abgeben, wenn sie angestrahlt werden. Diese Labordaten kann man dann mit den Beobachtungsdaten vergleichen und so die chemische Zusammensetzung des Staubs herausfinden, der sich in den Scheiben um andere Sterne befindet. Die Experimente k\u00f6nnen dabei nat\u00fcrlich beliebig kompliziert werden. Die Strahlung eines Sterns heizt den Staub ja nicht einfach nur auf; sie kann ihn zum Beispiel auch ionisieren, d.h. seine elektrische Ladung ver\u00e4ndern. Das hat Einfluss darauf, wie sich der Staub mit anderen Staubteilchen verbindet. Und die Form der verbundenen Staubteilchen hat wieder Einfluss auf die Art und Weise, wie sie die Strahlung abgeben&#8230;<\/p>\n<p>Die Laborastronomen haben also jede Menge zu tun, auch, weil es noch sehr wenige astronomische Laboratorien gibt (eines befindet sich \u00fcbrigens <a href=\"https:\/\/www.astro.uni-jena.de\/index.php\/laboratory.html\">an der Universit\u00e4t Jena<\/a>). Wenn ihr also demn\u00e4chst einen Wissenschaftler im wei\u00dfen Laborkittel seht, dann k\u00f6nnte es auch ein Astronom sein \ud83d\ude09\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/e3fbc7ea7c7247c0b1f45babe1893c05\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftler arbeiten im Labor! So zumindest stellen wir uns das oft vor. Und oft stimmt es auch! Physik, Biologie, Chemie: \u00dcberall gibt es ein Labor mit jeder Menge komplizierter Ger\u00e4te. Aber bei den Astronomen ist das anders! Die stehen Nacht f\u00fcr Nacht hinterm Fernrohr und schauen in die Sterne! 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