{"id":20356,"date":"2012-03-23T09:48:03","date_gmt":"2012-03-23T08:48:03","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/03\/23\/supernova-in-der-galaxie-m95-ist-ein-stern-explodiert\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:30","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:30","slug":"supernova-in-der-galaxie-m95-ist-ein-stern-explodiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/03\/23\/supernova-in-der-galaxie-m95-ist-ein-stern-explodiert\/","title":{"rendered":"Supernova: In der Galaxie M95 ist ein Stern explodiert!"},"content":{"rendered":"<p>Am 16. M\u00e4rz hat Paolo Fagotti vom <a href=\"https:\/\/italiansupernovae.org\/\">Italian Supernovae Search Project<\/a> Bilder der Galaxie M95 <a href=\"https:\/\/www.cbat.eps.harvard.edu\/iau\/cbet\/003000\/CBET003054.txt\">gemacht<\/a>. Auf ihren Aufnahmen entdeckten sie einen Stern, der in den Katalogen nicht verzeichnet war. In einem der Spiralarme der Galaxie war pl\u00f6tzlich ein Stern dramatisch viel heller geworden. Sie hatten eine neue Supernova entdeckt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDas ist M95, aufgenommen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte:<\/p>\n<form mt:asset-id=\"30218\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-893e0d5dab3f3e9993bff776b411dc66-m95.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-893e0d5dab3f3e9993bff776b411dc66-m95.jpg','popup','width=1280,height=1281,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-7e0ec6f591489acafc72aebf1da5a313-m95-thumb-500x500-1.jpg\" alt=\"i-7e0ec6f591489acafc72aebf1da5a313-m95-thumb-500x500.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small><a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/images\/potw1212a\/\">Bild: ESO<\/a><\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Es ist eine wunderbare Balkenspiralgalaxie; so wie unsere Milchstra\u00dfe. Die Supernova sieht man nicht, denn das Bild wurde schon vorher gemacht. Das VLT ist nat\u00fcrlich ein riesiges Teleskop mit einem Spiegel der mehr als 8 Meter Durchmesser hat. Der Entdecker der Supernova aus Italien hatte nur ein kleines Teleskop mit einem 50-Zentimeter-Spiegel. Aber das reicht v\u00f6llig, denn Supernovae sind <i>wirklich<\/i> enorm hell.<\/p>\n<p>Hier ist ein Bild das Stefan Taube (von <a href=\"https:\/\/lichtecho.blogspot.de\/\">Lichtecho<\/a>) und Julian Zoller an der <a href=\"https:\/\/www.volkssternwarte-schriesheim.de\/\">Volkssternwarte Schriesheim<\/a> gemacht haben:<\/p>\n<form mt:asset-id=\"30221\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-0c7f8587c123f11a90edc74d9ae94e37-M95Supernova.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-0c7f8587c123f11a90edc74d9ae94e37-M95Supernova.jpg','popup','width=1600,height=1029,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-0c7a3d7a08259488b9001f5ff44a5671-M95Supernova-thumb-500x321-1.jpg\" alt=\"i-0c7a3d7a08259488b9001f5ff44a5671-M95Supernova-thumb-500x321.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small><a href=\"https:\/\/lichtecho.blogspot.de\/2012\/03\/die-supernova-2012aw-in-m-95.html\">Bild: Lichtecho<\/a><\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Die Galaxie sieht hier nicht mehr ganz so beeindruckend aus wie auf dem VLT-Bild. Die Supernova ist aber deutlich zu erkennen. Ich hab den Bereich aber trotzdem nochmal vergr\u00f6\u00dfert (die beiden Linien markieren die Supernova):<\/p>\n<p>[Ab hier sind die Bilder leider beim letzten Software-Update verloren gegangen]<\/p>\n<p>m95gro\u00df.PNG<\/p>\n<p>Das Wort &#8222;Supernova&#8220; ist \u00fcbrigens noch gar nicht so alt. Das erste Mal ist es am 19. M\u00e4rz 1934 in Ausgabe Nummer 20 der Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America aufgetaucht. Da haben die Astronomen Walter Baade und Fritz Zwicky einen Artikel mit dem Titel &#8222;On Super-novae&#8220; ver\u00f6ffentlicht. Gleich im ersten Satz schreiben sie:<\/p>\n<p>zwickybaade1.PNG<\/p>\n<p>Baade und Zwicky stellen also dem schon bekannten Ph\u00e4nomen der &#8222;Nova&#8220; die &#8222;Supernova&#8220; gegen\u00fcber. Nova hei\u00dft einfach nur &#8222;neu&#8220; und wurde fr\u00fcher immer dann verwendet, wenn ein Stern pl\u00f6tzlich viel heller wurde. Heute hat das Wort eine engere Definition. Es bezeichnet Vorg\u00e4nge bei wei\u00dfen Zwergen. Ein wei\u00dfer Zwerg hat sein Leben als Stern eigentlich schon hinter sich. Ein Stern wie unsere Sonne fusioniert in ihrem Inneren Wasserstoff zu Helium. Irgendwann ist der Wasserstoff dann alle und es wird keine neue Strahlung mehr produziert. Weil nun der nach au\u00dfen gerichtete Strahlungsdruck fehlt um der nach innen gerichteten Gravitationskraft entgegen zu wirken, beginnt der Stern zu kollabieren. Dadurch wird er aber dichter und damit wieder hei\u00dfer. Die Temperatur reicht dann, um auch Helium zu neuen Elementen fusionieren. Der Strahlungsdruck setzt wieder ein, st\u00e4rker als zuvor und der Stern dehnt sich aus. Er wird ein roter Riese. Der Strahlungsdruck wird irgendwann so stark, dass er seine \u00e4u\u00dferen atmosph\u00e4rischen Schichten regelrecht absto\u00dft. Nur ein kleiner, aber sehr dichter Kern bleibt \u00fcbrig: ein wei\u00dfer Zwerg, etwa so gro\u00df wie die Erde. Dort findet keine Kernfusion mehr statt, wei\u00dfe Zwerge k\u00fchlen nur noch aus. Manchmal aber befinden sie sich in einem engen Doppelsternsystem. Dann kann es passieren, dass Material vom Partnerstern zum wei\u00dfen Zwerg gelangt. Dadurch kann sich die Temperatur erh\u00f6hen und kurzfristig f\u00e4ngt der Zwerg wieder an, Energie abzustrahlen. Er wird &#8211; f\u00fcr einige Tage oder Wochen &#8211; sehr viel heller und wir auf der Erde beobachten eine Nova.<\/p>\n<p>Walter Baade und Fritz Zwicky fanden bei ihren Beobachtungen aber heraus, dass manche Helligkeitsausbr\u00fcche sich von den klassischen Novas unterschieden. Sie waren viel st\u00e4rker, sie waren &#8222;super&#8220; und sie schienen aus allen Richtungen zu kommen. Also nicht nur aus unserer eigenen Milchstra\u00dfe sondern auch aus den fernen Nebeln von denen man 1934 schon wusste, dass es sich um eigene, ferne Galaxien handelte. Wenn man eine Nova auch noch aus dieser Entfernung sehen konnte, dann musste es schon etwas besonderes sein. Baade und Zwicky haben ein paar Berechnungen angestellt und kamen zu dem Schluss, dass bei einer Supernova der Stern sehr viel Material verliert:<\/p>\n<p>zwickybaade2.PNG<\/p>\n<p>Damit hatten sie v\u00f6llig recht. Eine Supernova ist eine gewaltige Explosion. Wenn massereichen Sternen, schwerer als unsere Sonne, der Wasserstoff ausgeht, dann passiert zuerst das gleiche wie oben beschrieben. Sie beginnen zu kollabieren, werden hei\u00dfer und neue Kernfusionprozesse setzen ein. Weil der Stern aber so schwer ist, kann er unter seinem Gewicht nun st\u00e4rker kollabieren und hei\u00dfer werden. Er kann nun noch mehr Elemente fusionieren und dank seiner Masse auch die Atmosph\u00e4re festhalten. Er wird nicht zum roten Riesen oder zum wei\u00dfen Zwerg. Irgendwann ist dann aber trotzdem Schluss. Wenn als Endprodukt der Fusion Eisen entsteht, dann kann der Stern dieses Element nicht mehr fusionieren. Denn hier w\u00fcrde keine Energie mehr frei werden, man m\u00fcsste noch Energie hineinstecken, damit die Fusion klappt. Die Fusion h\u00f6rt auf, der Stern kollabiert und diesmal richtig. Er wird immer dichter und dichter und dichter. Die Atome des Sterns werden heftig gequetscht; die Elektronen in die Atomkerne gedr\u00fcckt und es entstehen Neutronen. Auch die werden verdichtet. Bis irgendwann die Quantenmechanik eingrifft. Das sogenannte &#8222;Pauli-Prinzip&#8220; verbietet, dass zwei Neutronen in allen Eigenschaften \u00fcbereinstimmen. Sie d\u00fcrfen sich nicht am gleichen Ort aufhalten. Die Kompression muss also irgendwann stoppen; und wenn sie das tut, geht es rund. Die ganze Energie des Kollaps kann nicht einfach verpuffen. Wenn ein Auto auf eine Wand zurast und dort pl\u00f6tzlich gestoppt wird, wird die Bewegungsenergie dramatisch und katastrophal freigesetzt. Wenn nun &#8211; bildlich gesprochen &#8211; ein ganzer Stern auf eine Wand zurast und dort dann pl\u00f6tzlich gestoppt wird, ist die freigesetzte Energie ungleich gr\u00f6\u00dfer. Es gibt eine enorme Explosion: Eine Supernova!<\/p>\n<p>Wenn ihr ein kleines Teleskop habt, dann probiert doch mal selbst, die Supernova zu sehen. Und schaut euch auch den Rest den Himmels an. Vielleicht entdeckt ihr ja selbst eine Supernova! Man muss daf\u00fcr kein gro\u00dfes Teleskop oder ein Astronomiestudium absolviert haben. Supernovae werden regelm\u00e4\u00dfig auch von Hobby-Astronomen entdeckt &#8211; dieses tolle Exemplar in M95 ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 16. M\u00e4rz hat Paolo Fagotti vom Italian Supernovae Search Project Bilder der Galaxie M95 gemacht. 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