{"id":20302,"date":"2012-03-06T09:58:49","date_gmt":"2012-03-06T08:58:49","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/03\/06\/die-erde-als-exoplanet-hier-gibt-es-leben\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:24","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:24","slug":"die-erde-als-exoplanet-hier-gibt-es-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/03\/06\/die-erde-als-exoplanet-hier-gibt-es-leben\/","title":{"rendered":"Die Erde als Exoplanet: Hier gibt es Leben!"},"content":{"rendered":"<p>Mittlerweile wissen wir, dass <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/01\/die-milchstrasse-ist-voller-planeten.php\">die Milchstra\u00dfe voller Planeten<\/a> ist. Darunter sind auch viele kleine, erd\u00e4hnliche Planeten. Wahrscheinlich auch viele, die sich in der habitablen Zonen um ihre Sterne befinden. Dort k\u00f6nnten die Temperaturen also gerade richtig f\u00fcr die Entstehung von Leben sein. Aber ist ein Planet in der habitablen Zone auch tats\u00e4chlich habitabel? Gibt es dort Leben? Diese Frage ist schwer zu beantworten, weil die daf\u00fcr n\u00f6tigen Beobachtungen an der Grenze des technisch machbaren sind. Astronomen aus Chile, Nordirland und Spanien haben nun einen wichtigen ersten Schritt gemacht: Sie haben <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/belgium-de\/news\/eso1210\/\">Leben auf der Erde entdeckt<\/a>!<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDas klingt erstmal nicht nach einer gro\u00dfen Leistung. Wenn man nicht gerade in der tiefsten W\u00fcste lebt, dann braucht man nur vor die T\u00fcr gehen um Leben zu entdecken. Pflanzen, Tiere, Menschen: Die Erde ist voll damit.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"29376\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-34004214e7777b138821c16e215a2c78-bluemarble1.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-34004214e7777b138821c16e215a2c78-bluemarble1.jpg','popup','width=8000,height=8000,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-5a40fcc12bfbef622bd7e3724d09b35a-bluemarble1-thumb-500x500-1.jpg\" alt=\"i-5a40fcc12bfbef622bd7e3724d09b35a-bluemarble1-thumb-500x500.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Alles voller Leben! (Bild: NASA, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/\">CC-BY 2.0<\/a>)<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Aber darum ging es den Forschern nicht. Sie wollten das simulieren, was wir auch tun m\u00fcssen, wenn wir extrasolare Planeten untersuchen wollen. Da k\u00f6nnen wir nicht vor die T\u00fcr gehen, sondern m\u00fcssen mit dem bisschen Licht auskommen, das in unseren Teleskopen landet. In der momentanen Situation stammt das so gut wie immer von Sternen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen haben wir es noch nicht geschafft, <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/11\/planet-bei-beta-pictoris-gefunden.php\">einen Planeten direkt zu sehen<\/a>. Planeten sind einfach zu klein und das von ihnen reflektierte Licht zu schwach um es gut sehen zu k\u00f6nnen. Ohne Licht vom Planeten k\u00f6nnen wir aber auch nicht herausfinden, wie die Atmosph\u00e4re zusammengesetzt ist und ob es dort vielleicht Leben gibt. Nat\u00fcrlich gibt es trotzdem Wege und Mittel &#8211; die Astronomen sind kreative Leute. Man kann die kurze Phase nutzen, in der ein Planet von uns aus gesehen vor seinem Stern vor\u00fcber zieht und sein Licht <i>durch<\/i> die Atmosph\u00e4re scheint. Aus diesem &#8222;Durchblick&#8220; lassen sich einige relevante Informationen \u00fcber die Zusammensetzung der Atmosph\u00e4re gewinnen. Ich habe <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/12\/venus-der-erdahnliche-exoplanet.php\">das hier genauer beschrieben<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn aber in einigen Jahren <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/09\/das-extrem-grosse-teleskop-aus-europa.php\">neue und sehr gro\u00dfe Teleskope<\/a> den Betrieb aufnehmen, dann k\u00f6nnen wir kleine Planeten ohne gro\u00dfe Probleme direkt sehen. Es lohnt sich also, entsprechend vorbereitet zu sein. Man soll sich hier keine falschen Vorstellungen machen: Auch wenn ein Planet direkt beobachtet wird, dann sieht man nicht mehr als einen Lichtpunkt. Das All ist einfach zu gro\u00df und die Planeten zu weit weg um mehr beobachten zu k\u00f6nnen. Wer sich also auf Bilder fremder Welten freut, auf denen man Ozeane und gr\u00fcne Landfl\u00e4che &#8211; vielleicht sogar die Lichter von Alienst\u00e4dten? &#8211; erkennen kann, der wird entt\u00e4uscht sein. So etwas wird noch sehr, sehr lange nicht geben. Aber auch ein Lichtpunkt enth\u00e4lt jede Menge Informationen. Die Astronomen wollen hier die Technik der Spektropolarimetrie nutzen. Dabei untersucht man die <i>Polarisierung<\/i> des Lichts. Das ist eine interessante Eigenschaft (unter anderem <a href=\"https:\/\/www.forschungs-blog.de\/wer-weis-wie-das-licht-schwingt-ist-im-vorteil\/\">spielt sie beim Paarungsverhalten der Fangschreckenkrebse eine Rolle<\/a>). Stellt man sich Licht als Welle vor, dann kann sie auf verschiedene Arten schwingen. Sie kann z.B. senkrecht zur Ausbreitungsrichtung schwingen. So wie ein Seil schwingt, wenn man es in der Hand h\u00e4lt und die Hand immer auf und ab bewegt. Man kann die Hand aber auch im Kreis bewegen, dann wird das Seil auch im Kreis schwingen. Der erste Fall beschreibt <i>linear polarisiertes Licht<\/i>, der zweite Fall das <i>zirkular polarisierte Licht<\/i>. Das Licht der Sonne bzw. eines Sterns ist normalerweise <i>unpolarisiert<\/i>, alle Schwingungsarten sind vermischt. Wird das Licht aber irgendwo reflektiert, dann kann sich die Polarisierung \u00e4ndern! Aus unpolarisierten Licht wird z.B. zirkular polarisiertes Licht. Was genau passiert, h\u00e4ngt von der Wellenl\u00e4nge ab und dem Material, welches das Licht reflektiert.<\/p>\n<p>In der Spektropolarimetrie nutzt man diesen Effekt. Man betrachtet reflektiertes Licht und sieht nach, wie gro\u00df der Anteil der verschiedenen Polarisierungsarten bei verschiedenen Wellenl\u00e4ngen ist. Das funktioniert auch bei ganzen Planeten! Je nachdem, ob es dort Wolken gibt, oder Ozeane, Kontinenten oder Vegetation wird man unterschiedliche Daten bekommen. Genau das haben die Wissenschaftler mit der Erde versucht. Denn auch die ist ein Planet und reflektiert das Licht der Sonne. Um nicht vom All aus beobachten zu m\u00fcssen, haben die Astronomen einen kleinen Trick benutzt. Sie haben ihre Kameras auf den Mond gerichtet. Denn der reflektiert nicht nur das Licht der Sonne, sondern auch das Licht, das von der Erde in Richtung Mond strahlt. Wie in einem Spiegel k\u00f6nnen die Astronomen so den &#8222;Erdschein&#8220; beobachten. Die Ergebnisse waren beeindruckend. Man &#8222;entdeckte&#8220;, dass die Erde von Wolken bedeckt ist und konnte sogar sehen, wie sich der Grad der Bedeckung im Laufe der Zeit \u00e4nderte. Man fand gro\u00dfe Ozeane. Au\u00dferdem &#8222;entdeckte&#8220; man die Vegetation am Erdboden und damit den Beweis daf\u00fcr, dass auf der Erde Leben existiert!<\/p>\n<form mt:asset-id=\"29929\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-eb78b087cf1032ae2d23c42cd886a1af-erdschein.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-eb78b087cf1032ae2d23c42cd886a1af-erdschein.jpg','popup','width=1280,height=800,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-4eb7129c92aaa15b2839494e546b55d3-erdschein-thumb-500x312-1.jpg\" alt=\"i-4eb7129c92aaa15b2839494e546b55d3-erdschein-thumb-500x312.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Das Licht von der Sonne wird von der Erde auf den Mond und wieder zur\u00fcck reflektiert (<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/belgium-de\/images\/eso1210c\/\">Bild: ESO\/L. Cal\u00e7ada<\/a>)<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Den Erdschein hat man auch <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/03\/wie-man-leben-auf-extrasolaren-planeten-entdeckt.php\">fr\u00fcher schon benutzt<\/a>, um f\u00fcr die Suche nach au\u00dferdirdischen Leben zu \u00fcben. Da hat man aber einfach &#8222;nur&#8220; das normale Licht untersucht. Auch hier gibt es Unterschiede im Reflexionsverhalten, je nachdem welche Gase in der Atmosph\u00e4re enthalten sind. Bestimmte &#8222;Biomarker&#8220; wie zum Beispiel Methan, k\u00f6nnen dann auf Leben hinweisen. Die zus\u00e4tzliche Untersuchung der Polarisation liefert nun mehr und bessere Informationen. <i>Noch<\/i> mehr und noch besser w\u00e4re es, wenn wir nicht auf das schwache, vom Mond reflektierte Licht angewiesen w\u00e4ren, sondern das Licht der Erde direkt sehen k\u00f6nnten. Dazu m\u00fcssten wir aber ins All. Die Astronomen haben auch schon ein passendes Experiment entwickelt: <i><a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1203.0209\">Lunar Observatory for Unresolved Polarimetry of Earth (LOUPE)<\/a><\/i> (wieder mal ein wunderbares Beispiel daf\u00fcr, dass die Wissenschaftler es immer schaffen, aussagekr\u00e4ftige Akronyme zu finden).<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Jahrzehnten werden wir deutlich mehr extrasolare Planeten kennen als heute. Wir werden jede Menge potentiell habitable Himmelsk\u00f6rper gefunden haben. Wir werden die gro\u00dfen Teleskope haben, die n\u00f6tig sind, um sie nach Anzeichen f\u00fcr Leben abzusuchen. Und &#8211; dank Vorarbeiten wie der hier pr\u00e4sentierten &#8211; werden wir auch wissen, was wir tun m\u00fcssen. <i>Wenn<\/i> es irgendwo anders noch Leben gibt, dann werden wir es in den n\u00e4chsten 10 bis 20 Jahren finden!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/88604a1e20e84035bb917380ffd02e63\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittlerweile wissen wir, dass die Milchstra\u00dfe voller Planeten ist. Darunter sind auch viele kleine, erd\u00e4hnliche Planeten. Wahrscheinlich auch viele, die sich in der habitablen Zonen um ihre Sterne befinden. Dort k\u00f6nnten die Temperaturen also gerade richtig f\u00fcr die Entstehung von Leben sein. Aber ist ein Planet in der habitablen Zone auch tats\u00e4chlich habitabel? 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