{"id":20298,"date":"2012-03-05T10:42:10","date_gmt":"2012-03-05T09:42:10","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/03\/05\/achtung-nicht-ausleeren-flussige-spiegelteleskope\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:23","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:23","slug":"achtung-nicht-ausleeren-flussige-spiegelteleskope","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/03\/05\/achtung-nicht-ausleeren-flussige-spiegelteleskope\/","title":{"rendered":"Achtung, nicht ausleeren: Fl\u00fcssiges Spiegelteleskop!"},"content":{"rendered":"<p>Will man ein Teleskop bauen, dann braucht man entweder eine Linse aus Glas oder einen Spiegel aus Metall. Linsenteleskop werden heute kaum mehr gebaut. Zumindest f\u00fcr den professionellen Einsatz sind sie zu unpraktisch. Da das Licht <i>durch<\/i> die Linse hindurch muss, kann man sie von hinten nicht st\u00fctzen. Zu gro\u00dfe Linsen k\u00f6nnen also im Teleskop nicht verbaut werden, sie w\u00e4ren allein durch ihr Gewicht instabil. Man kann sie nicht gr\u00f6\u00dfer machen als etwa einen Meter. Bei Spiegeln ist das anders. In einem Spiegelteleskop &#8211; erfunden hat es \u00fcbrigens der gro\u00dfe Isaac Newton &#8211; wird das Licht vom Spiegel nur reflektiert; der Spiegel kann von hinten gest\u00fctzt und damit viel gr\u00f6\u00dfer gebaut werden. Au\u00dferdem reicht es, wenn man eine ganz d\u00fcnne reflektierende Schicht aufbringt; die optischen Elemente werden also nicht so schwer wie das dicke Glas der Linsenteleskope. Um einen Spiegel zu bauen, brauchen wir reflektierendes Metall. Die Spiegel, die bei uns zu Hause \u00fcberall rumh\u00e4ngen sind zum Beispiel mit Aluminium bedampft. Bei Metall denken wir eigentlich sofort an einen Festk\u00f6rper. Es gibt aber auch Metalle, die bei normalen Temperaturen fl\u00fcssig sind. Und auch aus ihnen kann man Teleskope bauen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nSchon seit der Antike war das Metall <i>Quecksilber<\/i> bekannt. Es schmilzt schon bei -39 Grad und verdampft erst bei 357 Grad, ist also in einer normalen Umgebung immer fl\u00fcssig. Quecksilber ist ein gl\u00e4nzendes Metall. F\u00fcllt man es in eine Schale, dann erh\u00e4lt man eine spiegelnde Oberfl\u00e4che. Aber wie baut man einen fl\u00fcssigen Spiegel in ein Teleskop ein?<\/p>\n<p>Zuerst muss der Spiegel die richtige Form bekommen. F\u00fcr ein Teleskop kann man nicht einfach einen eben Spiegel verwenden, wie er bei uns zu Hause an der Wand h\u00e4ngt. Er muss eine spezielle Form haben, damit das Licht der Sterne gesammelt und zum Beobachter weitergeleitet werden kann. Man ben\u00f6tigt einen Parabolspiegel, eine Form wie die der Satellitenantennen, die wir uns aufs Dach montieren, wenn wir Satellitenfernsehen empfangen k\u00f6nnen. Ein echter Spiegel wird entsprechend geschliffen, bis er die richtige Form hat. Aber bei einem fl\u00fcssigen Spiegel klappt das nicht. Deswegen benutzt man einen Trick.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"29903\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-ff2a69f20f0321b8a0f34503658772ab-Stirring_in_a_glass_of_Water.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-ff2a69f20f0321b8a0f34503658772ab-Stirring_in_a_glass_of_Water.jpg','popup','width=4000,height=3000,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-d7e0bf50d5df192b02323002a0f5b1ae-Stirring_in_a_glass_of_Water-thumb-500x375-1.jpg\" alt=\"i-d7e0bf50d5df192b02323002a0f5b1ae-Stirring_in_a_glass_of_Water-thumb-500x375.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Stirring_in_a_glass_of_Water.jpg&#038;filetimestamp=20110418112900\">Bild: Martin Meise<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/3.0\/deed.de\">CC-BY 3.0<\/a><\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Nimmt man eine Fl\u00fcssigkeit, gibt sie in ein Gef\u00e4\u00df und l\u00e4sst dieses rotieren, dann wird sie keine ebene Oberfl\u00e4che mehr bilden. Unter dem Einfluss der Schwerkraft der Erde und der Rotation wird die Fl\u00fcssigkeit an den Rand des Gef\u00e4\u00df getrieben und es entsteht &#8211; ganz nat\u00fcrlich &#8211; eine perfekte Parabelform! Man muss also nur ausreichend Quecksilber in der richtigen Geschwindigkeit rotieren lassen um einen wunderbaren Teleskopspiegel zu bekommen. Um einen echten Spiegel \u00e4hnlich genau in eine Parabelform zu schleifen, w\u00e4re viel, viel mehr Arbeit n\u00f6tig, es w\u00fcrde enorm viel Zeit und Geld kosten und selbst dann w\u00e4re die Parabel nicht ganz so exakt wie die des rotierenden Quecksilbers. Rotierendes Metall liefert also bessere und billigere Spiegel. Es gibt aber auch einen ganz offensichtlichen Nachteil. Wenn man den fl\u00fcssigen Spiegel kippt, dann l\u00e4uft das Quecksilber aus! Der Spiegel kann also nur flach auf dem Boden liegen, das Teleskop kann immer nur gerade nach oben blicken.<\/p>\n<p>Das ist nicht so schlimm wie es klingt. Schon seit es Teleskope gibt, haben die Astronomen immer auch spezielle <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zenitteleskop\">Zentitteleskope<\/a> eingesetzt. Die sind extra so montiert, dass sie nur nach oben schauen k\u00f6nnen. Man kann also nicht an beliebige Punkte des Himmels schauen, sondern muss warten, bis die Rotation der Erde die Sterne in das Blickfeld schiebt. An Sternen, die direkt \u00fcber dem Teleskop &#8211; also dem Zenit &#8211; stehen, lassen sich Messungen besonders genau durchf\u00fchren, denn das Licht nimmt hier den k\u00fcrzesten Weg durch die Atmosph\u00e4re und wir am wenigsten gest\u00f6rt. Deswegen benutzt man Zenitteleskope f\u00fcr Pr\u00e4zisionsmessungen, zum Beispiel um die Position von Sternen ganz exakt bestimmen zu k\u00f6nnen oder die Schwankungen der Erdachse zu vermessen. Ein Teleskop, das einfach immer nur nach oben schaut und alles beobachtet, was sich in sein Blickfeld schiebt, eignet sich auch gut f\u00fcr gro\u00df angelegte Suchprogrammen. Zum Beispiel f\u00fcr die Suche nach Supernova-Explosionen, Meteore oder Weltraumschrott.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"29900\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-0d5486b41c8184cc5357a8c06693f1a8-lzt.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-0d5486b41c8184cc5357a8c06693f1a8-lzt.jpg','popup','width=1600,height=1200,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-d0a5e787054ed96e901cb2aa80410257-lzt-thumb-500x375-1.jpg\" alt=\"i-d0a5e787054ed96e901cb2aa80410257-lzt-thumb-500x375.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Der fl\u00fcssige Spiegel des Large Zenith Telescope (Bild: NASA, Paul Hickson)<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Zenitteleskope sind also durchaus sinnvoll und darum ist es nicht verwunderlich, dass es tats\u00e4chlich ein paar fl\u00fcssige Teleskopspiegel gibt. Wie schon gesagt: So ein Teleskop l\u00e4sst sich wesentlich schneller und deutlich billiger bauen als eines mit einem festen Spiegel. In Kanada, in der N\u00e4he von Vancouver, steht das <a href=\"https:\/\/www.astro.ubc.ca\/lmt\/lzt\/\">Large Zenith Telescope (LZT)<\/a>. Das LZT hat einen sechs Meter gro\u00dfen Spiegel aus fl\u00fcssigen Quecksilber. Es geh\u00f6rt damit zu den gr\u00f6\u00dften optischen Teleskopen der Welt und h\u00e4tte man einen normalen Spiegel eingebaut, dann w\u00e4re der Bau etwa f\u00fcnfzigmal teurer gewesen. Am LZT sucht man nach Supernovae und vermisst die Position und Spektren von hundertausenden Galaxien.<\/p>\n<p>Auch die US Air Force hat ein Fl\u00fcssigteleskop betrieben, zur Suche nach Weltraumschrott. Hier k\u00f6nnt ihr es in Aktion sehen:<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"369\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Q5Cr9P-Q88Y\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/center><\/p>\n<p>Es gibt sogar \u00dcberlegungen, fl\u00fcssige Spiegel f\u00fcr Teleskope zu verwenden <a href=\"https:\/\/science.nasa.gov\/science-news\/science-at-nasa\/2008\/09oct_liquidmirror\/\">die am Mond gebaut werden<\/a>. Anstatt m\u00fchsam einen gro\u00dfen Spiegel auf den Mond zu schleppen, reicht es, ein paar Kanister mit Quecksilber mit zunehmen. Aber ok, bis die Menschen wieder mal auf dem Mond landen, wird noch viel Quecksilber den Bach hinunter flie\u00dfen. Oder hoffentlich nicht! Denn Quecksilber ist giftig und die Quecksilberd\u00e4mpfe, die schon bei Zimmertemperatur entstehen sind \u00e4u\u00dferst ungesund. Man macht sich daher Gedanken, ob man f\u00fcr zuk\u00fcnftige Fl\u00fcssigspiegel vielleicht lieber andere Metalle verwenden sollte. Gallium zum Beispiel. Das schmilzt schon bei 29 Grad, ist bei weitem nicht so giftig wie Quecksilber und w\u00fcrde auch einen guten Spiegel abgeben. Nur ist es leider viel schwerer erh\u00e4ltlich und teurer als Quecksilber und man w\u00fcrde so einen der gro\u00dfen Vorteile &#8211; die geringen Kosten &#8211; verlieren. Aber schauen wir mal, was die Zukunft bringt. Wenn man schon kreativ genug ist um auf die Idee mit den fl\u00fcssigen Teleskopspiegel zu kommen, dann f\u00e4llt einem da sicher noch etwas ein.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/8951f1ea090e4a9da799b06e5107539e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Will man ein Teleskop bauen, dann braucht man entweder eine Linse aus Glas oder einen Spiegel aus Metall. Linsenteleskop werden heute kaum mehr gebaut. Zumindest f\u00fcr den professionellen Einsatz sind sie zu unpraktisch. 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