{"id":20296,"date":"2012-03-04T10:50:26","date_gmt":"2012-03-04T09:50:26","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/03\/04\/die-angekundigte-supernova\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:23","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:23","slug":"die-angekundigte-supernova","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/03\/04\/die-angekundigte-supernova\/","title":{"rendered":"Die angek\u00fcndigte Supernova"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ein gro\u00dfer Stern am Ende seines Lebens explodiert, dann wird er dabei zwar enorm hell. Recht viel sehen k\u00f6nnen wir davon aber trotzdem nicht. Solche Supernova-Explosionen sind vergleichsweise selten. Im Durchschnitt findet in unserer Milchstra\u00dfe nur <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/esaMI\/Integral\/SEMACK0VRHE_0.html\">eine alle 50 Jahre<\/a> statt. Die meisten Supernovae beobachten wir deswegen in anderen Galaxien und die sind enorm weit weg. Das wir die Sternexplosionen dort trotzdem sehen k\u00f6nnen zeigt aber schon, <i>wie<\/i> hell eine Supernova wirklich ist. Aber mehr als einen Lichtpunkt sehen wir halt von der Erde aus nicht. Und es besteht nicht die geringste Chance, aus dieser Entfernung den Stern zu beobachten <i>bevor<\/i> er explodiert. Gl\u00fccklicherweise gibt es ganz in unserer N\u00e4he (aus astronomischer Sicht!) einen Stern, der sich kurz vor einer Supernovaexplosion befindet. Wir k\u00f6nnen ihn im Detail studieren und die letzten Phasen im Leben eines Sterns direkt beobachten.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs ist der Stern Eta Carinae, ungef\u00e4hr 7500 Lichtjahre entfernt. Er ist etwa hundert Mal schwerer als unsere Sonne, geh\u00f6rt also zu den Riesensternen. Solche gro\u00dfen Sterne <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/02\/live-fast-die-young-das-schicksal-der-grossen-sterne.php\">leben nicht lange<\/a>. Denn das Schicksal eines Sterns wird im Wesentlichen durch zwei Kr\u00e4fte bestimmt: Gravitation und Strahlungsdruck.<\/p>\n<p>Die Gravitationskraft m\u00f6chte den Stern unter seinem eigenen Gewicht zusammenfallen lassen. Dem entgegen wirkt der Strahlungsdruck, also die Kraft der elektromagnetischen Strahlung die im Inneren des Sterns entsteht und die nach au\u00dfen dr\u00e4ngt. Im Idealfall halten sich beide das Gleichgewicht und der Stern ist stabil. Wie lange diese stabile Phase dauert, h\u00e4ngt vom Gewicht ab. Je mehr Masse ein Stern hat, desto st\u00e4rker dr\u00fcckt die Gravitation und desto hei\u00dfer wird es im Kern. Je hei\u00dfer es dort ist, desto schneller l\u00e4uft die Kernfusion ab, desto schneller wird das Brennmaterial verbraucht und desto st\u00e4rker wird auch der Strahlungsdruck. Wenn dann irgendwann alles aufgebraucht ist und der Strahlungsdruck sinkt, dann komprimiert die Gravitation den Stern noch st\u00e4rker. Es wird noch hei\u00dfer im Kern und neue Fusionsprozesse k\u00f6nnen einsetzen. Der neue Strahlungsdruck dehnt den Stern wieder aus; die \u00e4u\u00dferen Schichten werden abgesto\u00dfen. Das Spiel wiederholt sich noch einige Male, bis <i>wirklich<\/i> nichts mehr da ist, was fusioniert werden kann. Dann kollabiert der Stern, st\u00fcrzt auf sich selbst und es kommt zur gewaltigen Supernovaexplosion, die die letzten Rest der Sternenh\u00fclle ins All schleudert.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Stern kann aber auch vorher schon Material von sich sto\u00dfen. Wenn seine Leuchtkraft die sogenannte <i>Eddington-Grenze<\/i> \u00fcberschreitet, dann ist der Strahlungsdruck so hoch, dass die Gravitation nichts mehr entgegensetzen kann. Teile der Sternatmosph\u00e4re werden ins All gepustet. Wenn dabei wirklich viel Material abgesto\u00dfen wird, nennt man diese Sterne <i>&#8222;Supernova Impostors&#8220;<\/i>. Es sieht fast so aus, als w\u00e4ren sie schon explodiert; aber noch ist dort nicht alles vorbei. Eta Carinae ist so ein Trickser, der Stern ist schon ein paar Mal fast explodiert. Das sieht man auch gut an den historischen Aufzeichnungen \u00fcber seine Helligkeit. 1577 klassifizierte Edmond Halley den Stern als 4. <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/01\/magnitude-und-modul-die-helligkeit-der-sterne.php\">Gr\u00f6\u00dfenklasse<\/a>; also ein eher typischer Stern, der nicht zu hell und nicht zu dunkel und mit freiem Auge gut sichtbar ist. 1730 war Eta Carinae aber schon einer der hellsten Sterne am Himmel. Dann wurde sein Licht wieder schw\u00e4cher, wieder ein bisschen st\u00e4rker und 1843 schlie\u00dflich war er heller als jemals zuvor; nur Sirius (der hellste Stern am Nachthimmel) war noch heller. In der ersten H\u00e4lfe des 20. Jahrhunderts war er dann mit freiem Auge gar nicht mehr zu sehen, wurde dann aber langsam wieder heller und momentan ist Eta Carinae ein Stern sechster Gr\u00f6\u00dfenklasse und damit gerade an der Grenze, wo er unter perfekten Bedingungen eventuell mit freiem Auge sichtbar ist. Besser ist es also, man betrachtet ihn im Teleskop. Das hat das Hubbel-Weltraumteleskop k\u00fcrzlich gemacht. So sieht das fantastische Ergebnis aus:<\/p>\n<form mt:asset-id=\"29885\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-de43ff3769561d1959b8bb8c8f4ba4ce-etacarinae.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-de43ff3769561d1959b8bb8c8f4ba4ce-etacarinae.jpg','popup','width=1280,height=1214,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-be15e15cd254f93726b2f3990ab53e7e-etacarinae-thumb-500x474-1.jpg\" alt=\"i-be15e15cd254f93726b2f3990ab53e7e-etacarinae-thumb-500x474.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small><a href=\"https:\/\/www.spacetelescope.org\/images\/potw1208a\/\">Bild: ESA, NASA\/Hubble<\/a><\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Extrem cool! Ok, diesen sogenannten &#8222;Homunkulusnebel&#8220; kannte man auch schon vorher. Aber noch nie hat man ihn so detailliert gesehen. In der Mitte sitzt Eta Carinae und man sieht das Material, das er bei seinen bisherigen Ausbr\u00fcchen ins All geschleudert hat in zwei gewaltigen Wolken. Der Nebel ist etwa ein halbes Lichtjahr gro\u00df und das Material dort bewegt sich mit etwa 700 Kilometer pro Sekunde vom Stern fort! Der Stern wirft das Material entlang seiner Rotationsachse aus; so haben sich auch die beiden Kegel gebildet.<\/p>\n<p>Lange wird es Eta Carinae nicht mehr geben. In den n\u00e4chsten paar Zehntausend Jahren wird er endg\u00fcltig explodieren. Aber f\u00fcr die Erde besteht keine Gefahr; daf\u00fcr ist Eta Carinae zu weit weg. Aber wir sitzen trotzdem in der ersten Reihe und k\u00f6nnen live, quasi in HD, Farbe und 3D bei einer Supernova-Explosion zusehen. Ich beneide die Astronomen der Zukunft!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/c5e65d7714534d7ab39820d5a2d1c12c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein gro\u00dfer Stern am Ende seines Lebens explodiert, dann wird er dabei zwar enorm hell. Recht viel sehen k\u00f6nnen wir davon aber trotzdem nicht. Solche Supernova-Explosionen sind vergleichsweise selten. Im Durchschnitt findet in unserer Milchstra\u00dfe nur eine alle 50 Jahre statt. 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