{"id":20195,"date":"2012-02-03T16:45:12","date_gmt":"2012-02-03T15:45:12","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/02\/03\/gj-667c-b-eine-habitable-supererde\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:15","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:15","slug":"gj-667c-b-eine-habitable-supererde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/02\/03\/gj-667c-b-eine-habitable-supererde\/","title":{"rendered":"GJ 667Cc &#8211; eine bewohnbare Super-Erde?"},"content":{"rendered":"<p>Seit der Entdeckung des ersten echten Exoplaneten im Jahr 1995 besch\u00e4ftigt vor allem die \u00d6ffentlichkeit und die Medien eine gro\u00dfe Frage: Gibt es irgendwo einen anderen Planeten, auf dem die gleichen Bedingungen wie auf der Erde herrschen? Auf dem Leben m\u00f6glich ist oder sogar existiert? Die Astronomen sind nicht ganz so eng fokussiert wie die Medien; sie wollen einfach mehr \u00fcber Exoplaneten rausfinden, egal ob erd\u00e4hnlich oder nicht. Andererseits sind auch Astronomen nur Menschen und der Frage nach Planeten mit au\u00dferirdischem Leben k\u00f6nnen sie sich schwer entziehen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Suche nach dem ersten <i>wirklich<\/i> erd\u00e4hnlichen Planeten mit gro\u00dfem Engagement betrieben wird. Bis jetzt war man schon oft <i>fast<\/i> erfolgreich. Man hat Planeten entdeckt, die die gleiche Gr\u00f6\u00dfe, Masse oder Dichte wie die Erde besessen haben. Man hat Planeten entdeckt, die sich genau im richtigen Abstand von ihrem Stern befunden haben, in der sogenannten &#8222;habitablen Zone&#8220;, dort wie die Temperatur f\u00fcr die Entstehung genau richtig w\u00e4re. Aber bis jetzt hat man noch keinen Planeten gefunden, auf den beides zutrifft. Ein Planet, mit der richtigen Gr\u00f6\u00dfe und der richtigen Zusammensetzung im richtigen Abstand: Danach suchen alle. Zur Zeit geht die Entdeckung einer &#8222;Supererde in der habitablen Zone&#8220; durch alle Medien. Ist das nun der gesuchte Planet? Oder wieder nur eine &#8222;Fast-Entdeckung&#8220;?<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDer Planet, um den es geht, nennt sich GJ 667Cc. Er umkreist einen roten Zwerg; also einen recht lichtschwachen, k\u00fchlen kleinen Stern. Dieser Stern ist Teil eines Mehrfachsystems &#8211; das erkennt man schon an seinem Namen. Das &#8222;GJ&#8220; bezeichnet den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sternkatalog#Gliese_.28Gl.29_und_Gliese-Jahrei.C3.9F_.28GJ.29\">Gliese-Jahrei\u00df-Katalog<\/a>, der Sterne in der N\u00e4he der Sonne enth\u00e4lt. &#8222;667&#8220; ist die Nummer des Eintrags. Und das &#8222;C&#8220; besagt, dass der Stern die dritte Komponente eines Mehrfachsystems ist. Bei Doppel- oder Mehrfachsternen werden die einzelnen Objekte mit alphabetisch geordneten Gro\u00dfbuchstaben bezeichnet. Das System besteht also aus &#8222;GJ 667A&#8220;, &#8222;GJ 667B&#8220; und &#8222;GJ 667C&#8220;. Es ist ein sogenanntes hierarchisches System. D.h. A und B bilden ein Paar und diese beiden wiederum ein Paar mit C. Der Abstand zwischen GJ 667AB (man fasst so enge Paare gerne auf diese Art zusammen) und GJ 667C betr\u00e4gt etwa 230 Astronomische Einheiten. Das ist fast das achtfache des Abstands zwischen Sonne und dem sonnenfernsten Planeten Neptun. Aus dynamischer Sicht ist der Einfluss von AB auf GJ 667C daher so gut wie zu vernachl\u00e4ssigen; wir k\u00f6nnen in der Folge die restlichen zwei Komponenten des Dreifachsystems ignorieren.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"29341\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-135c3970cc3743f503c957157ee877bf-GJ667Cc.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-135c3970cc3743f503c957157ee877bf-GJ667Cc.jpg','popup','width=1366,height=597,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-7c90a176af8a59af6a9d93b33bbc0649-GJ667Cc-thumb-500x218-1.jpg\" alt=\"i-7c90a176af8a59af6a9d93b33bbc0649-GJ667Cc-thumb-500x218.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Drei Sterne und ein Planet: GJ 667AB, GJ 667C und GJ 667Cc (<a href=\"https:\/\/www.uni-goettingen.de\/en\/3240.html?cid=4110\">Bild: Uni G\u00f6ttingen<\/a>)<\/small><\/em><\/div>\n<p>GJ 667C wird von mindestens zwei Planeten umkreist. Der eine wurde schon 2009 entdeckt. Er tr\u00e4gt den Namen GJ 667Cb (Planeten bezeichnet man immer mit dem Namen des Sterns plus angeh\u00e4ngtem Kleinbuchstaben, alphabetisch gereiht nach dem Entdeckungszeitpunkt und angefangen mit &#8222;b&#8220;). Er befindet sich sehr nahe am Stern, nur 0,05 Astronomische Einheiten entfernt (die Erde ist von der Sonne 1 AE entfernt), und ist mindestens sechsmal schwerer als die Erde.<\/p>\n<p>Ein Team aus Astronomen unter der Leitung von Guillem Anglada-Escud\u00e9 von der Carnegie Institution in Washington (der seit Anfang des Jahrs an der Uni G\u00f6ttingen arbeitet), hat nun jede Menge Beobachtung von GJ 667C gesammelt und darin noch einen weiteren Planeten entdeckt. GJ 667Cc ist etwas weiter vom Stern entfernt als der andere Planet. Er ist auch etwas leichter und wiegt nur das 4,5fache der Erde. Mit seinem Abstand von 0,12 AE (als einem Zehntel des Abstands zwischen Sonne und Erde) befindet er sich genau in der habitablen Zone des roten Zwergs! Und seine Masse macht ihn zu einer sogenannten &#8222;Super-Erde&#8220;, also einem Planeten wie die Erde, nur gr\u00f6\u00dfer und schwerer. Ist GJ 667Cc also nun die lang gesuchte &#8222;zweite Erde&#8220;, mit Bedingungen, die au\u00dferirdisches Leben beg\u00fcnstigen k\u00f6nnten?<\/p>\n<form mt:asset-id=\"29344\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-89e308eb02b69c65935e41603347954a-GJ667C.PNG\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-89e308eb02b69c65935e41603347954a-GJ667C.PNG','popup','width=965,height=470,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-c82666842093c3c661b987b4a68593c7-GJ667C-thumb-500x243-1.png\" alt=\"i-c82666842093c3c661b987b4a68593c7-GJ667C-thumb-500x243.png\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Vergleich zwischen den habitablen Zonen von GJ 667C und dem Sonnensystem. Die grauen Balken links geben die innere Grenze der Zone in Abh\u00e4ngig der Wolkendichte in der Atmosph\u00e4re eines Planeten an. GJ 667Cc liegt auf jeden Fall immer in der habitablen Zone (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1202.0446\">Bild: Anglada-Escud\u00e9 et al. 2012<\/a>)<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Nein. Bzw. h\u00f6chstwahrscheinlich nicht. Das Problem an der Sache sind die Dinge, die wir noch nicht wissen. Die genaue Masse zum Beispiel. Oben habe ich geschrieben, das GJ 667Cc 4,5 mal so schwer ist wie die Erde. Das ist aber so nicht ganz korrekt. Der Planet wurde mit der sogenannten <i>Radialgeschwindigkeitsmethode<\/i> entdeckt. Dabei misst man das &#8222;Wackeln&#8220; des Sterns, das durch die Gravitationskraft des Planeten erzeugt wird. Leider kann man damit die Masse des Planeten nicht exakt bestimmen, sondern nur einen minimalen Wert. GJ 667Cc wiegt also <i>mindestens<\/i> das 4,5fache der Erde. Es kann aber auch viel mehr sein! Das h\u00e4ngt davon ab, unter welchem Winkel wir auf das Planetensystem blicken und das wissen wir nicht. Die 4,5 Erdmassen gelten nur f\u00fcr den Fall, dass wir exakt von der Kante auf das System blicken. W\u00fcrden wir genau von oben auf das System blicken, dann w\u00fcrden wir gar kein Wackeln sehen. Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen und auch die Masse des Planeten wird h\u00f6her sein als die 4,5 Erdmassen. Leider unterschlagen die Medien so etwas gerne. In diesem Fall kann man ihnen aber nicht mal einen Vorwurf machen, denn selbst in der <a href=\"https:\/\/www.uni-goettingen.de\/en\/3240.html?cid=4110\">Pressemitteilung der Uni G\u00f6ttingen<\/a> liest man:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Die Super-Erde mit der Bezeichnung GJ 667Cc hat die viereinhalbfache Masse unserer Erde und umkreist auf einer Umlaufbahn von 28,15 Tagen einen Zwergstern der Klasse M.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Dass es sich hier nur um eine Mindestmasse handelt, wird nirgendwo angesprochen. Aber ok, die Pressemitteilung ist sowieso nicht sonderlich gut, man schafft es ja nichtmal, direkt auf <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1202.0446\">die Originalarbeit der Wissenschaftler<\/a> zu verlinken&#8230; \u00dcbrigens steht das in der <a href=\"https:\/\/carnegiescience.edu\/news\/new_superearth_detected_within_habitable_zone_nearby_cool_star\">Pressemitteilung der Carnegie Insitution<\/a> sehr wohl drin:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;But in addition to this first candidate, the research team found the clear signal of a new planet (GJ 667Cc) with an orbital period of 28.15 days and a minimum mass of 4.5 times that of Earth.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>(Den Link aufs Originalpaper hat man aber auch dort nicht geschafft).<\/p>\n<p>Aber selbst wenn der Planet wirklich nur 4,5 Erdmassen wiegt, hei\u00dft das noch lange nicht, dass es dort auch Leben gibt bzw. das Leben \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Die habitable Zone gibt nur den Bereich an, in dem die Temperaturen theoretisch Leben erm\u00f6glichen k\u00f6nnten. Sehr viel h\u00e4ngt allerdings von den Eigenschaften des Planeten ab. Wie ist seine Dichte und Zusammensetzung? Hat er ein Magnetfeld und eine Atmosph\u00e4re? Wie sieht die aus? Gibt es dort Plattentektonik? Usw. Noch sind wir nicht in der Lage, all diese Parameter zu bestimmen und <i>wirklich<\/i> herauszufinden, ob ein Planet Leben erm\u00f6glichen kann oder nicht. Das  <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/03\/wie-man-leben-auf-extrasolaren-planeten-entdeckt.php\">kann sich bald \u00e4ndern<\/a>, aber momentan fehlt uns dieses Wissen. Das merken Anglada-Escud\u00e9 und seine Kollegen \u00fcbrigens auch in ihrem Artikel an (die Pressemitteilung sagt dazu allerdings nichts):<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Let us remark that the ultimate capability of GJ 667Cc to support liquid water depends on properties that are not yet known (e.g, albedo, atmospheric composition and interior dynamics).&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Beobachtungen die Guillem Anglada-Escud\u00e9 und seine Kollegen gemacht haben, sind hervorragend. GJ 667C c ist ein \u00e4u\u00dfert faszinierender Planet. Es gibt auch gute Hinweise darauf, dass sich dort auch noch ein dritter Planet befindet. Das ganze System ist eine genauere Untersuchung definitiv wert und wir werden daraus jede Menge \u00fcber Exoplaneten lernen. Aber die &#8222;zweite Erde&#8220; hat man dort nicht gefunden. Die Aufregung in den Medien ist (so wie damals bei <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/12\/kepler-22b-ein-kleiner-planet-in-der-habitablen-zone.php\">Kepler 22b<\/a>) nicht wirklich gerechtfertigt. Zumindest <i>diese Art<\/i> von Aufregung. Es w\u00e4re schon, wenn die Exoplanetenforschung in der \u00d6ffentlichkeit nicht immer nur als die Suche nach der zweiten Erde dargestellt werden w\u00fcrde. Es gibt noch so viel mehr interessante Dinge, die man da erz\u00e4hlen k\u00f6nnte&#8230; <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/b94f0c1fb58f43fd9ffa71eaad76c609\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der Entdeckung des ersten echten Exoplaneten im Jahr 1995 besch\u00e4ftigt vor allem die \u00d6ffentlichkeit und die Medien eine gro\u00dfe Frage: Gibt es irgendwo einen anderen Planeten, auf dem die gleichen Bedingungen wie auf der Erde herrschen? 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