{"id":20163,"date":"2012-01-23T09:35:29","date_gmt":"2012-01-23T08:35:29","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/01\/23\/john-asht-und-die-organisierte-literaturkriminalitat-im-internet\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:13","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:13","slug":"john-asht-und-die-organisierte-literaturkriminalitat-im-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/01\/23\/john-asht-und-die-organisierte-literaturkriminalitat-im-internet\/","title":{"rendered":"John Asht und die organisierte Literatur-Kriminalit\u00e4t im Internet"},"content":{"rendered":"<p>In meinem Blog schreibe ich oft \u00fcber die B\u00fccher, die ich gelesen habe. Meistens dann, wenn mir ein Buch besonders gut gefallen hat und ich es meinen Leserinnen und Lesern empfehlen m\u00f6chte. Manchmal aber auch, wenn ich ein <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/05\/viele-schlechte-bucher.php\">richtig<\/a> <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/09\/durchgefallen-vom-urknall-zum-durchknall.php\">schlechtes Buch<\/a> gelesen habe. Bis jetzt habe ich darin kein sonderlich gro\u00dfes Problem gesehen. Einer Bloggerin die sich in ihrem Blog haupts\u00e4chlich mit Buchrezensionen besch\u00e4ftigt, wird aber gerade wegen einer Rezension mit einer Klage gedroht. Der Autor und der Verlag des Buches, das ihr nicht gefallen hat, sprechen von &#8222;Literatur-Kriminalit\u00e4t&#8220; oder gar &#8222;Wirtschaftskriminialit\u00e4t&#8220;.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs geht um <a href=\"https:\/\/www.webcitation.org\/64tFTVoYs\">einen Artikel<\/a>, den Astrid Pr\u00fcger im November 2011 in ihrem Blog &#8222;B\u00fccherzeit&#8220; geschrieben hat. Darin erz\u00e4hlt sie, dass sie das Buch <i>&#8222;Twin-Pryx. Zwillingsbrut&#8220;<\/i> von John Asht aus dem Roder-Verlag lesen wollte, aber nicht mehr als die ersten 90 Seiten schaffte, weil sie das Buch so schlecht fand. Ok, so ein Urteil mag f\u00fcr einen Autor nicht gerade schmeichelhaft sein und John Asht hat sich dar\u00fcber sicher nicht gefreut. Was dann aber folgte, war \u00e4u\u00dferst absurd. John Asht kommentierte den Artikel, und zwar so:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Na ja, von einer 23-j\u00e4hrigen Fantasy-Leserin, die mit gehobener Literatur \u00fcberhaupt nichts anfangen kann, erwarte ich auch nicht mehr als eine solch&#8216; unqualifizierte Pseudo-Rezi.<br \/>M\u00e4del, schreib&#8217;s dir hinter die Ohren: Phantastische Literatur ist nicht \u201eFantasy&#8220;. Also, tu uns allen einen Gefallen und bleib bei deinen Zwergen und Elfen &#8211; f\u00fcr mehr reichts nicht!<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Ich m\u00f6chte das am besten gar nicht kommentieren&#8230; Noch absurder war dann aber der kurz darauf folgende n\u00e4chste Kommentare:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;&#8230; au\u00dferdem werde ich \u201eMyriel&#8220; und \u201eB\u00fccherzeit&#8220; von meinem Rechtsanwalt gerichtlich ahnden lassen &#8211; denn mir sieht diese Einrichtung sehr suspekt aus &#8211; etwa so, wie von gewissen Leuten bezahlt, um einem Autor zu vernichten. Das wird teuer, Lady!<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Ein Autor, der sich dar\u00fcber \u00e4rgert, dass jemand sein Buch schlecht findet, ist nicht weiter au\u00dfergew\u00f6hnlich. Ein Autor, der wegen einer schlechten Rezension mit Klage droht, ist etwas ganz anderes. Das k\u00f6nnte man vielleicht noch verstehen, wenn Frau Pr\u00fcger Herrn Asht wild beschimpft und beleidigt h\u00e4tte. Wenn sie Unwahrheiten \u00fcber Autor, Verlag und Werk erz\u00e4hlt h\u00e4tte. Aber eine Klage, nur weil einem ein Buch nicht gefallen hat und man diese Meinung \u00f6ffentlich \u00e4u\u00dfert, ist absurd.<\/p>\n<p>Noch interessanter wird die Geschichte mit dem Kommentar der Verlegerin des besprochenen Buches, Antje Roder. Sie  unterst\u00fctzt John Asht in seiner Meinung und schreibt unter anderem:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Wer damit nicht mehr umgehen kann, sollte sich k\u00fcnftig besser nur noch mit anspruchsloser Kost berieseln lassen. Das ist auch den Machthabern lieber, denn diese Art von Fast-Food-Leser lassen sich optimal lenken und kontrollieren &#8211; eben weil sie allm\u00e4hlich das rationale Denken verlernen.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Und<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Artikel 5 des Grundgesetzes gibt Ihnen noch lange nicht das Recht, Wirtschaftskriminalit\u00e4t zu betreiben, indem Sie willk\u00fclich den Verkauf eines Produktes boykottieren. (&#8230;) Es tut mir leid, Ihnen sagen zu m\u00fcssen, dass ich mich John Asht anschlie\u00dfen werde und ab Montag gerichtlich gegen Sie vorgehe, falls Sie diese Rezension nicht sofort entfernen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem werde ich den B\u00f6rsenverein des Deutschen Buchhandels informieren, dass Sie auf launische Weise Literaturkritiken ver\u00f6ffentlichen, ohne \u00fcberhaupt das Werk gelesen zu haben &#8211; abgesehen davon, dass Sie es wie oben beschrieben falsch kategorisiert haben.<\/p>\n<p>\u00dcberlegen Sie sich, was f\u00fcr Konsequenzen das alles f\u00fcr Sie haben wird. Das Recht ist auf unserer Seite!<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Man k\u00f6nnte ja fast der Meinung sein, die ganze Geschichte w\u00e4re von vorn bis hinten inszeniert und eine virale Werbekampagne, so absurd ist sie. Wenn dem so sein sollte, haben sich Autor und Verlag allerdings keinen gro\u00dfen Gefallen getan. Vor ein paar Tagen hat John Asht selbst noch einmal nachgelegt und in seinem Blog einen <a href=\"https:\/\/www.webcitation.org\/64tEHMsUJ\">langen Artikel<\/a> \u00fcber &#8222;Literatur-Kriminalit\u00e4t im Internet&#8220; geschrieben. Darin beschwert er sich, dass heutzutage dank des Internets einfach jeder seine Meinung zu allem ver\u00f6ffentlichen kann. Zum Beispiel k\u00f6nnen jetzt auch ganz normale Leser ihre Meinung zu B\u00fcchern kund tun. Das war fr\u00fcher viel besser:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Vor der Internetexplosion gab es noch gestandene Literaturkritiker &#8211; sie kennzeichneten sich vor allem durch Seriosit\u00e4t, Fachwissen und Objektivit\u00e4t &#8211; sie schrieben Kritiken f\u00fcr ein gedrucktes Blatt, eine gedruckte Zeitschrift oder ein gedrucktes Journal. Sie waren Kenner der Branche und K\u00f6nner im Metier &#8211; sie hatten eine eloquente Bildung und bedienten sich einer respektvollen Umgangssprache &#8211; und sie waren Meister im &#8222;zwischen den Zeilen schreiben&#8220;. Sie waren die Besten auf dem Gebiet, eben weil  die Publikation eines gedruckten Presseartikels wie auch dessen Vertrieb viel Geld kostete und der Herausgeber behutsam seine Leute akquirierte.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Ja, echt schon fies&#8230; Der Rest des Artikels ist &#8211; ich kann mich nur immer wiederholen &#8211; absurd. Asht erz\u00e4hlt von hinterh\u00e4ltigen Buchrezensenten, die Verlage und Autoren erpressen. Eine <i>&#8222;pseudo-erpresserische Rezensentin&#8220;<\/i> bzw. eine <i>&#8222;Lady Oberschlau&#8220;<\/i> hat ein Buch nicht komplett gelesen und sich trotzdem dazu ge\u00e4u\u00dfert. Das sei <i>&#8222;gezielte Gesch\u00e4ftssch\u00e4digung&#8220;<\/i> und <i>&#8222;kriminell&#8220;<\/i>. Seinen Artikel hat Asht auch bei <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/groups\/slv.redor\/10150476954286610\/\">Facebook verlinkt<\/a> und dort heute Morgen ein beeindruckendes Fazit gezogen (man kann es mittlerweile auch als <a href=\"https:\/\/www.webcitation.org\/64u2HA3n3\">Zusatz zu seinem Blogartikel<\/a> nachlesen). Die <i>&#8222;Organisierte Literatur-Kriminalit\u00e4t im Internet ist bewiesen&#8220;<\/i>, meint Asht. Er habe die Existenz einer <i>&#8222;Rezensenten-Mafia f\u00fcr Arme&#8220;<\/i> aufgedeckt. Sein Schlusssatz ist besonders seltsam:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Solche falschen Rezensenten und M\u00f6chtergern-Literaturkritiker sind eine Schande f\u00fcr&#8217;s freie Internet aber ganz besonders f\u00fcr die Literaturbranche des einstigen Volkes der Dichter und Denker. Und sie sind auch die Totengr\u00e4ber des freien Internets.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Die &#8222;Totengr\u00e4ber des freien Internets&#8220;? Das Internet w\u00e4re also &#8222;freier&#8220;, wenn Verlage und Autoren schlechte Rezensionen einfach verbieten w\u00fcrden? Tja, vermutlich geh\u00f6re ich auch zu den dummen Leuten, die einfach nicht verstehen, was wahre Literatur ist und wie die Welt funktioniert &#8211; aber das was Asht hier schreibt, verstehe ich tats\u00e4chlich nicht.<\/p>\n<p>Ich verstehe ja vollkommen, dass Herr Asht sich dar\u00fcber \u00e4rgert, wenn jemand sein Buch schlecht findet. Ich habe selbst <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/12\/krawumm-ein-pladoyer-fur-den-weltuntergang.php\">ein Buch geschrieben<\/a> und wei\u00df jetzt schon, dass ich mich f\u00fcrchterlich \u00e4rgern werde, wenn jemand die erste schlechte Rezension dazu ver\u00f6ffentlichen wird. Es ist mein Buch und mein Buch ist super! Aber ich w\u00fcrde nicht auf die komische Idee kommen, jemand verklagen zu wollen, nur weil jemand mein Buch nicht toll findet. Ich schreibe jetzt seit mehr als 4 Jahren mein Blog, habe mehr als 2000 Artikel verfasst und in dieser Zeit oft genug gemerkt, dass es unm\u00f6glich ist, es allen Recht zu machen. Es wird immer Menschen geben, die meine Arbeit nicht toll finden. Es w\u00e4re zwar sch\u00f6n, wenn ich mir einreden k\u00f6nnte, dass es sich hier nur um dumme Banausen handelt, die keine Ahnung von irgendwas haben und einfach zu bl\u00f6d sind, mein Werk entsprechend zu w\u00fcrdigen. Aber das ist nat\u00fcrlich v\u00f6lliger Unsinn. Menschen sind verschiedenen, Geschm\u00e4cker sind verschieden &#8211; und manche Leuten finden halt meine Arbeit doof. Genauso wie manchen Leuten das Buch von John Asht nicht gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Anstatt die Leute, die seine Arbeit kritisieren mit Klagen zu bedrohen, sollte Herr Asht vielleicht \u00fcberlegen, ob es nicht sinnvollere Arten gibt, mit Feedback (auch wenn es negativ ist) umzugehen. Eigentlich sollte man ja davon ausgehen, dass ein Autor seine B\u00fccher f\u00fcr die <i>Leser<\/i> schreibt und nicht die studierten Literaturkritiker. Die Leser sind es, die die B\u00fccher kaufen (die Literaturkritiker kriegen ihre B\u00fccher meistens vom Verlag geschenkt). Zu behaupten, dass nur die Meinung eines &#8222;offiziellen&#8220; Literaturkritikers z\u00e4hle, der normale Leser sich aber gef\u00e4lligst nicht \u00f6ffentlich \u00fcber das Buch zu \u00e4u\u00dfern hat, ist absurd. Ich bezweifle nicht, dass es tats\u00e4chlich gef\u00e4lschte Rezensionen gibt. Ich bezweifle nicht, dass es Leute gibt, die gegen Geld absichtlich schlechte (oder gute) Rezensionen verfassen. Aber deswegen den Leuten verbieten zu wollen, ihre Meinung \u00fcber B\u00fccher \u00f6ffentlich kund zu tun, ist l\u00e4cherlich.<\/p>\n<p>Ich bin wirklich gespannt, wie diese Geschichte noch weitergeht. Ob es wirklich zu einer Klage kommt (an virales Marketing glaube ich eigentlich nicht &#8211; der Name des Autors mag zwar kurzfristig verst\u00e4rkt in den Medien vorkommen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er durch diese Episode sympathischer und erfolgreicher wird als vorher) und wie der Kampf von John Asht gegen die Rezensenten-Mafia weitergeht. Ob er das Volk der &#8222;Dichter und Denker&#8220; vor den dummen Buchbesprechungen der organisierten Literatur-Kriminalit\u00e4t retten kann?<\/p>\n<p><em><small>P.S. Angesichts der Klagfreudigkeit von Asht und seinem Verlag m\u00f6chte ich darum bitten, die Kommentare nach M\u00f6glichkeit ohne pers\u00f6nliche Angriffe und andere potentiell einklagbare \u00c4u\u00dferungen zu formulieren. Das versteht sich zwar von selbst, ich wollte aber sicherheitshalber trotzdem nochmal darauf hinweisen&#8230;<\/small><\/em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/6309ddb5aaf44082956a3205d4df28be\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem Blog schreibe ich oft \u00fcber die B\u00fccher, die ich gelesen habe. Meistens dann, wenn mir ein Buch besonders gut gefallen hat und ich es meinen Leserinnen und Lesern empfehlen m\u00f6chte. Manchmal aber auch, wenn ich ein richtig schlechtes Buch gelesen habe. Bis jetzt habe ich darin kein sonderlich gro\u00dfes Problem gesehen. 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