{"id":20112,"date":"2012-01-09T10:30:35","date_gmt":"2012-01-09T09:30:35","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/01\/09\/die-suche-nach-extrasolaren-monden\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:09","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:09","slug":"die-suche-nach-extrasolaren-monden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/01\/09\/die-suche-nach-extrasolaren-monden\/","title":{"rendered":"Die Suche nach extrasolaren Monden"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben schon \u00fcber 700 extrasolare Planeten entdeckt. Wir kennen schon 32 <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/05\/der-stern-zum-wochenende-beta-pictoris.php\/\">Tr\u00fcmmerscheiben<\/a> um andere Sterne die uns sagen, dass es dort Asteroiden geben muss. Wir kennen Systeme mit vielen Planeten, wir kennen Systeme mit Tr\u00fcmmerscheiben, d.h. Asteroiden, und Planeten. Das, was wir im All finden, \u00e4hnelt immer mehr unserem eigenen Sonnensystem. Eines aber fehlt noch. Unser Sonnensystem besteht nicht nur aus acht Planeten und einem ganzen Haufen Asteroiden, sondern auch aus vielen Monden. Wir k\u00f6nnen eigentlich davon ausgehen, dass auch extrasolare Planeten Monde haben. Gefunden wurde bis jetzt aber noch keiner davon. Es wurde aber auch noch nie wirklich systematisch danach gesucht. Das m\u00f6chte David Kipping von der Uni Cambridge mit seinen Kollegen nun \u00e4ndern. Er hat das Projekt <a href=\"https:\/\/www.cfa.harvard.edu\/HEK\/\">HEK &#8211; The Hunt for Exomoons with Kepler<\/a> ins Leben gerufen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAbgesehen davon, dass Exomonde an sich schon sehr interessant sind, k\u00f6nnten wir von ihnen auch viel \u00fcber die Planetenentstehung lernen. Unser Mond zum Beispiel entstand durch <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/05\/der-mond-entstehung-durch-chaos.php\">eine gro\u00dfe Kollision vor 4,5 Milliarden Jahren<\/a>. Die gro\u00dfen Monde des Jupiter und Saturn dagegen entstanden eher auf die gleiche Art wie die Planeten selbst. Und kleine Monde wie die des Mars sind einfach eingefangene Asteroiden. Wenn wir diese verschiedenen Typen auch bei anderen Planeten finden, dann sagt uns das einiges \u00fcber die allgemeine Entstehung von Planetensystemen. Nat\u00fcrlich sind Monde auch interessant, wenn es um die Suche nach au\u00dferirdischen Leben geht. Theoretische Untersuchungen zeigen, dass ein gro\u00dfer Mond <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/05\/kein-leben-ohne-mond.php\">eine wichtige Rolle spielen k\u00f6nnte<\/a>, wenn es darum geht, die Achse eines Planeten zu stabilisieren, was Auswirkungen auf das Klima hat. <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/12\/der-einfluss-des-mondes-auf-die-erdachse.php\">Neue Simulationen<\/a> haben zwar gezeigt, dass die Planetenachse unter bestimmten Umst\u00e4nden auch ohne gro\u00dfen Mond stabil bleiben kann. Trotzdem scheint ein gro\u00dfer Mond immer noch beg\u00fcnstigend auf die Entwicklung eines stabilen Klimas zu wirken. Aber auch der Mond selbst k\u00e4me als Heimstatt f\u00fcr Leben in Frage. Wir kennen viele Systeme, in den sich gro\u00dfe Gasplaneten genau dort befinden, wo die Temperaturen f\u00fcr die Entstehung f\u00fcr Leben ideal w\u00e4ren. Leider kann sich auf diesen Gasriesen aber kein Leben wie wir es kennen entwickeln. Bei einem gro\u00dfen Mond, der so einen Planeten umkreist, sieht das aber ganz anders aus!<\/p>\n<form mt:asset-id=\"28917\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-19640d8befc41fa21cca8c4608a7af23-Moons_of_solar_system.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-19640d8befc41fa21cca8c4608a7af23-Moons_of_solar_system.jpg','popup','width=1575,height=1200,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-68d967f7598a97267a4d7702d28d9f58-Moons_of_solar_system-thumb-500x380-1.jpg\" alt=\"i-68d967f7598a97267a4d7702d28d9f58-Moons_of_solar_system-thumb-500x380.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Bild: NASA<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Es gibt also genug Gr\u00fcnde, nach Exomonden zu suchen. Aber k\u00f6nnen wir das \u00fcberhaupt? Wie findet man Monde, die Planeten bei anderen Sternen umkreisen? Nat\u00fcrlich ist es schwierig. Immerhin sind die Monde normalerweise kleiner als die Planeten und je kleiner etwas ist, desto schwerer ist es zu finden. Aber die gr\u00f6\u00dferen Exemplare k\u00f6nnten wir jetzt schon finden. David Kipping und seine Kollegen erkl\u00e4ren <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1201.0752\">in ihrem Artikel \u00fcber das Projekt<\/a> ausf\u00fchrlich, wie das gehen kann. Im Wesentlichen will man sich auf zwei Methoden konzentrieren. Beide haben mit Transitbeobachtungen von extrasolaren Planeten zu tun. Das ist ja die in letzter Zeit erfolgreichste Methode der Planetensuche. Man betrachtet dabei das Licht eines Sterns. Wenn es dort Planeten gibt und ein Planet von uns aus gesehen genau vor dem Stern vor\u00fcber zieht, dann wird sein Licht ein wenig schw\u00e4cher. Das kann man messen und daraus auf die Existenz eines Planeten schlie\u00dfen. Wenn dieser Planet nun auch noch einen Mond hat, dann l\u00e4sst sich das theoretisch feststellen. Zuerst wird man merken, dass der Planet immer ein bisschen fr\u00fch bzw. sp\u00e4t zum Transit kommt. Denn der Mond beeinflusst die Bewegung des Planeten ein bisschen und erzeugt eine Versp\u00e4tung. Diese Methode der <i>Transitzeitvariation<\/i> wurde <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/09\/der-unsichtbare-planet-ist-nicht-unsichtbar-aber-cool.php\">schon erfolgreich bei der Suche nach neuen Planeten<\/a> eingesetzt &#8211; jetzt will man damit auch Monde finden. So in etwa sieht das schematisch aus:<\/p>\n<form mt:asset-id=\"28910\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-48f58ab062cbfb30e44f658f515ca697-kippingetal2012fig1.png\" alt=\"i-48f58ab062cbfb30e44f658f515ca697-kippingetal2012fig1.png\" \/><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small><a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1201.0752\">Bild: Kipping et al (2012)<\/a><\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Aber auch im Licht des Transits k\u00f6nnte man den Mond identifizieren. Wenn er gemeinsam mit dem Planeten vorm Stern vor\u00fcber zieht, dann \u00e4ndert sich die Art und Weise, wie die Helligkeit abf\u00e4llt. So k\u00f6nnte das aussehen:<\/p>\n<form mt:asset-id=\"28914\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-83b8daf6ba31fc776dbf8925c1d4e347-kipping2.PNG\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-83b8daf6ba31fc776dbf8925c1d4e347-kipping2.PNG','popup','width=1050,height=564,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-738d5f09d4c11078061aa88c55fd6826-kipping2-thumb-500x268-1.png\" alt=\"i-738d5f09d4c11078061aa88c55fd6826-kipping2-thumb-500x268.png\" \/><\/a><\/form>\n<p>Links sieht man Lichtkurven f\u00fcr Planeten mit Monden, die sie in gro\u00dfem Abstand umkreisen. Man sieht gut, wie zuerst der Planet den Stern verdunkelt und dann &#8211; schw\u00e4cher &#8211; der Mond (bzw. umgekehrt bei den unteren Kurven). Rechts sind Lichtkurven f\u00fcr Planeten mit nahen Monden zu sehen. Auch hier erkennt man deutliche Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten, die durch den Mond verursacht werden.<\/p>\n<p>Nach genau solchen Effekten wollen Kipping und sein Team nun in den Daten des Weltraumteleskops Kepler suchen. Kepler hat ja schon tausende Planetenkandidaten gefunden und Unmengen an Lichtkurven aufgenommen. Wenn es dort drau\u00dfen irgendwelche Exomonde gibt, dann hofft das HEK-Team, ihnen mit ihrem Algorithmus auf die Spur zu kommen. Ich bin eigentlich davon \u00fcberzeugt, dass die Suche bald erfolgreich sein wird. Egal ob es Kipping und sein Team sein werden oder andere Wissenschaftler: Wir werden bald die Entdeckung des ersten Exomonds erleben!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/efa5a7a2f8fd42f589b322d7c5ad5081\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben schon \u00fcber 700 extrasolare Planeten entdeckt. Wir kennen schon 32 Tr\u00fcmmerscheiben um andere Sterne die uns sagen, dass es dort Asteroiden geben muss. Wir kennen Systeme mit vielen Planeten, wir kennen Systeme mit Tr\u00fcmmerscheiben, d.h. Asteroiden, und Planeten. Das, was wir im All finden, \u00e4hnelt immer mehr unserem eigenen Sonnensystem. Eines aber fehlt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5490,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[18,2116,3704,4831,320,4888,394,6574,6748,8142,476,158,13721,281,15781],"class_list":["post-20112","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-naturwissenschaften","tag-astronomie","tag-auserirdisches-leben","tag-david-kipping","tag-exomond","tag-exoplanet","tag-extrasolarer-mond","tag-extrasolarer-planet","tag-hek","tag-himmelsbeobachtung","tag-kepler","tag-klima","tag-mond","tag-stabilitat","tag-suche","tag-weltraumteleskop"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20112","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20112"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20112\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20113,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20112\/revisions\/20113"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5490"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20112"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20112"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}