{"id":20098,"date":"2012-01-04T09:40:27","date_gmt":"2012-01-04T08:40:27","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/01\/04\/der-sonne-entgegen-happy-perihel\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:08","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:08","slug":"der-sonne-entgegen-happy-perihel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/01\/04\/der-sonne-entgegen-happy-perihel\/","title":{"rendered":"Der Sonne entgegen: Happy Perihel!"},"content":{"rendered":"<p>Sollte jemand es aus Versehen verpasst haben, Silvester zu feiern: Keine Angst! Heute Nacht gibt es noch einen Grund f\u00fcr eine Party. Am 5. Januar 2012 um circa 2 Uhr morgens erreicht die Erde ihr j\u00e4hrliches Perihel. Also den sonnenn\u00e4chsten Punkt ihrer Bahn.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWie, der sonnenn\u00e4chste Punkt mitten im Winter? Ja genau. Denn der Abstand zwischen Erde und Sonne hat nichts mit den Jahreszeiten zu tun. Das merkt man ja auch daran, dass auf der S\u00fcdhalbkugel derzeit Hochsommer herrscht. Die Bahn der Erde ist fast exakt kreisf\u00f6rmig. Es macht keinen wirklich gro\u00dfen Unterschied, ob sie sich im sonnenn\u00e4chsten oder sonnenfernsten Punkt befindet.<\/p>\n<p>Heute Nacht wird die Erde 147098291 Kilometer von der Sonne entfernt sein. Am 5 Juli, wenn sie im Aphel steht, also dem sonnenfernsten Punkt, sind es 152098233 Kilometer. Ok, das sind fast 5 Millionen Kilometer Unterschied. Im Vergleich zu den 150 Millionen Kilometer, die die Erde im Durchschnitt von der Sonne entfernt ist, spielen diese 5 Millionen Kilometer aber keine gro\u00dfe Rolle. Im <a href=\"https:\/\/sdoisgo.blogspot.com\/2012\/01\/happy-perihelion.html\">Blog des Solar Dynamics Observatory (SDO)<\/a> hat man das auch grafisch sch\u00f6n dargestellt:<\/p>\n<form mt:asset-id=\"28842\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-0cbc44d1b68e84d165af08f2754a3274-SDOperihel.png\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-0cbc44d1b68e84d165af08f2754a3274-SDOperihel.png','popup','width=1600,height=800,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-878d7c64c64016b9adb773097e8e710b-SDOperihel-thumb-500x250-1.png\" alt=\"i-878d7c64c64016b9adb773097e8e710b-SDOperihel-thumb-500x250.png\" \/><\/a><\/form>\n<p>Links sehen wir die Sonne, wie sie von SDO am 5 Juli 2011 (da war sie das letzte Mal beim sonnenfernsten Punkt) gesehen hat. Die rechte Aufnahme stammt vom 3. Januar 2012 &#8211; also kurz vor dem kommenden Perihel. Der Unterschied ist nicht wirklich gewaltig gro\u00df &#8211; beachtet die blauen Linien oben und unten.<\/p>\n<p>Das wir unser Perihel im (Nordhalbkugel)Winter feiern, ist Zufall. Auf langen Zeitskalen betrachtet ver\u00e4ndert sich der Termin von Perihel bzw. Aphel. Man bezeichnet das als als &#8222;Apsidendrehung&#8220;. Das bedeutet, dass die <i>Apsidenlinie<\/i>, also die Linie die Perihel und Aphel verbindet, sich im Laufe der Zeit dreht. Das sieht dann z.B. so aus:<\/p>\n<form mt:asset-id=\"28848\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-11273c7f3b130c2ebe838084087615a1-1000px-Drehung_der_Apsidenlinie.svg.png\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-11273c7f3b130c2ebe838084087615a1-1000px-Drehung_der_Apsidenlinie.svg.png','popup','width=1000,height=1000,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-9e27745a350c672de92fa33a8920b22f-1000px-Drehung_der_Apsidenlinie.svg-thumb-500x500-1.png\" alt=\"i-9e27745a350c672de92fa33a8920b22f-1000px-Drehung_der_Apsidenlinie.svg-thumb-500x500.png\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Drehung_der_Apsidenlinie.svg&#038;filetimestamp=20110310071655\">Bild<\/a>: <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\">CC 1.0, gemeinfrei<\/a><\/small><\/em><\/div>\n<p>Der Effekt ist hier nur schematisch und \u00fcbertrieben dargstellt. So stark ist die Apsidendrehung bei keinem Planeten in unserem Sonnensystem ausgepr\u00e4gt. Aber man erkennt sch\u00f6n, wie sich der Punkt des Perihels (blau) um die Sonne bewegt. So eine Perihelbewegung war bei einer der gr\u00f6\u00dften wissenschaftlichen Entdeckungen des letzten Jahrhunderts beteiligt. Bei Merkur konnte man mit dem Newtonschen Gravitationsgesetz die Periheldrehung einfach nicht korrekt beschreiben. Sein Perihel drehte sich schneller, als es laut Gravitationsgesetz zu erwarten war. Angeregt durch die <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/07\/happy-birthday-neptun-die-geschichte-des-einzig-wahren-planet-x.php\">grandiose Entdeckung des Planeten Neptun<\/a>, dem man durch Abweichungen in der Bewegung des Uranus auf die Spur kam, vermuteten die Wissenschaftler in der zweiten H\u00e4lte des 19. Jahrhunderts, dass auch innerhalb der Merkurbahn noch ein unbekannter Planet stecken k\u00f6nnte. Der wurde provisorisch <i>Vulkan<\/i> getauft und unter F\u00fchrung des gro\u00dfen Urbain Le Verrier der schon bei Neptun triumphierte, machte man sich auf, Vulkan zu finden. Das war knifflig, denn so nahe an der Sonne l\u00e4sst sich schlecht beobachten. Man kann auch nicht warten, bis die Sonne untergegangen ist. Da Vulkan sich immer in der N\u00e4he der Sonne befinden musste, w\u00e4re er mit ihr untergegangen. Daher versuchte man einerseits, einen Transit von Vulkan zu beobachten. Man wollte also sehen, wie der Planet von der Erde aus gesehen vor der Sonnenscheibe vor\u00fcber zog. Einer, der sich auf genau diese Suche machte, war \u00fcbrigens Samuel Heinrich Schwabe. Vulkan fand er nicht, daf\u00fcr entdeckte er bei seiner kontinuierlichen Sonnenbeobachtung aber den 11j\u00e4hrigen Sonnenfleckenzyklus. Neben den Transitbeobachtungen nutzte man auch Sonnenfinsternisse, um Vulkan zu finden. Aber auch hier blieben die Astronomen erfolglos. Erst 1915 konnte das R\u00e4tsel gel\u00f6st werden. Kein unbekannter Planet verursachte die zu schnelle Periheldrehung des Merkur. Man verwendete die falsche Formel, um die auf ihn wirkende Gravitationskraft zu berechnen! Erst als Albert Einsteins Allgemeine Relativit\u00e4tstheorie konnte die Periheldrehung korrekt berechnen, alle Abweichungen zwischen Theorie und Beobachtung verschwanden. (Die ganze Geschichte der Suche nach Vulkan kann man \u00fcbrigens im hervorragenden Buch &#8222;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/0738208892\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=astrodisimple-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=0738208892\">In Search of Planet Vulcan: The Ghost in Newton&#8217;s Clockwork Universe<\/a>&#8220; nachlesen).<\/p>\n<p>Also! Wenn ihr vom Wochenende noch ein paar Flaschen Sekt \u00fcbrig habt, dann lasst uns heute Nacht auf das Perihel ansto\u00dfen! Prosit Perihel! \ud83d\ude09<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/8ec7e9d7d7174e55b200b61d031eb7b2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sollte jemand es aus Versehen verpasst haben, Silvester zu feiern: Keine Angst! Heute Nacht gibt es noch einen Grund f\u00fcr eine Party. Am 5. Januar 2012 um circa 2 Uhr morgens erreicht die Erde ihr j\u00e4hrliches Perihel. 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