{"id":19373,"date":"2010-05-17T20:03:37","date_gmt":"2010-05-17T18:03:37","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2010\/05\/17\/gwupkonferenz-2010-warum-menschen-unfug-glauben-tag-3\/"},"modified":"2025-05-14T16:04:55","modified_gmt":"2025-05-14T14:04:55","slug":"gwupkonferenz-2010-warum-menschen-unfug-glauben-tag-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2010\/05\/17\/gwupkonferenz-2010-warum-menschen-unfug-glauben-tag-3\/","title":{"rendered":"GWUP-Konferenz 2010 &#8211; Warum Menschen Unfug glauben (Tag 3)"},"content":{"rendered":"<p>Mit ein wenig Versp\u00e4tung kommt hier noch der Bericht vom letzten Tag der GWUP Konferenz in Essen (<a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/05\/gwupkonferenz-2010-warum-menschen-unfug-glauben-tag-1.php\">Tag 1<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/05\/gwupkonferenz-2010-warum-menschen-unfug-glauben-tag-2.php\">Tag 2<\/a> wurden ja schon zusammengefasst). Nochmal vielen dank an <i>Lorenz Meyer<\/i>, den Gastautor dieser Berichte.<\/p>\n<hr>\n<p><!--more--><br \/>\nDer dritte Tag der in Essen stattfindenden 20. GWUP-Konferenz &#8222;Warum Menschen an Unfug glauben&#8220; startet um 9.15 Uhr mit einem Vortrag von Prof. Dr. Martin Lambeck \u00fcber &#8222;Die Komplement\u00e4rmedizin an der Universit\u00e4t Frankfurt\/Oder &#8211; Eine Revolution der Wissenschaften?&#8220;. <\/p>\n<form mt:asset-id=\"16467\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-033394bbceb42439ebf758cf02af1ea5-Foto01.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-033394bbceb42439ebf758cf02af1ea5-Foto01.jpg','popup','width=800,height=600,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-2184237e4860255481fc179c20c9ace0-Foto01-thumb-500x375-1.jpg\" alt=\"i-2184237e4860255481fc179c20c9ace0-Foto01-thumb-500x375.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<p>Der 1934 geborene Referent  ist seit 1970 Professor f\u00fcr Physik TU Berlin. Zu seinen Schwerpunkten z\u00e4hlen Optik, Magnetismus, Werkstoffpr\u00fcfung und Physikdidaktik. Er ist Mitglied im Wissenschaftsrat der GWUP und Autor des Buches &#8222;Irrt die Physik? \u00dcber alternative Medizin und Esoterik&#8220; (C.H.Beck).<\/p>\n<p>Hier der Abstract aus den Konferenzunterlagen:<\/p>\n<blockquote><p>In Frankfurt\/Oder gibt es die Europa-Universit\u00e4t \u201eViadrina&#8220; (lat: \u201eAn der Oder gelegen&#8220;). Unter der Pr\u00e4sidentschaft von Prof. Dr. Gesine Schwan wurde im Jahre 2008 das \u201eInstitut f\u00fcr transkulturelle Gesundheitswissenschaften&#8220; (IntraG) gegr\u00fcndet und unter der Pr\u00e4sidentschaft des Nachfolgers, Dr. Gunter Pleuger, erweitert. Dieses bietet einen 4-semestrigen Masterstudiengang \u201eKomplement\u00e4re Medizin &#8211; Kulturwissenschaften &#8211; Heilkunde&#8220; zur Erlangung des Grades \u201eMaster of Arts (M.A.)&#8220; an. Eine anschlie\u00dfende Promotion zum Dr. phil. ist m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Viadrina hat keine medizinische Fakult\u00e4t. F\u00fcr den medizinischen Teil des IntraG ist die Internationale Gesellschaft f\u00fcr biologische Medizin verantwortlich. Das Pflichtmodul \u201eBiologische Medizin&#8220; wurde vom Partnerinstitut, dem WHO &#8211; Zentrum f\u00fcr traditionelle Medizin an der Universit\u00e4t Mailand, zertifziert. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Leiter des IntraG ist ab dem 1. Januar 2010 Prof. Dr. Dr. Harald Walach, Professur f\u00fcr Forschungsmethodik komplement\u00e4rer Medizin und Heilkunde an der Kulturwissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Viadrina. Die Aussagen leitender Personen des IntraG werden vorgestellt.<\/p><\/blockquote>\n<p>In der Einleitung erkl\u00e4rt Prof. Lambeck das vermeintliche Wirkprinzip der Hom\u00f6opathie und f\u00fchrt mittels einiger Beispiele die absurden Folgen der Verd\u00fcnnungen an.<\/p>\n<p>Im Hauptteil des Vortrags geht er auf die IntraG ein, das &#8222;Institut f\u00fcr transkulturelle Gesundheitswissenschaften&#8220;, welches den Masterstudiengang &#8222;Komplement\u00e4rmedizin&#8220; anbietet.<\/p>\n<p>In einem Schwindel erregenden Parforceritt jagt der Referent durch unz\u00e4hlige Webseiten der einflussreichen Hom\u00f6opathiebef\u00fcrworter und zeigt die Strukturen des Lobby- und Entscheidernetzwerks auf. Es wird klar wie m\u00e4chtig die Hom\u00f6opathielobby geworden ist, die es in Deutschland bis hinauf in h\u00f6chste \u00c4rztegremien geschafft hat.<\/p>\n<p>Der Referent verliest anthroposophische Zitate aus Rudolf Steiners Werk, die nicht nur unsinnig, sondern nachgerade absurd klingen. Doch auch die Jetztzeit h\u00e4lt derlei Seltsamkeiten bereit wie mit einem Textbeispiel aus den sogenannten Weleda-Nachrichten (ein Hersteller &#8222;anthroposophischer Arzneimittel&#8220;) \u00fcber das 60-min\u00fctige R\u00fchren demonstriert wird.<\/p>\n<p>Zur Ermittlung der sogenannten Arzneimittelbilder in der Hom\u00f6opathie seien Arzneimittelpr\u00fcfungen notwendig. Wie diese vonstatten gehen zeigt der Referent beispielhaft anhand einer Arzneimittelpr\u00fcfung, die von Frau Dr. Keim auf der Insel Kos zum Stoff Marmor durchgef\u00fchrt wurde. Wer sich informieren will wie derartige &#8222;Pr\u00fcfungen&#8220; ablaufen, sei auf <a href=\"https:\/\/www.homotox.de\/cms\/docs\/doc28825.pdf\">https:\/\/www.homotox.de\/cms\/docs\/doc28825.pdf<\/a> verwiesen. Bereits die ersten S\u00e4tze der &#8222;Arzneimittelpr\u00fcfung&#8220; lassen tief blicken:<\/p>\n<blockquote><p>Die Pr\u00fcfung wurde w\u00e4hrend einer Supervisionswoche zur Erlangung der Zusatzbezeichnung Hom\u00f6opathie im Mai 2007 auf der griechischen Insel Kos durchgef\u00fchrt. Hierzu suchte ich eine Pr\u00fcfungssubstanz, die sich positiv in die Gruppendynamik einer Supervision einf\u00fcgt und auf der symbolischen Ebene eine Beziehung zu Griechenland und Kos hat.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein weiteres Themenfeld sind die rein psychologischen Ph\u00e4nomene, die neuerdings mit der schwachen Quantenmechanik begr\u00fcndet werden und mittels obskurer Artikel verbreitet werden.<\/p>\n<p>Zum Schluss verliest Prof. Lambeck eine nicht enden wollende Liste mit 75 derzeit aktuellen komplement\u00e4rmedizinischen und esoterischen Behauptungen. Er endet mit der sarkastischen Frage, warum wir das LHC ben\u00f6tigen w\u00fcrden, wenn hier doch 75 Nobelpreise quasi zur Abholung bereit l\u00e4gen. Mit den Worten &#8222;Annette Schavan, \u00fcbernehmen Sie!&#8220;, endet der mit einer Vielzahl von interessanten Informationen gespickte Vortrag.<\/p>\n<p>Der anschlie\u00dfende Vortrag tr\u00e4gt den Titel &#8222;Bruno Gr\u00f6ning &#8211; Kurzschluss im Heilstrom&#8220; und wird von Dr. med. Benedikt Matenaer gehalten, einem An\u00e4sthesist mit den Schwerpunkten Palliativmedizin und Spezielle Schmerztherapie.<\/p>\n<p>In der Nachkriegszeit wandten sich unz\u00e4hlige Patienten an den Geistheiler Bruno Gr\u00f6ning, der Linderung und Heilung mittels &#8222;Heilstrom&#8220; versprach und sich als Mittler zwischen Gott und den Menschen verstand.<br \/>\nNoch heute wird der Heilstrom des 1959 verstorbenen Bruno Gr\u00f6ning vom sogenannten \u201eBruno-Gr\u00f6ning-Freundeskreis&#8220; propagiert und vermarktet.<\/p>\n<p>Zu Beginn seines Vortrages erl\u00e4utert der Referent den Zustand des angeschlagenen Gesundheitswesen der Nachkriegszeit und erkl\u00e4rt wie es m\u00f6glich wurde, dass der Geistheiler damals so beliebt bei seinen Anh\u00e4ngern war. <\/p>\n<p>Wichtige biograpische Daten des Wunderheilers Gr\u00f6ning in Stichworten:<\/p>\n<ul>\n<li>1906: geboren in Oliva\/Danzig<\/li>\n<li>1949: &#8222;Heilung&#8220; von Dieter H\u00fclsmann Danach Gewinnung erster Hilfskr\u00e4fte \/ Familie H\u00fclsmann als Sponsor. Erste gr\u00f6\u00dfere Ansammlungen. Anwendung der Staniolkugeln. Auftrittsverbot NRW<\/li>\n<li>1954: Auftrittsverbot bundesweit<\/li>\n<li>1958: Geldstrafe und Strafe auf Bew\u00e4hrung<\/li>\n<li>1959: Tod (Todestag sp\u00e4ter gefeiert als &#8222;Heimgangstag&#8220;)<\/li>\n<li>1979: Gr\u00fcndung des Bruno-Gr\u00f6ning-Freundeskreis <\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Referent habe selber einige Informationsveranstaltungen des Bruno-G\u00f6ring-Freundeskreises besucht und daher Informationen aus erster Hand.<\/p>\n<p>Voraussetzungen f\u00fcr die Aufnahme des Heilstroms seien demnach:<\/p>\n<ul>\n<li>Anwendung zwischen 9.99 und 21.00 Uhr<\/li>\n<li>Korrekte Sitzposition (&#8222;R\u00fcckenlehne hat Freigang&#8220;)<\/li>\n<li>Positive Grundeinstellung<\/li>\n<li>Bereitschaft zur Heilung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Veranstaltungen h\u00e4tten den Tenor, bei der Heilstromanwendung hielte es sich um eine wissenschaftliche und seri\u00f6se Behandlungsmethode. Es w\u00fcrde mit einer Einstimmung begonnen werden, der sogenannten &#8222;Einstellung&#8220; und die Lehre des Heilstroms erkl\u00e4rt. Diese besteht darin, dass man von Heilwellen umgeben sei, die man aufnehmen k\u00f6nne. Danach folgten teilweise gef\u00fchlvoll vorgetragene Heilungsberichte. Zum Schluss der Veranstaltung erfolge eine weitere &#8222;Einstellung&#8220;, und es werde das Feedback der Besucher abgefragt.<\/p>\n<p>Der gef\u00fchlte Erfolg der &#8222;Heilstrom-Behandlung&#8220; sei nach Meinung des Referenten auf verschiedene Faktoren zur\u00fcck zu f\u00fchren:<\/p>\n<ul>\n<li>Teilnahme an etwas Besonderem<\/li>\n<li>Mitf\u00fchlen \/ pers\u00f6nliche Ansprache<\/li>\n<li>Raum f\u00fcr Lappalien<\/li>\n<li>Gemeinschaft bzw. Gemeinschaftsgef\u00fchl<\/li>\n<li>Einfache &#8222;Spache des Volkes&#8220;\/Sprache der Leidenden\/Barmherzigkeit<\/li>\n<\/ul>\n<p>Desweiteren sieht er einige Parallelen zu anderen Bereichen. So kenne man wie in der Hom\u00f6opathie eine Erstverschlimmerung (beim Heilstrom &#8222;Regelungsschmerz&#8220; genannt), kenne wie beim Reiki Fernbehandlungen und w\u00fcrde sich wie Rotarier mit &#8222;Freund&#8220; ansprechen.<\/p>\n<p>Anhand einer Grafik zeigt Dr. Matenaer schlie\u00dflich noch das un\u00fcbersichtliche Geflecht von Firmen, Privatpersonen und Organisationen, die mit der Heilstromvermarktung befasst sind.<\/p>\n<p>Als Letztes geht der Referent auf die zu Beginn des Vortrages gestellte Frage zur\u00fcck, ob es sich bei Bruno Gr\u00f6ning um einen Scharlatan oder Psychopathen handeln w\u00fcrde. Er beantwortet diese Frage schmunzelnd mit seiner Einsch\u00e4tzung, Gr\u00f6ning sei wahrscheinlich ein &#8222;Scharlopath&#8220; gewesen.<\/p>\n<p>Der um 11.30 Uhr startende Vortrag ist eine Gemeinschaftsarbeit von Philippe Leick und Malte Ruhnke und tr\u00e4gt den Titel &#8222;Hifi-Tuning: Physik oder Esoterik?&#8220;<\/p>\n<p>Die Zusammenfassung in den Konferenzunterlagen gibt den Inhalt des informativen und unterhaltsamen Vortrages recht gut wieder:<\/p>\n<blockquote><p>Vielen Menschen ist Musik extrem wichtig. Bei ambitionierten Hifi-Freunden kommt es aber nicht nur auf die Musik an, sondern auch auf die Art ihrer Wiedergabe: Eine Anlage, die jeden Ton m\u00f6glichst originalgetreu nachbildet, perfekt zur Akustik des Raumes passt und dazu noch die individuelle Haltung ihres Besitzers reflektiert, geh\u00f6rt in der Szene zum guten Ton. Ein Paar Lautsprecher f\u00fcr 10.000 Euro, einen Verst\u00e4rker f\u00fcr 5000, ein Kabel f\u00fcr 1000 Euro &#8211; solche Anschaffungen gelten unter denen, die sich selbst als \u201eHigh Ender&#8220; bezeich\u00acnen, als normal. Und tats\u00e4chlich gibt es gerade bei den Audio-Komponenten, bei denen eine elektroakustische Wandlung stattfindet, etwa Lautsprecher, Tonabnehmer und Mikrofon, gro\u00dfe Klangunterschiede, die auch aus Sicht professioneller Anwender solche Investitionen rechtfertigen. Tatsache ist auch, dass bei diesen Ger\u00e4tschaften geringe \u00c4nderungen an der Aufstellung und Einstellung f\u00fcr den ge\u00fcbten H\u00f6rer bedeutende Klangunterschiede hervorrufen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Hifi-Hobbyisten bezeichnen das als \u201eTuning&#8220;, als Feineinstellung. Doch liest man unter ebenjenem Stichwort auch immer wieder von Tipps und Tricks, die auf den technisch vorgebildeten Menschen wie Esoterik wirken und nicht selten Anlass zu Spott \u00fcber die gesamte Hifi-Szene geben: CDs sollten vor dem H\u00f6ren entmagnetisiert und am Rande bemalt wer\u00acden, die Kabel einer Hifi-Anlage werde mit speziellen F\u00fc\u00dfchen vom Boden entkoppelt, ja sogar die Aufstellung einer der Komponenten nach Feng-Shui-Regeln wurde schon empfohlen. Doch wo ist die Grenze zwischen physikalisch nachvollziehbarer Optimierung und Hokuspokus? <\/p>\n<p>Das menschliche Geh\u00f6r ist dabei keine verl\u00e4ssliche Hilfe, denn das Musikh\u00f6ren ist ein subjektives Erlebnis, und manche der proklamierten Fortschritte bewegen sich im Grenzbereich der Wahrnehmung. Oder sind schlicht nicht vorhanden, und der H\u00f6rer glaubt aufgrund der Erwartungshaltung dennoch, einen deutlichen Unterschied vernommen zu haben. Eine Haltung, die in aufw\u00e4ndig durchgef\u00fchrten Blindtests meist zu gro\u00dfer Ern\u00fcchterung f\u00fchrt, denn der Mensch, auch der skeptisch denkende, kann im H\u00f6rtest meist weniger klar zuordnen, als er zu h\u00f6ren glaubt. Dieses Spannungsfeld aus realen Verbesserungsm\u00f6glichkeiten und subjektiver Fixierung auf allerkleinste Klangunterschiede hat zu einer Szene gef\u00fchrt, in der neben sinnvollem Zubeh\u00f6r auch nutzlose Accessoires zu horrenden Preisen ver- und gekauft werden. Das Spektrum reicht dabei von technisch nachvollziehbarer, lediglich \u00fcberdimensionierter Technologie \u00fcber Ger\u00e4tschaften zur L\u00f6sung nicht vorhandener technischer Probleme bis hin zu echter Esoterik.<\/p>\n<p>In diesem Beitrag sollen anhand einiger Beispiele illustriert werden, wie schwer es Hifi-Freunden mitunter gemacht wird, zwischen Physik und Esoterik zu unterscheiden, und wie flie\u00dfend die Grenzen dabei sind. Ein Extremfall &#8211; \u201einformierte&#8220; Linsen aus schwarzem Glas, die an strategischer Stelle im Raum platziert werden m\u00fcssen, um das H\u00f6rerlebnis von allerlei St\u00f6rungen zu befreien &#8211; wird einerseits zeigen, wie wenig manche Tuning-Ma\u00dfnahmen noch mit funktionierender Technik zu tun haben, wie vielmehr ein eigenes \u00dcberzeugungssystem sich auch bei einem scheinbar so technisch-n\u00fcchternen Hobby ausbreiten kann. Andererseits wird er aber auch Einblicke in das \u201eFunktionieren&#8220; der Szene geben und zeigen, wie aufw\u00e4ndig es ist, anhand eines objektiven, doppelblinden H\u00f6rtests zweifelsfrei zu zeigen, ob eine bestimmte Ma\u00dfnahme tats\u00e4chlich zu wahrnehmbaren Klangunterschieden f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Dr.-Ing. Philippe Leick studierte Physik und Maschinenbau, arbeitet in der industriellen Forschung und befasst sich dabei vor allem mit Str\u00f6mungsmechanik und optischer Messtechnik. Schwerpunkte innerhalb der GWUP sind pseudowissenschaftliche Theorien, die sich auf die moderne Physik, insbesondere die Quantenmechanik, berufen.<\/p>\n<p>Malte Ruhnke studierte Betriebswirtschaftslehre und Medientechnik. Er arbeitet als Fachredakteur bei einem Verlag f\u00fcr Technik-Zeitschriften und betreut vor allem die Ressorts Lautsprechertechnik und Raumakustik. Dabei hat er sich auch insbesondere mit H\u00f6rtests und deren Methodik besch\u00e4ftigt.<\/p><\/blockquote>\n<form mt:asset-id=\"16470\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-e802605698bf3b5a6042d4031e3bb47c-Foto02.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-e802605698bf3b5a6042d4031e3bb47c-Foto02.jpg','popup','width=800,height=600,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-cd3f3a60155c62247f4ed8ddf116341c-Foto02-thumb-500x375-1.jpg\" alt=\"i-cd3f3a60155c62247f4ed8ddf116341c-Foto02-thumb-500x375.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<p>Ein weiteres Highlight der GWUP-Konferenz schlie\u00dft sich um 14.15 Uhr mit dem Vortrag von Prof. Uwe Kanning &#8222;Sch\u00e4deldeutung &#038; Co.: Absurde Methoden der Psychodiagnostik&#8220; an.<\/p>\n<blockquote><p>Die Annahme, man k\u00f6nne in der Sch\u00e4delform und den Geschichtsz\u00fcgen eines Menschen etwas \u00fcber dessen Pers\u00f6nlichkeit, seine unverf\u00e4lschte Natur oder gar die individuelle Bestimmung ablesen, ist Jahrhunderte alt. Seit dem zweiten Weltkrieg spielte sie jedoch &#8211; zumindest in Deutschland &#8211; keine nennenswerte Rolle mehr. In den letzten Jahren hat sich dies v\u00f6llig ver\u00e4ndert. Mehrere Buchpublikationen preisen den angeblichen Erkenntnisgewinn der Sch\u00e4deldeutung. Unternehmensberatungen vertreiben sie zum Zwecke der Personalauswahl. Weiterbildungsangebote schie\u00dfen wie Pilze aus dem Boden und immer h\u00e4ufiger wird in den Medien v\u00f6llig kritiklos berichtet.<\/p>\n<p>Der Vortrag beleuchtet zun\u00e4chst die zentralen Aussagen der Psycho-Physiognomik und ihre fehlende empirische Bew\u00e4hrung. Anschie\u00dfende geht es um die Analyse der Vermarktungsstrategien und schlie\u00dflich um die psychologischen Prozesse, die daf\u00fcr sorgen, dass sich v\u00f6llig absurde Methoden wider alle Vernunft behaupten.<br \/>\nProf. Dr. Uwe Peter Kanning, Jahrgang 1966, Dipl.-Psych., Professor f\u00fcr Wirtschaftspsychologie an der Fachhochschule Osnabr\u00fcck. Autor von mehr als einem Dutzend Fachb\u00fcchern, darunter: \u201eVon Sch\u00e4deldeutern und anderen Scharlatanen &#8211; Unseri\u00f6se Methoden der Psychodiagnostik&#8220; 2010, Lengerich.<\/p><\/blockquote>\n<p>Prof. Kanning hat seinen Vortrag in f\u00fcnf Abschnitte unterteilt:<br \/>\n1.) Psycho-Physiognomie<br \/>\n2.) Graphologie<br \/>\n3.) Namenspsychologie<br \/>\n4.) Marketing<br \/>\n5.) Dreizehn Regeln f\u00fcr angehende Scharlatane<\/p>\n<p>1.) Psycho-Physiognomie<\/p>\n<p>Dieses Gebiet l\u00e4sst sich zur\u00fcckverfolgen bis in die Zeit von Aristoteles. Schon in fr\u00fchester Zeit hat man Tier- und Menschengesichter verglichen. Joahann Lavater (1741-1801) hat ein vierb\u00e4ndiges Werk zur Deutung der Physiognomie verfasst. Franz-Joseph Gall (1758-1828) hat sich mit Deutungen von Sch\u00e4delformen besch\u00e4ftigt und gilt als Begr\u00fcnder der &#8222;Phrenologie&#8220;. Cesare Lambroso (1836-1909) hat sich mit der Analyse von Verbrehergesichtern besch\u00e4ftigt und Car Huter (1861-1912) ist der prominente Begr\u00fcnder der Psycho-Physiognomie.<\/p>\n<p>Zeitgen\u00f6ssische Sch\u00e4deldeuter sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Wilma Castrian<\/li>\n<li>Dirk Schneemann<\/li>\n<li>Stefanie Dedenbach vom &#8222;Institut f\u00fcr erlernbare Menschenkenntnis&#8220;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eink\u00fcnfte erzielt man mit Vortr\u00e4gen und Beratungen zu Personalauswahl, Mitarbeiterf\u00fchrung, Kundengespr\u00e4chen, Selbsterkenntnis\/Selbstverwirklichung\/Selbstanalyse sowie Erziehungs- und Bildungsberatung (Preise schwanken zwischen 270 \u20ac und 2.800 \u20ac).<\/p>\n<p>2.) Graphologie<\/p>\n<p>Der Referent zeigt nach einem kurzen historischen R\u00fcckblich zun\u00e4chst Schriftbeispiele aus den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts und erl\u00e4utert die Interpretation der Schriftdeuter mittels Ober-, Mittel- und Unterlinie.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Oberlinie repr\u00e4sentiert Werte wie Intellekt, Vision, Transzendenz, Religion<\/li>\n<li>Die Mittellinie steht f\u00fcr Herz und Seele<\/li>\n<li>Die Unterlinie symbolisiert Unbewusstes<\/li>\n<\/ul>\n<p>Rechtsgeneigte Schrift deute &#8211; vereinfach gesagt &#8211; auf eine extrovertierte Natur. Linksgeneigte Schrift auf eine Pers\u00f6nlichkeit, die von Zur\u00fcckhaltung, Lebensangst und Selbstbeherrschung gepr\u00e4gte Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p>Auch die Verteilung der Schrift auf dem Blatt spielt eine Rolle und wird interpretiert.<\/p>\n<p>Zeitgen\u00f6ssische Graphologen seien u.a. Helmut Ploog und Olivier Netter, die vor allen Dingen Hilfe bei der Personalauswahl, Erziehungs- und Bildungsberatung, Psychotherapie und Partnerschaftsberatung anbieten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Ca. 2-3 % der deutschen Gro\u00dfunternehmen w\u00fcrden auch heute noch die Dienste der Graphologen in Anspruch nehmen.<\/p>\n<p>Wer sich weiter f\u00fcr dieses Thema interesiert, sei auf die Meta-Analyse von Neter und Ben Shakar (89) verwiesen.<\/p>\n<p>3.) Namenspsychologie<\/p>\n<p>Die Erfinderin der Namenspsychologie ist Angelika Hoefler, die sich das System vor etwa 20 Jahren ausgedacht hat.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p> Menschen mit denselben Namen haben dieselben Anlagen. Punkt.Etwa so als w\u00e4ren sie zu derselben Zeit geboren. A. Hoefler 2004, S. 61<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Name verrate demnach nahezu alles \u00fcber den Menschen, man m\u00fcsse ihn nur mit den entsprechenden Buchstabellentabellen interpretieren.<\/p>\n<p>Die Vermarktung findet statt \u00fcber Angebote zur Personalauswahl, Partnerschaftsberatung, Namensberatung bei Firmenfusionen und bei der Auswahl von Produkt- und Firmennamen.<\/p>\n<p>4.) Marketing<\/p>\n<p>Beim Marketin st\u00fctze man sich auf immer die gleichen Tricks. Man biete einfache, kosteng\u00fcnstige L\u00f6sungen f\u00fcr komplexe Probleme, verweise auf die lange Tradition und Alltagsweisheiten sowie das eigene Genie und die eigene Begabung. Man gebe sich den Anschein der Wissenschaftlichkeit und liefere Schein-Beweise wie Aussagen angeblich zufriedener Kunden.<\/p>\n<p>5.) Dreizehn Regeln f\u00fcr angehende Scharlatane (von denen mir leider nur 12 in Erinnerung geblieben sind)<\/p>\n<ul>\n<li>Befriedigen Sie ein weit verbreitetes Bed\u00fcrfnis.<\/li>\n<li>Bieten Sie einfache L\u00f6sungen.<\/li>\n<li>Bieten Sie eine reichhaltige Produktpalette.<\/li>\n<li>Gaukeln Sie eine besondere Begabung vor.<\/li>\n<li>Stellen Sie sich als selbstloser Heilsbringer dar.<\/li>\n<li>Geben Sie sich den Anschein der Wissenschaftlichkeit.<\/li>\n<li>Liefern Sie Scheinbeweise.<\/li>\n<li>Meiden Sie wissenschaftliche \u00dcberpr\u00fcfungen.<\/li>\n<li>Betonen Sie den \u00f6konomischen Nutzen.<\/li>\n<li>Verweisen Sie auf zufriedene Kunden.<\/li>\n<li>Gehen Sie in die Medien.<\/li>\n<li>Grenzen Sie sich direkt von den Scharlatanen ab.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um 15.15 Uhr schlie\u00dft sich der Vortrag von Klaus Schmeh &#8222;Von Kryptos bis zum Da-Vinci-Code. Fiktion und Wahrheit in den Romanen von Dan Brown&#8220; an, den ich leider aus Zeitgr\u00fcnden nicht mehr besuchen konnte. Weil das Thema jedoch spannend ist, kommt hier die Zusammenfassung aus den Konferenzunterlagen:<\/p>\n<blockquote><p>Sind im Gem\u00e4lde &#8222;Das Abendmahl&#8220; von Leonardo da Vinci geheime Nachrichten versteckt? K\u00f6nnten diese sogar die Katholische Kirche in ihren Grundfesten ersch\u00fcttern? Kunsthistoriker winken bei diesem so genannten Da-Vinci-Code ab, denn er beruht mehr auf Spekulationen als auf Fakten. Der Bestsellerautor Dan Brown verwertete diese Theorie jedoch literarisch und feierte mit seinem Roman &#8222;The Da Vinci Code&#8220; einen Welterfolg.<\/p>\n<p>Auch sonst kann Dan Brown eine Vorliebe f\u00fcr das Parawissenschaftliche nicht verleugnen. Seine Protagonisten wiegen die menschliche Seele, besch\u00e4ftigen sich mit dem angeblichen Weltuntergangstag im Maya-Kalender und w\u00fchlen in wilden Verschw\u00f6rungstheorien. Organisationen wie die Freimaurer, die Templer, die Bruderschaft vom Berg Zion oder Opus Dei sorgen f\u00fcr allerlei R\u00e4tsel und Geheimnisse, deren Wahrheitsgehalt nicht allzu hoch sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Nun kann man nat\u00fcrlich einwenden, es gehe hier nur um die Inhalte von Romanen, und diese d\u00fcrfen auch erfunden sein. Allerdings behauptete Dan Brown mehrfach \u00f6ffentlich, dass seine Themen keinen Hirngespinste sind, sondern gr\u00f6\u00dftenteils der Realit\u00e4t entsprechen. Nicht zuletzt auf Grund dieser Aussagen f\u00fchrten die B\u00fccher von Dan Brown schon mehrfach dazu, dass parawissenschaftliche Theorien (beispielsweise der Da-Vinci-Code) einen gro\u00dfen Popularit\u00e4tsschub erfuhren, obwohl es keine neuen Erkenntnisse gibt, die dies rechtfertigen.<\/p>\n<p>Es lohnt sich also, die wichtigsten parawissenschaftlichen Inhalte der Romane Dan Browns unter die Lupe zu nehmen und auf die jeweiligen Schwachstellen der diversen Theorien hinzuweisen. Dabei zeigt sich: Es spricht zwar nichts dagegen, die B\u00fccher von Dan Brown zu lesen, doch ein gesundes Ma\u00df an Skepsis im Hinterkopf kann sicherlich nicht schaden.<\/p>\n<p>Klaus Schmeh (Jahrgang 1970) ist Diplom-Informatiker und arbeitet als Verschl\u00fcsselungsexperte f\u00fcr einen Software-Hersteller in Gelsenkirchen. Er ist Autor mehrerer popul\u00e4rwissenschaftlicher B\u00fccher. Sein Buch &#8222;Versteckte Botschaften&#8220; (Dpunkt-Verlag 2008) behandelt die Geschichte der Steganografie, wobei auch der Da-Vinci-Code eine Rolle spielt. Seit 2003 leitet Klaus Schmeh die GWUP-Regionalgruppe Rhein-Ruhr. Seine Schwerpunkte innerhalb der GWUP sind das Voynich-Manuskript sowie parawissenschaftliche Codes.<\/p><\/blockquote>\n<p>Um 16.45 folgte laut Konferenzunterlagen ein Vortrag von Armadeo Sarma &#8222;Das Turiner Grabtuch &#8211; Der aktuelle Stand 2010) und das Schlusswort zur Konferenz.<\/p>\n<p>Fazit: Eine gelungene Themenauswahl, kompetente Referenten, ein gutes H\u00e4ndchen bei der Auswahl der Location,  ein reibungsloser Konferenzablauf und interessierte Besucher. Die <a href=\"https:\/\/www.gwup.org\">GWUP<\/a> wird sich schwer tun, dies bei der n\u00e4chstes Jahr in Wien stattfindenden Konferenz zu toppen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/flattr.com\/thing\/161986\/GWUP-Konferenz-2010-Warum-Menschen-Unfug-glauben-Tag-3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/api.flattr.com\/button\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this\" title=\"Flattr this\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/6e531875d8ff426582c4188a8ca45a90\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/6e531875d8ff426582c4188a8ca45a90\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit ein wenig Versp\u00e4tung kommt hier noch der Bericht vom letzten Tag der GWUP Konferenz in Essen (Tag 1 und Tag 2 wurden ja schon zusammengefasst). 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