{"id":19355,"date":"2010-05-23T08:00:57","date_gmt":"2010-05-23T06:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2010\/05\/23\/was-knallt-beim-urknall-inflation-und-expansion-im-universum\/"},"modified":"2025-05-14T16:04:51","modified_gmt":"2025-05-14T14:04:51","slug":"was-knallt-beim-urknall-inflation-und-expansion-im-universum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2010\/05\/23\/was-knallt-beim-urknall-inflation-und-expansion-im-universum\/","title":{"rendered":"Was knallt beim Urknall? Inflation und Expansion im Universum"},"content":{"rendered":"<form mt:asset-id=\"16127\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3442154871?ie=UTF8&amp;tag=astrodisimple-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3442154871\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-5f2605422f11efc193cddd477d9e9ee5-greenekosmos-thumb-50x73-1.jpg\" alt=\"i-5f2605422f11efc193cddd477d9e9ee5-greenekosmos-thumb-50x73.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<p><em>Das hier ist die Rezension eines<br \/>\nKapitels von &#8222;<a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/05\/der-stoff-aus-dem-der-kosmos-ist.php\">Der Stoff aus dem der Kosmos<br \/>\nist<\/a>&#8220; von <em>Brian Greene<\/em>. Links zu den Rezensionen der anderen Kapitel kann man <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/tag\/Der%20Stoff%20aus%20dem%20der%20Kosmos%20ist\">hier<\/a> finden.<\/p>\n<hr>\n<p><\/em><br \/>\n<br \/>\nIm <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/05\/grosse_vereinheitlichung_und_higgsfelder_im_vakuum_ist_jede_menge_los.php\">letzten Kapitel<\/a> hat Greene von der Zeit kurz nach dem Urknall erz\u00e4hlt, als die hohen Temperaturen das Higgs-Feld so stark fluktuieren lie\u00dfen dass all die unterschiedlichen Kr\u00e4fte und Teilchen, die wir heute sehen, identisch und vereinheitlicht waren. Aber der Urknall selbst ist immer noch ungekl\u00e4rt. Wir wissen zwar, dass das Universum sich ausdehnt &#8211; aber nicht warum. Immerhin ist die Gravitationskraft doch eine <i>anziehende<\/i> Kraft und sie hat damals das ganz fr\u00fche Universum dominiert. Wenn also die Gravitation daf\u00fcr sorgt, dass alles sich gegenseitig anzieht &#8211; woher kommt dann die Expansion? Was hat &#8222;geknallt&#8220; beim Urknall?<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p><font style=\"font-size: 1.25em;\"><b>Die kosmologische Konstante<\/b><\/font><\/p>\n<p>Wieder mal m\u00fcssen wir mit der Erkl\u00e4rung bei Albert Einstein anfangen. Er hat in seiner allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie erkl\u00e4rt, wie sich Raumzeit und Masse gegenseitig beeinflussen. Seine Theorie lieferte wunderbare und best\u00e4tigte Vorhersagen zur Bewegung des Merkur und zur Lichtablenkung durch die Sonne. Aber als Einstein sein Gleichungen auf das Universum in seiner Gesamtheit anwendete, geriet er in Schwierigkeiten. Denn die Gleichungen zeigten, dass das Universum entweder kontrahieren oder expandieren muss. Ein statisches Universum, dass immer die gleiche Gr\u00f6\u00dfe hat, war nicht m\u00f6glich. <\/p>\n<p>Damit war Einstein nicht zufrieden. Denn damals, Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zeigten die Beobachtungsdaten ein statisches Universum und auch Einstein war davon \u00fcberzeugt, dass es sich nicht \u00e4ndert. Also hat er seine Gleichungen abge\u00e4ndert. Er hat einen neuen Term eingef\u00fcgt &#8211; eine &#8222;kosmologische Konstante&#8220;, die im Prinzip wie eine absto\u00dfende Gravitationskraft wirkt. Wenn der Wert f\u00fcr diese Konstante richtig gew\u00e4hlt wird, dann kann diese neue Kraft der Gravitationskraft der Materie im Kosmos entgegenwirken und so die Expansion, die sich eigentlich aus den Gleichungen ergeben w\u00fcrde, aufhalten.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"16348\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-e139bb86a97b230e1304781755f59e39-feldgleichungen.png\" alt=\"i-e139bb86a97b230e1304781755f59e39-feldgleichungen.png\" \/><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Einsteins Feldgleichungen: mit &#8222;\u039b&#8220; wird die kosmologische Konstanten bezeichnet.<\/small><\/em><\/div>\n<p>H\u00e4tte Einstein doch nur seinen urspr\u00fcnglichen Gleichungen vertraut! Nur ein paar Jahre sp\u00e4ter konnte Edwin Hubble messen, dass sich das Universum <i>tats\u00e4chlich<\/i> ausdehnt! H\u00e4tte Einstein sich an seine Gleichungen gehalten und vorhergesagt, dass das Universum expandiert, dann w\u00e4re er vermutlich endg\u00fcltig als das gr\u00f6\u00dfte Genie der Menscheit in die Geschichte eingegangen&#8230; <\/p>\n<p>Aber auch mit der Einf\u00fchrung der kosmologischen Konstante hat Einstein die Physiker sp\u00e4terer Generationen beeinflusst &#8211; und heute wissen wir, dass seine &#8222;Eselei&#8220; (wie er die Konstante sp\u00e4ter genannt hat) gar nicht so dumm war. <\/p>\n<p>Um zu verstehen, wie das gemeint ist, m\u00fcssen wir aber erstmal ein paar Eigenheiten der allgemeinen Gravitationstheorie genauer betrachten. Denn die sagt, dass nicht nur die Masse selbst einen Beitrag zum Gravitationsfeld beitr\u00e4gt &#8211; sondern auch alle anderen Formen von Energie. Wenn wir zum Beispiel zwei absolute identische W\u00fcrfel aus Gold h\u00e4tten, dann w\u00fcrden die auch genau gleich viel wiegen. <i>Erhitzt<\/i> man aber einen der beiden W\u00fcrfel, dann f\u00fchrt man ihm Energie zu &#8211; und die leistet einen Beitrag zur Gravitation. Der hei\u00dfe W\u00fcrfel w\u00e4re tats\u00e4chlich schwerer! Gleiches gilt auch f\u00fcr Druck. Hat man zwei Sprungfedern die genau gleich viel wiegen und dr\u00fcckt man eine davon zusammen, dann f\u00fchrt man ihr Energie zu. Und diese Energie macht die Feder schwerer. Das gilt bei &#8222;positiven Druck&#8220; &#8211; doch es gibt auch &#8222;negativen Druck&#8220;, der nicht nach au\u00dfen dr\u00fcckt sondern nach innen &#8222;saugt&#8220; &#8211; und der w\u00fcrde sich als <i>absto\u00dfende Gravitationskraft<\/i> bemerkbar machen. Und das ist genau das, was die kosmologische Konstante von Einstein tut. Sie beschreibt quasi eine Energie, die den ganzen Raum erf\u00fcllt und einen gleichf\u00f6rmigen negativen Druck aus\u00fcbt &#8211; also eine gravitative Absto\u00dfungskraft darstellt. <\/p>\n<p>Aber wie gesagt &#8211; erstmal war die kosmologische Konstante sowieso pass\u00e9. Hubble hatte gezeigt, dass sich das Universum ausdehnt und Einsteins Gleichungen konnten das wunderbar beschreiben. Was sie allerdings nicht beschreiben konnten, war der <i>Grund<\/i> f\u00fcr die Expansion. Dieses R\u00e4tsel konnte man erst dann einigerma\u00dfen verstehen, als sich Ende der 1970er <i>Alan Guth<\/i> Gedanken \u00fcber &#8222;unterk\u00fchlte Higgs-Felder&#8220; machte.<\/p>\n<p><font style=\"font-size: 1.25em;\"><b>Endlich: der Knall!<\/b><\/font><\/p>\n<p>Die Higgs-Felder und den Higgs-Mechanismus hat Greene ja schon im <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/05\/grosse_vereinheitlichung_und_higgsfelder_im_vakuum_ist_jede_menge_los.php\">letzten Kapitel<\/a> erkl\u00e4rt. Dort hat er das nichtverschwindende Higgsfeld ja mit einem Frosch erkl\u00e4rt, der in einer Napfkuchenform herumspringt. In einer normalen Sch\u00fcssel w\u00fcrde der Frosch irgendwann genau in der Mitte zur Ruhe kommen &#8211; das w\u00fcrde einem Feld entsprechen, dass einen Wert von Null hat. Aber in der Napfkuchenform ist in der Mitte eine Aufw\u00f6lbung und der Frosch landet mit hoher Wahrscheinlichkeit abseits davon &#8211; genauso nimmt das Higgs-Feld einen nichtverschwindenden Wert an, wenn es sich abk\u00fchlt. Was w\u00e4re aber nun, \u00fcberlegte Guth, wenn der Frosch doch genau in der Mitte landet? Was w\u00e4re, wenn das Higgs-Feld genau auf dem Mittelplateau der Potenzialsch\u00fcssel landet und dort bleibt, w\u00e4hrend sich das Universum abk\u00fchlt? <\/p>\n<p>\n<\/p>\n<p><center><object height=\"385\" width=\"480\"><param name=\"movie\" value=\"https:\/\/www.youtube.com\/v\/fSPzMva9_CE&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;\" \/><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\" \/><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\" \/><embed src=\"https:\/\/www.youtube.com\/v\/fSPzMva9_CE&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" allowscriptaccess=\"always\" allowfullscreen=\"true\" height=\"385\" width=\"480\"><\/object><\/center><\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Unterk\u00fchltes Wasser!<\/small><\/em><\/div>\n<p>Guth fand heraus, dass so ein &#8222;unterk\u00fchltes Higgs-Feld&#8220; zu einem einheitlichen negativen Druck beitr\u00e4gt. Es verh\u00e4lt sich genauso wie eine kosmologische Konstante und \u00fcbt eine absto\u00dfende Kraft aus! Aber so ein unterk\u00fchltes Higgs-Feld bleibt nicht ewig unterk\u00fchlt. Genauso wie sich unterk\u00fchltes Wasser (hochreines Wasser, dass fl\u00fcssig bleibt, obwohl es unter Null Grad gek\u00fchlt wird, weil es keine Kristallisationskeime gibt die die Eisbildung ausl\u00f6sen k\u00f6nnen) durch \u00e4u\u00dfere St\u00f6rungen sofort zum frieren bewegen l\u00e4sst, kann auch ein unterk\u00fchltes Higgs-Feld spontan vom Mittelplateau &#8222;abrutschen&#8220; &#8211; und das sehr schnell. In der Hinsicht verh\u00e4lt sich das Higgs-Feld also nicht wie eine kosmologische Konstante, die ja tats\u00e4chlich immer konstant bleibt. Au\u00dferdem zeigt sich, dass der nach au\u00dfen gerichtete Druck der absto\u00dfenden Gravitation des Higgs-Feldes ungeheuer viel gr\u00f6\u00dfer ist als der Wert, den Einstein gew\u00e4hlt hat. <\/p>\n<p>Greene schreibt:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Wenn wir jetzt diese beiden Ideen miteinander verbinden &#8211; dass das Higgs-Feld nur einen winzig kleinen Augenblick in dem Zustand hoher Energie und negativen Druck auf dem Plateau verharrt und dass es, w\u00e4hrend es sich dort befindet, eine enorme nach au\u00dfen gerichtete Absto\u00dfungskraft erzeugt &#8211; was haben wir dann? Wie Guth erkannte, haben wir dann einen ungeheuren, kurzlebigen, nach au\u00dfen gerichteten Ausbruch. Mit anderen Worten, wir haben, was der Urknalltheorie bislang fehlte: einen Knall, und einen gro\u00dfen dazu.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Mit Guths Entdeckung kann man nun die Entwicklung des Universums so verstehen: Vor langer Zeit war das Universum extrem klein und extrem dicht. Die Energie des Higgs-Felds lag bei einem Wert, der nicht dem niedrigsten Punkt in der Potentialsch\u00fcssel entsprochen hat (dieses besondere Higgs-Feld nennt man \u00fcbrigens <i>&#8222;Inflaton-Feld&#8220;<\/i>). Dieses Inflaton-Feld hat eine enorme gravitative Absto\u00dfung verursacht und das Universum began sich auszudehnen. Diese Ausdehnungsphase dauerte nicht lange. Nach nur 10<sup>-35<\/sup> Sekunden hatte das Higgs-Feld seinen Punkt niedrigster Energie erreicht und die Ausdehnung war vorbei. Aber in dieser kurzen Zeit hatte sich das Universum dramatisch ausgedehnt! Je nach spezieller Theorie kommt man auf Expansionsfaktoren von 10<sup>30<\/sup> bis 10<sup>100<\/sup>! Nach dieser Expansion hat das Inflaton-Feld seine aufgestaute Energie in die Erzeugung von Materie und Strahlung umgesetzt und von da an folgt die Entwicklung des Universums im Wesentlichen dem Standardmodell, dass Greene im letzten Kapitel vorgestellt hat. <\/p>\n<p>Wir wissen zwar immer noch nicht, wo das Inflaton-Feld herkommt &#8211; aber die <i>inflation\u00e4re Kosmologie<\/i> l\u00f6ste ein paar der gro\u00dfen Probleme, die die Standardkosmologie bis dahin hatte. Eines davon ist das &#8222;Horizontproblem&#8220;. Ich habe fr\u00fcher schon vom der enormen Gleichf\u00f6rmigkeit der kosmischen Hintergrundstrahlung geschrieben.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"16349\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-800ab5d90f487209a241bed7f50a2a5f-WMAP_2010.png\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-800ab5d90f487209a241bed7f50a2a5f-WMAP_2010.png','popup','width=2048,height=1024,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-2852f026848a7fd294639060d43bea32-WMAP_2010-thumb-500x250-1.png\" alt=\"i-2852f026848a7fd294639060d43bea32-WMAP_2010-thumb-500x250.png\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small><a href=\"https:\/\/lambda.gsfc.nasa.gov\/product\/map\/current\/m_images.cfm\">Bild: WMAP\/NASA<\/a><\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Diese Messungen des Satelliten WMAP zeigen, dass Temperaturunterschiede minimal sind, Egal wohin man im Universum blickt, die Temperatur der Hintergrundstrahlung unterscheidet sich h\u00f6chstens um 0.0002 Grad. Das ist erstaundlich &#8211; und es schafft Probleme. Denn wenn die Hintergrundstrahlung so gleichf\u00f6rmig ist, dann heisst das, dass auch das fr\u00fche Universum (von dem die Strahlung ja stammt) extrem gleichf\u00f6rmig ist. Aber das kann nur dann der Fall sein, wenn gen\u00fcgend Zeit war, damit sich das Universum entsprechend &#8222;vermischen&#8220; konnte. Nimmt man aber das Standardmodell der Expansion des Universums, dann zeigt sich, dass diese Zeit nicht da war. Die entfernten Regionen des Alls waren immer zu weit au\u00dfeinander um den Licht gen\u00fcgend Zeit zu geben, von einem Ende zum anderen zu gelangen. Wenn aber diese Regionen so voneinander getrennt waren, dann gibt es auch keine M\u00f6glichkeit, wie sich so ein exaktes Temperaturgleichgewicht eingestellt haben k\u00f6nnte. Die Inflation l\u00f6st dieses Problem. Denn fr\u00fcher war das Universum sehr klein und alles konnte sich vermischen. Dann kam die inflation\u00e4re Phase und hat das All extrem schnell aufgeblasen (die Expansion des Raumes kann durchaus auch \u00fcberlichtschnell erfolgen). Heute also k\u00f6nnen die entferntesten Regionen des Raums nicht miteinander kommunizieren &#8211; vor der Inflation war das aber der Fall!<\/p>\n<p>Das zweite gro\u00dfe Problem war das <i>&#8222;Flachheitsproblem&#8220;<\/i>. In einem <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/05\/symmetrien_und_die_form_der_raumzeit.php\">fr\u00fcheren Kapitel<\/a> hat Greene schon von den prinzipiellen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Form gesprochen, die der Raum haben kann. Er kann positiv  gekr\u00fcmmt, negativ gekr\u00fcmmt oder flach sein. Das h\u00e4ngt ganz von der mittleren Materie\/Energiedichte des Universums ab. Die Gleichungen der allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie zeigen, dass, wenn das Universum <i>heute<\/i> genau die kritische Dichte h\u00e4tte, die f\u00fcr ein flaches Universum n\u00f6tig w\u00e4re, es dieses Dichte auch schon ganz zu Beginn haben h\u00e4tte m\u00fcssen. Wenn die mittlere Dichte kurz nach dem Urknall auch nur um eine Winzigkeit anders gewesen w\u00e4re &#8211; wenn sie zum Beispiel nur 99.99 % des n\u00f6tigen Werts gehabt h\u00e4tte, dann w\u00e4re dieser Wert heute auf 0,00000000001 % der kritischen Dichte reduziert worden. <\/p>\n<p><font style=\"font-size: 1.25em;\"><b>Dunkle Dinge<\/b><\/font><\/p>\n<p>Wenn wir also die mittlere Dichte messen, dann m\u00fcssten wir entweder einen Wert finden, der genau der kritischen Dichte entspricht &#8211; oder aber <i>einen Wert, der sich sehr stark davon unterscheidet<\/i>. Das ist aber nicht der Fall. Die ersten Messungen, die dazu durchgef\u00fchrt worden sind, haben gezeigt, dass die mittlere Dichte zwar nicht der kritischen Dichte entspricht &#8211; aber nicht stark von diesem Wert abweicht. Wesentlich weniger stark, als zu erwarten gewesen w\u00e4re. Die inflation\u00e4re Kosmologie l\u00f6st auch dieses Problem. Denn es ist klar: je gr\u00f6\u00dfer etwas ist, desto weniger stark kr\u00fcmmt es sich. Ein Fu\u00dfball ist gekr\u00fcmmt, genauso wie die Erde. Die Erde ist aber wesentlich gr\u00f6\u00dfer und deswegen kommt es uns so vor, als w\u00e4re sie flach &#8211; ganz im Gegensatz zum Fu\u00dfball. Wenn also das Universum sich durch die Inflation extrem stark ausgedehnt hat, dann w\u00e4re auch das <i>beobachtbare<\/i> Universum sehr flach &#8211; egal, wie gro\u00df die mittlere Massendichte war. Das Universum als Ganzes kann durchaus gekr\u00fcmmt sein &#8211; aber der Teil, den wir sehen k\u00f6nnen (also der Teil, von dem das Licht genug Zeit hat, um bis zu uns zu gelangen) ist nur ein kleiner Teil davon und erscheint uns genauso flach wie uns z.B. Holland (ein kleiner Teil der gekr\u00fcmmten Erdoberfl\u00e4che) flach erscheint.<\/p>\n<p>Die inflation\u00e4re Kosmologie sagt also vorher, dass wir, wenn wir probieren die Form des Universums zu bestimmen, ein flaches Universum finden werden. Und sie sagt vorher, dass die mittlere Materie\/Energie-Dichte genau der kritischen Dichte f\u00fcr ein flaches Universum entsprechen mu\u00df. Vorhersagen sind dazu da, um sie zu \u00fcberpr\u00fcfen! Und was kommt raus, bei der \u00dcberpr\u00fcfung?<\/p>\n<p>Zuerst mal nicht viel&#8230; Nimm man all die Masse im Universum, die wir sehen k\u00f6nnen &#8211; also all die Galaxien, Sterne usw &#8211; dann machen diese Objekte nur etwa 5% der Masse aus, die eigentlich da sein sollte, wenn die Materie\/Energie-Dichte wirklich der kritischen Dichte entspricht. Das ist zwar schon mal ein erster Hinweis, dass die Inflation tats\u00e4chlich stattgefunden hat (ohne Inflation m\u00fcsste die Abweichung ja, wie oben erkl\u00e4rt, sehr, sehr viel gr\u00f6\u00dfer sein) &#8211; aber 5% sind keine 100%. Aber in den letzten Jahrzehnten hat man herausgefunden, dass es neben der &#8222;normalen&#8220; Materie auch noch anderes gibt..<\/p>\n<p>\u00dcber die dunkle Materie hab ich hier in meinem Blog <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/11\/wie-man-dunkle-materie-nachweist.php\">schon<\/a> <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/09\/neues-aus-der-forschung-kollidierende-galaxienhaufen-und-dunkle-materie.php\">\u00f6fter<\/a> <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/09\/wissenschaft-am-lhc-die-suche-nach-dunkler-materie.php\">geschrieben<\/a> &#8211; deswegen werde ich hier nicht mehr viel dazu schreiben. Aber seit den 1930er Jahren haben Astronomen immer wieder gemerkt, dass sich Sterne, Galaxien und Galaxienhaufen nicht so bewegen, wie sie es sollten, wenn die sichtbare Materie wirklich alles ist, was da ist. Irgendwas schien da zu sein, dass zwar Gravitationskraft aus\u00fcbt, aber nicht mit der elektromagnetischen Kraft wechselwirkt; also unsichtbar ist. Unsere <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/09\/neues-aus-der-forschung-kollidierende-galaxienhaufen-und-dunkle-materie.php\">bisherigen Messungen<\/a> zeigen, dass sichtbare und dunkle Materie gemeinsam etwa 25% der kritischen Dichte ausmachen. Das ist zwar schon besser als 5% &#8211; aber immer noch nicht ganz das, was man erwartet hat. Erst seit Ende der 1990er wissen wir, wo sich die restlichen ~75% verstecken. Damals <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/11\/was-ist-dunkle-energie.php\">hatten Forscher untersucht, wie schnell sich das Universum ausdehnt und wie sich diese Geschwindigkeit im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert<\/a> hatte. Die Ergebnisse waren \u00fcberraschend!<\/p>\n<form mt:asset-id=\"3190\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-39750e38c3c631c6fe21889b52158381-macs_420.jpg\" alt=\"i-39750e38c3c631c6fe21889b52158381-macs_420.jpg\" \/><\/form>\n<\/p>\n<p align=\"center\"><font style=\"font-size: 0.8em;\"><i>Normale Materie (rot) und dunkle Materie (blau) im Galacienhaufen<\/i><\/font><i> <font style=\"font-size: 0.8em;\">MACS J0025<\/font><\/i><font style=\"font-size: 0.8em;\"><i> (<a href=\"https:\/\/chandra.harvard.edu\/photo\/2008\/macs\/\">Credit:<br \/>\nX-ray(NASA\/CXC\/Stanford\/S.Allen); Optical\/Lensing(NASA\/STScI\/UC Santa<br \/>\nBarbara\/M.Bradac)<\/a><\/i><\/font><\/p>\n<p> <\/p>\n<p>Eigentlich sollte man ja davon ausgehen, dass das Universum sich immer langsamer ausdehnt. Zuerst war da die inflation\u00e4re Phase, die die Expansion angesto\u00dfen hat &#8211; und dann sollte die Masse im Universum mit ihrer Gravitationskraft daf\u00fcr sorgen, dass die Expansion immer weiter gebremst wird. Das hat man auch gemessen &#8211; aber nur f\u00fcr die ersten 7 Milliarden Jahre! Danach begann die Expansion des Universums sich zu <i>beschleunigen<\/i>! Und hier kommt wieder Einsteins kosmologische Konstante ins Spiel. Anscheinend ist das Universum <i>wirklich<\/i> von einer noch unbekannten, konstanten Energie durchdrungen (die man momentan <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/11\/was-ist-dunkle-energie.php\">erstmal &#8222;dunkle Energie&#8220;<\/a> nennt), die der Gravitationskraft entgegenwirkt! Die ersten 7 Milliarden Jahre lang war die Gravitation st\u00e4rker und bremste die Expansion ab. Dann aber war die Materie so weit \u00fcber den Raum verteilt, dass sie der kosmologischen Konstante nichts mehr entgegenzusetzen hatte und das Universum begann wieder schneller zu expandieren. Und noch besser: die <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/12\/dunkle-energie-ist-keine-erfindung.php\">verschiedenen Messungen<\/a> zeigen, dass die dunkle Energie genau die bei der Materie\/Energiedichte fehlenden 70 bis 75 % ausmacht!<\/p>\n<p>Wir sind also schon ein ganzes St\u00fcck weit gekommen! Die inflation\u00e4re Kosmologie ist eine m\u00e4chtige Theorie, die enorm viel erkl\u00e4ren kann. Aber nat\u00fcrlich gibt es immer noch jede Menge offene Fragen. Wo kommt das Inflaton-Feld her? Warum ist das Universum mit einem Mix von so unterschiedlichen Dingen (dunkle Materie, dunkle Enerie, normale Materie) angef\u00fcllt und das in so unterschiedlichen Verh\u00e4ltnissen? Kann das nicht einfach sein? In den n\u00e4chsten Kapiteln stellt Greene daher neue Ideen und Theorien vor, die vielleicht helfen k\u00f6nnen, diese Fragen zu beantworten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/flattr.com\/thing\/161958\/Was-knallt-beim-Urknall-Inflation-und-Expansion-im-Universum\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/api.flattr.com\/button\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this\" title=\"Flattr this\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/053611cd1e824ecfa63001cc6ee38787\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<hr>\n<p><em><strong>Noch mehr Buchrezensionen auf ScienceBlogs:<\/strong><br \/><a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/2009\/02\/sciencebooks.php\"><span class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"02_Sciencebooks_550.jpg\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-33ddc65adf7222e34479effc03832ac6-02_Sciencebooks_550.jpg\" class=\"mt-image-center\" style=\"margin: 10px 0px 2px; text-align: center; display: block;\" height=\"80\" width=\"550\" \/><\/span><\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das hier ist die Rezension eines Kapitels von &#8222;Der Stoff aus dem der Kosmos ist&#8220; von Brian Greene. Links zu den Rezensionen der anderen Kapitel kann man hier finden. 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