{"id":19041,"date":"2010-03-01T19:40:27","date_gmt":"2010-03-01T18:40:27","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2010\/03\/01\/der-wissenschaft-mehr-gewicht-verleihen-neue-richtlinien-der-deutschen-forschungsgemeinschaft\/"},"modified":"2010-03-01T19:40:27","modified_gmt":"2010-03-01T18:40:27","slug":"der-wissenschaft-mehr-gewicht-verleihen-neue-richtlinien-der-deutschen-forschungsgemeinschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2010\/03\/01\/der-wissenschaft-mehr-gewicht-verleihen-neue-richtlinien-der-deutschen-forschungsgemeinschaft\/","title":{"rendered":"Der Wissenschaft mehr Gewicht verleihen: neue Richtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft"},"content":{"rendered":"<p>In der wissenschaftlichen Welt hat es sich mittlerweile durchgesetzt, Projektantr\u00e4ge, wissenschaftliche Leistungen und \u00e4hnliches anhand der Publikationslisten der beteiligten Personen zu beurteilen. Je mehr Artikel man in m\u00f6glichst hochrangigen Zeitschriften untergebracht hat, desto &#8222;besser&#8220; ist man.<\/p>\n<p>Diese Praxis habe ich hier schon <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/02\/wie-bewertet-man-wissenschaftlichen-erfolg.php\">\u00f6fters kritisiert<\/a>. In der Wissenschaft <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/02\/wissenschaftler-sollen-bucher-schreiben.php\">sollte nicht nur die Zahl der Publikationen z\u00e4hlen<\/a>.<\/p>\n<p>Dieser Meinung scheint auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zu sein. Sie hat vor kurzem <a href=\"https:\/\/www.dfg.de\/foerderung\/info_wissenschaft\/info_wissenschaft_10_11\/index.html\">neue Richtlinien herausgegeben<\/a>, die das sehr deutlich machen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nWer in Deutschland (Grundlagen)forschung betreibt, wird vermutlich um die DFG nicht umhin kommen. 2005 hat die DFG 1,3 Milliarden Euro f\u00fcr die verschiedensten Projekte und F\u00f6rderungen ausgegeben. Viele Forscher k\u00f6nnten ohne die Gelder der DFG nicht existieren &#8211; und dementsprechend M\u00fche gibt man sich dann auch, wenn man eine Projektantrag stellt.<\/p>\n<p>Der Publikationsliste kommt bei solchen Antr\u00e4gen immer besondere Bedeutung zu. Ihre richtige Zusammenstellung ist eine wahre Kunst. Auch wenn es eigentlich bescheuert ist &#8211; aber man muss hier wirklich sehr darauf achten, wen man in welchem Zusammenhang zitiert. Nat\u00fcrlich sollte man es immer noch vermeiden, v\u00f6llig sinnlose Zitate einzuf\u00fcgen, nur um die Publikationsliste eindrucksvoller aussehen zu lassen. Aber es gibt durchaus auch Gutachter, die erstmal darauf schauen, ob sie bzw. ihre direkten Kollegen im Antrag auch zitiert worden sind &#8211; und wenn nicht, dann, wirds problematisch.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich schadet es auch nicht, so viele eigene Arbeiten wie m\u00f6glich in der Liste unterzubringen. Man m\u00f6chte ja demonstrieren, dass man in seinem Fachgebiet kein Niemand ist sondern durchaus was zu sagen hat.<\/p>\n<p>Es ist nat\u00fcrlich als Gutachter einfacher, sich an der Publikationsliste zu orientieren &#8211; aber die Wissenschaft l\u00e4uft dabei Gefahr, unterzugehen. Das hat auch die DFG erkannt und nun neuen Richtlinien ver\u00f6ffentlicht, die ab Juli 2010 f\u00fcr alle Antr\u00e4ge gelten. Darin wird genau spezifiziert, wieviele eigene Publikationen man anf\u00fchren darf. <\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Zugleich soll die eigentliche Beschreibung des wissenschaftlichen Projekts mehr Bedeutung erhalten. Auf diese Weise will die DFG mit ihren Mitteln der inhaltlichen W\u00fcrdigung der Arbeiten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wieder mehr Gewicht verleihen und die Bedeutung rein quantitativer Faktoren im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Publikationen verringern.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Die DFG begr\u00fcndet das folgenderma\u00dfen: <\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Im Zuge von quantitativen Leistungsbewertungsverfahren, von der Habilitation \u00fcber die Berufung bis zur Leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM), ist es zunehmend \u00fcblich geworden, numerische Indikatoren auf der Basis von Publikationsverzeichnissen zu erstellen und diese an die Stelle einer inhaltlichen W\u00fcrdigung von wissenschaftlichen Arbeiten treten zu lassen. Dadurch wird ein starker Druck auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausge\u00fcbt, m\u00f6glichst viele Arbeiten zu publizieren. Zudem verleitet es immer wieder zu F\u00e4llen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, in denen im Publikationsverzeichnis unrichtige Angaben zum Stand von Publikationen gemacht werden. So wurde in der Vergangenheit wiederholt angegeben, dass Publikationen zur Ver\u00f6ffentlichung eingereicht worden seien, obwohl dies nicht der Fall war. In anderen F\u00e4llen fehlten Angaben zum Datum der Einreichung beziehungsweise sind sie ungenau oder falsch. Solche Angaben sind nach den Vorgaben der DFG &#8211; und auch dar\u00fcber hinaus &#8211; unzul\u00e4ssig.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Man darf nun nur noch zwei eigene Publikationen pro beantragten F\u00f6rderjahr auff\u00fchren (drei, wenn der Antrag von mehreren Personen auf einmal gestellt wird). Auch im Lebenslauf d\u00fcrfen nur noch insgesamt f\u00fcnf eigene Publikationen aufgef\u00fchrt werden. Au\u00dferdem ist es auch nicht mehr erlaubt, Arbeiten als <i>&#8222;eingereicht&#8220;<\/i> oder <i>&#8222;in Vorbereitung&#8220;<\/i> zu zitieren. Zitierte Arbeiten m\u00fcssen erschienen und f\u00fcr die Gutachter zug\u00e4nglich sein. Wenn eine Arbeit zwar schon zur Ver\u00f6ffentlichung angenommen, aber noch nicht gedruckt ist, darf man sie zitieren, muss sie aber das Manuskript mit dem Antrag gemeinsam einreichen. <\/p>\n<p>Diese Entwicklung ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Noch bessere w\u00e4re es, wenn man auch die anderen, oben angesprochenen Probleme mit der Publikationsliste l\u00f6sen k\u00f6nnte &#8211; aber das wird wohl ziemlich unm\u00f6glich sein. Referenzen sind nun mal notwendig in der Wissenschaft und um an den ganzen &#8222;Vanity-Zitaten&#8220; was zu \u00e4ndern m\u00fcsste man das System von Grund auf reformieren&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der wissenschaftlichen Welt hat es sich mittlerweile durchgesetzt, Projektantr\u00e4ge, wissenschaftliche Leistungen und \u00e4hnliches anhand der Publikationslisten der beteiligten Personen zu beurteilen. Je mehr Artikel man in m\u00f6glichst hochrangigen Zeitschriften untergebracht hat, desto &#8222;besser&#8220; ist man. Diese Praxis habe ich hier schon \u00f6fters kritisiert. In der Wissenschaft sollte nicht nur die Zahl der Publikationen z\u00e4hlen. 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