{"id":19032,"date":"2010-02-28T12:51:03","date_gmt":"2010-02-28T11:51:03","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2010\/02\/28\/abenteuer-astronomie-hawaii-tsunamis-und-sauerstoffmangel\/"},"modified":"2025-05-14T16:03:03","modified_gmt":"2025-05-14T14:03:03","slug":"abenteuer-astronomie-hawaii-tsunamis-und-sauerstoffmangel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2010\/02\/28\/abenteuer-astronomie-hawaii-tsunamis-und-sauerstoffmangel\/","title":{"rendered":"Abenteuer Astronomie: Hawaii, Tsunamis und Sauerstoffmangel"},"content":{"rendered":"<p>In der Astromomie erlebt man Abenteuer! Man steuert Raumsonden durchs Sonnensystem; ist bei Raketenstarts dabei; reist in chilenische W\u00fcsten oder auf die Inseln von Hawaii um an den gro\u00dfen Teleskopen zu beobachten oder macht Expeditionen in die afrikanische Wildnis um Sonnenfinsternisse zu beobachten.<\/p>\n<p>Ich hab zwar <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/12\/arbeitsalltag-welcher-stern-soll-das-denn-sein.php\">schon mal beschrieben<\/a>, dass das Leben der Astronomen nicht immer so aufregend ist. Aber manchmal eben doch!<\/p>\n<p>Ich selbst bin ja theoretischer Astronom und reise daher leider nicht wirklich oft zu den gro\u00dfen Teleskopen dieser Welt. Ich hab zwar auch schonmal beobachtet &#8211; aber &#8222;nur&#8220; in <a href=\"https:\/\/www.astro.uni-jena.de\/Observations\/gsh\/gsh_index.htm\">Gro\u00dfschwabhausen<\/a>. Dort ist es zwar auch nett &#8211; aber wenn einem die Kollegen von ihren Beobachtungstrips nach Australien, Chile, S\u00fcdafrika oder Hawaii erz\u00e4hlen, dann wird man manchmal doch etwas neidisch.<\/p>\n<p>Eine gute Freundin von mir ist gerade am Mauna Kea in Hawaii um dort zu beobachten. Ich habe sie gebeten, ein bisschen von ihrer Arbeit und ihren Erlebnissen dort zu berichten damit ihr mal aus erster Hand erfahren k\u00f6nnt, wie so ein Beobachtungsaufenthalt auf der exotischen Insel wirklich abl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Ich \u00fcbergebe nun also das Wort an <i>Dr. Ruth Gr\u00fctzbauch<\/i>, von der Universit\u00e4t Nottingham.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"14492\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-3dafd9126f8150f5f74f237c113d7789-ruthteleskop.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-3dafd9126f8150f5f74f237c113d7789-ruthteleskop.jpg','popup','width=604,height=453,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-d051fe2d5a346c54a1e81487642e99eb-ruthteleskop-thumb-500x375-1.jpg\" alt=\"i-d051fe2d5a346c54a1e81487642e99eb-ruthteleskop-thumb-500x375.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<p><small><em><\/p>\n<div style=\"text-align: center;\">Ruth, in Chile<\/div>\n<p><\/em><\/small><\/p>\n<hr>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist Lunchtime am <a href=\"https:\/\/www.nottingham.ac.uk\/astronomy\/index.php?dire=Home&amp;file=index\">Institut f\u00fcr Astronomie &amp; Teilchenphysik in Nottingham, UK<\/a>: <br \/>\n<em>&#8222;Ich hab mich gerade f\u00fcr Hawaii angemeldet, hoff sie lassen mich auch ein zweites mal beobachten fahren&#8220;<\/em> sagt mein deutscher Kollege, w\u00e4hrend er in seinem Tupperware herumscharrt. Ich &#8211; <em>&#8222;Mah, lass mich doch fahren, ich war noch nie in Hawaii!<\/em>&#8222;. <em>&#8222;Na meld dich doch einfach an! Alle Leute von UKIDSS Instituten k\u00f6nnen beobachten fahren.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>UKIDSS, das ist der <a href=\"https:\/\/www.ukidss.org\/\">UKIRT Deep Infrared Sky Survey<\/a>, ein Survey im infrarotn Bereich des elektromagnetischen Spektrums, der einen betr\u00e4chtlichen Teil des Himmels abdecken soll und 10 mal schw\u00e4chere Objekte detektiert als sein Vorg\u00e4nger Survey 2MASS. Geleitet wird dieser Survey, eigentlich das ganze Telescop <em>UKIRT (United Kingdom InfraRed Telescope)<\/em> vom englischen Rat f\u00fcr Wissenschaft und Technologie (und wird n\u00e4chstes Jahr geschlossen bzw an ein anderes Land verschenkt, da die englische Forschungsf\u00f6rderungsorganistion STFC kein Geld mehr f\u00fcr den Betrieb hat). Und hier der absurde Grund warum ich und j\u00e4hrlich ca. 60 andere Wissenschafter um den halben Globus geflogen werden: Es zahlt sich \u00f6konomisch (\u00f6kologisch kann&#8217;s ja nicht sein) nicht aus, die 3 Beobachter, die gebraucht w\u00fcrden, permanent in Hawaii anzustellen. So werden pro Woche 1-2 Beobachter von Instituten, die an dem Survey beteiligt sind, nach Hawaii eingeflogen, um die Beobachtungen durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"14480\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/02\/28\/teleskophawaii.php\" onclick=\"window.open('https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/02\/28\/teleskophawaii.php','popup','width=604,height=453,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-84ddf0e76685a2991ed865221caea635-teleskophawaii-thumb-500x375-1.jpg\" alt=\"i-84ddf0e76685a2991ed865221caea635-teleskophawaii-thumb-500x375.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<p><small><em><\/p>\n<div style=\"text-align: center;\">Das UKIRT-Teleskop auf dem Mauna Kea (Bild: Kate Rowlands)<\/div>\n<p><\/em><\/small><\/p>\n<p>Ich schreibe also ein Email, melde mich f\u00fcr einen der unpopul\u00e4ren Winter-slots an, denn ich will so bald wie m\u00f6glich auf den Berg. Wer weiss wie lang ich noch in diesem Job bin, get it while you can.<\/p>\n<p>Promt bekomme ich die Antwort, dass ich die einzige Freiwillige f\u00fcr den von mir gew\u00e4hlten Zeitraum bin. Ich lass mich zu ein paar spastischen Handbewegungen der Begeisterung hinreissen, hole kurz tief Luft und buche meinen Flug. London &#8211; San Francisco &#8211; Honolulu &#8211; Hilo. Was sich wie der Untertitel einer Designer-Klamotten-Kette anh\u00f6rt ist meine Flugroute. Es gibt keine Verbindung die diese Sequenz in einem Tag zur\u00fccklegt, man muss also irgendwo am Weg \u00fcbernachten. Ich entscheide mich, die Nacht anstatt in Honolulu im &#8222;nur&#8220; 11 Flugstunden entfernten San Francisco zu verbringen, um den Jet-Lag zu mindern. Am Tag darauf in der Fr\u00fch geht&#8217;s dann weiter nach Honolulu, ein 6-Stunden-Flug, und von dort nach Hilo, zum Hauptquartier des Teleskops auf Big Island. <\/p>\n<p>Dort treffe ich meinen Kollegen aus Nottingham, der mit mir zum Beobachten kommt und der am Tag davor bei einem dreist\u00fcndigen Job Interview f\u00fcr <em>Gemini<\/em>, ein anderes Observatorium in Hawaii, von einem  sieben Wissenschafter (von 3 verschiedenen Kontinenten) umfassenden Kommittee zerlegt wurde. Ein erstaunlicher Aufwand f\u00fcr einen (relativ) schlechtbezahlten, auf 3 Jahre limitierten Job auf einer 12000 km von Freunden und Familie entfernten Insel (mit zugegebenermassen besserem Wetter), in deren gr\u00f6sster Stadt man um 9 Uhr abends kein Essen mehr bekommt, aber das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"14483\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-8e6d7627c97d9fa7e89564fb4b0dc432-hawaiiberg.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-8e6d7627c97d9fa7e89564fb4b0dc432-hawaiiberg.jpg','popup','width=604,height=453,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-d06cc73da207479597fcff994cebce22-hawaiiberg-thumb-500x375-1.jpg\" alt=\"i-d06cc73da207479597fcff994cebce22-hawaiiberg-thumb-500x375.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Der Weg auf den Berg (Bild: Asa Bluck)<br \/>\n<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Nach dem &#8222;Safety Briefing&#8220; in dem wir erfahren was unserem K\u00f6rper in 4200 m H\u00f6he alles passieren kann, bekommen wir unser Auto, das sogar eine Gangschaltung hat und ich darf endlich wieder mal auf der richtigen Seite der Strasse fahren. Zwar maximal 45 Meilen pro Stunde, was mir auf den vierspurigen Strassen reichlich untertrieben vorkommt, aber eins merkt man hier sofort: Eile und Hawaii gehen nicht in einem Satz zusammen. Wir zuckeln also die Flanken des Vulkans hinauf, zuerst noch begleitet von reichlich gr\u00fcner Hawaii-typischer Vegetation, bald aber erinnert nichts mehr an tropische Inseltr\u00e4ume: wir sind in der W\u00fcsten-\u00e4hnlichen Zone, die einen betr\u00e4chtlichen Teil der Insel ausmacht. Ab und zu \u00fcberholt von Autos, deren Reifen auf Augenh\u00f6he an mir vorbeiziehen, erreichen wir um etwa 9 Uhr abends Hale Pohaku, die Quartiere der Beobachter die an den gut 10 Teleskopen auf Mauna Kea arbeiten, auf fast 3000 m H\u00f6he. Alle Beobachter m\u00fcssen dort ihre erste Nacht verbringen, um ihre Lungen an den niedrigen Sauerstoffgehalt der Luft zu gew\u00f6hnen. Doch nicht nur das: Beobachter d\u00fcrfen sich nicht l\u00e4nger als 14 Stunden \u00fcber 3000m aufhalten und m\u00fcssen jeden Morgen den holprigen Weg vom Gipfel (4200 m) wieder zur\u00fcck fahren um hier zu \u00fcbernachten.<\/p>\n<p>Wir versuchen so lange wie m\u00f6glich wach zu bleiben um uns an den Beobachtungsrythmus zu gew\u00f6hnen. Das ist nicht leicht nach mehr als 40 Stunden unterwegs, auf der anderen Seite auch schon egal, denn ehrlichgesagt weiss ich nicht mehr wie sp\u00e4t es jetzt wo gerade w\u00e4re und ob ich eigenltich m\u00fcde bin.<br \/>\nWir holen uns also Kaffee aus der Cafeteria. Dort sitzt ein einsamer Kerl, der offenbar das gleiche Ziel verfolgt wie wir und uns in freudiger Erwartung einer m\u00f6glichen Konversation verstohlene Blicke zuwirft. <em>&#8222;Are you Astronomers?&#8220;<\/em> Das ist unter den gegebenen Umst\u00e4nden eine reichlich suspekte Frage. W\u00e4hrend des folgenden Gespr\u00e4chs finden wir heraus dass unser Gespr\u00e4chspartner wissenschaftlicher Berater des <em>US Department for Homeland and National Security<\/em> ist und den Auftrag hat, den Laser, den das Gemini Observatorium in den Himmel schiesst, um sch\u00e4rfere Bilder zu bekommen, zu \u00fcberwachen. Genau. Wir erfahren, dass das Department f\u00fcr Heimatland und Nationale Sicherheit besorgt ist, dass der hochenergetische Laser m\u00f6glicherweise die Elektronik von Spionagesatelliten, deren Position den Astronomen nat\u00fcrlich nicht bekannt ist, beeintr\u00e4chtigen und sogar zum Absturz bringen k\u00f6nnte. Deswegen m\u00fcssen alle Beobachtungen von Beamten der Regierung \u00fcberpr\u00fcft und abgesegnet werden. (Hier hoffe ich auf ein paar Kommentare seitens der Verschw\u00f6rungstheoretiker). Jetzt weiss ich was der Situation Room ist und dass die Chief Generals Wissenschafter nicht so gern m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag (Abend) starten wir unsere erste Beobachtungsnacht. Endlich auf den Gipfel von Mauna Kea, der h\u00f6chste Berg im pazifischen Ozean, manchen Stimmen zufolge sogar der h\u00f6chste Berg der Welt, von seiner Basis am Meeresgrund aus gemessen (obwohl mir diese Art der Messung etwas unsinnig erscheint).<br \/>\nWir rumpeln eine halbe Stunde lang \u00fcber den unasphaltierten Weg, \u00fcberholen einige Touristenbusse, die Touren zum Sonnenuntergang und den Teleskopen anbieten. An Spitzentagen bev\u00f6lkern einige hundert Touristen das schmale Plateau, das einige der besten Teleskope der Welt beherbergt. Ab und zu fragen Leute ob sie mal durchschauen k\u00f6nnen, was (leider) nicht geht. Nicht weil wir gemein sind und sie nicht lassen, sondern weil keines der Teleskope hier ein Okular hat. Astronomen schauen normalerweise nicht durch Teleskope.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"14486\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-b24fdd627500c8146b56a6b2b23c671c-geminiruth.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-b24fdd627500c8146b56a6b2b23c671c-geminiruth.jpg','popup','width=604,height=453,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-48d30f61915d0cdad995b3ee87cb9e9e-geminiruth-thumb-500x375-1.jpg\" alt=\"i-48d30f61915d0cdad995b3ee87cb9e9e-geminiruth-thumb-500x375.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<p><small><em><\/p>\n<div style=\"text-align: center;\">Gemini-Teleskop mit Laserguiding (links) und Ruth (rechts) &#8211; fotografiert durch das Nachtsichtger\u00e4t (Bild: Kate Rowlands)<\/div>\n<p><\/em><\/small><\/p>\n<p>Wir sehen eine Frau mit einem Baby am Arm. Die empfohlene Altersgrenze hier ist 16 Jahre, da der niedrige Sauerstoffgehalt der Luft ernsthafte Probleme, z.B. Wachstumsst\u00f6rungen und Hirnsch\u00e4den bei Kindern hervorrufen kann. Nach 10 Minuten frage ich mich, ob die Hirnsch\u00e4den auch Erwachsene betreffen k\u00f6nnen: unser Telescope Operator beginnt uns die Funktionen des Teleskops und seiner Sofware zu erkl\u00e4ren, ich h\u00f6re ihn reden und denk mir &#8222;\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4hhh&#8230;&#8220;. Ich versuche mich in den diversen Fenstern auf den diversen Bildschirmen zu orientieren, aber mein Fokus funktioniert nicht so ganz. Ja, das ist die erste Nacht auf 4200m H\u00f6he, so geht es den meisten. Manchen geht es noch schlechter: \u00dcbelkeit, Erbrechen und Kollaps sind zwar nicht besonders h\u00e4ufig, kommen aber vor. Der Sauerstoffgehalt hier betr\u00e4gt etwa 40% des Meeresniveaus. Beobachter sind hier extrem fehleranf\u00e4llig, eine schlechte Kombination mit den extrem hohen Betriebskosten (~1USD pro Sekunde). Fehler kann man sich hier nicht leisten. Der gesamte Beobachtungsablauf ist deshalb so wenig interaktiv wie m\u00f6glich gestaltet. Alle Beobachtungen sind bis ins kleinste Detail durchgeplant und vorbereitet, wir klicken alle halben Stunden auf ein paar Buttons. <\/p>\n<p>Wozu werden die menschlichen Schwachstellen dann \u00fcberhaupt gebraucht? Wenn was schiefgeht braucht man jemanden vor Ort, der sich das Problem aus n\u00e4chster N\u00e4he anschaun kann. Und warum reicht dann nicht eine Person pro Teleskop? Aus Sicherheitsgr\u00fcnden m\u00fcssen sich mindestens 2 Personen in Kontrollraum befinden. Niemand ist vor der H\u00f6henkrankheit gefeit, wie oft auch immer man schon am Berg war. Das Auftreten der Symptome ist nicht vorhersehbar und auch nicht unbedingt mit der Fitness der Person verbunden. Das gef\u00e4hrliche Leben der Astronomen.<\/p>\n<p>Aber es wird noch gef\u00e4hrlicher. <em>&#8222;We have a Tsunami warning&#8220;<\/em> sagt pl\u00f6tzlich unser Operator. Ein verheerendes Erdbeben der St\u00e4rke 8.8 nach Richter ersch\u00fcttert Chile. Die St\u00e4rke des Bebens ist beinahe vergleichbar mit der des Bebens, das den Tsunami 1960 ausl\u00f6ste, dessen 10 Meter hohe Wellen das Zentrum von Hilo verw\u00fcsteten. Damals starben 61 Menschen. Waikiki Beach wird evakuiert, K\u00fcstenbewohnern wird empfohlen sich in h\u00f6heren Regionen in Sicherheit zu bringen. Im Laufe der Nacht kommen etwas weniger apokalyptische Vorhersagen herein: ein Tsunami mit maximal 1-2 Metern H\u00f6he wird erwartet (was sich im Nachhinein als korrekt herausstellen soll, in Hawaii wird niemand wird verletzt).<\/p>\n<p>6 Uhr morgens, wir haben das schlimmste \u00fcberstanden und ich f\u00fchl mich wie nach einer durchzechten Nacht, der Kater des Sauerstoffmangels. Der kleine Bildschirm im Kontrollraum zeigt uns die Aussenwelt, ein helles Band am Horizont. Wir machen das Teleskop dicht, packen unsere Sachen ein und machen uns auf den Weg nach draussen. Und dann \u00f6ffne ich die T\u00fcr&#8230;. Ja, das ist es. Dunkelrosa-rot-orange breitet sich der nahende Sonnenaufgang \u00fcber dem Wolkenmeer aus, das uns umgibt, die weissen Kuppeln der Teleskope heben sich majest\u00e4tisch vom spektakul\u00e4ren Himmel ab. Es ist komplett still. I&#8217;m on the top of the world.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"14489\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-f734f3d49ad27394dacd8f6c2ecb52ff-sonnenaufgang.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-f734f3d49ad27394dacd8f6c2ecb52ff-sonnenaufgang.jpg','popup','width=604,height=453,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-fcf94eff9e34fc276f42435f6a09080c-sonnenaufgang-thumb-500x375-1.jpg\" alt=\"i-fcf94eff9e34fc276f42435f6a09080c-sonnenaufgang-thumb-500x375.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Bild: Kate Rowlands<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Warum sind Sonnenaufg\u00e4nge immer besser als Sonnenunterg\u00e4nge?<br \/>\nIch kann nur hoffen, dass die aufgehende Sonne den Menschen in Concepcion nicht nur Verw\u00fcstung und Verzweiflung bringt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Astromomie erlebt man Abenteuer! 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