{"id":18469,"date":"2009-09-18T21:45:04","date_gmt":"2009-09-18T19:45:04","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/09\/18\/es-gibt-kein-grosses-loch-im-universum\/"},"modified":"2025-05-14T16:02:02","modified_gmt":"2025-05-14T14:02:02","slug":"es-gibt-kein-grosses-loch-im-universum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/09\/18\/es-gibt-kein-grosses-loch-im-universum\/","title":{"rendered":"Es gibt kein gro\u00dfes Loch im Universum"},"content":{"rendered":"<p>Will man etwas \u00fcber die Bedingungen in der Fr\u00fchzeit des Universum erfahren, dann muss man die sg. <i>kosmische Hintergrundstrahlung<\/i> beobachten. Die stellt quasi das \u00e4lteste Licht dar, das wir noch sehen k\u00f6nnen. In den ersten knapp 400000 Jahren nach dem Urknall war das Universum noch &#8222;undurchsichtig&#8220;. Es war viel zu hei\u00df, als das die Photonen frei durch das All fliegen h\u00e4tten k\u00f6nnen. Das war erst m\u00f6glich, als sich das Universum auf unter etwa 3000 Kelvin abgek\u00fchlt hatte. Protonen und Elektronen waren dann langsam genug um sich zu Wasserstoff zusammenzuf\u00fcgen und das Licht hatte genug &#8222;Platz&#8220;, um sich ausbreiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Durch die Expansion des Universum wurde dieses Licht allerdings immer langwelliger &#8211; und heute ist es so langwellig, dass es f\u00fcr uns nicht mehr sichtbar ist. Das geht nur noch im Mikrowellenbereich. <\/p>\n<p>Seit die Hintergrundstrahlung 1964 von Arno Penzias und Robert Wilson zuf\u00e4llig entdeckt wurde (sie bekamen daf\u00fcr den Physik-Nobelpreis) stellt ihre Untersuchung eine der wichtigsten Informationsquellen \u00fcber das fr\u00fche Universum dar. Die Strahlung ist extrem gleichf\u00f6rmig &#8211; aus allen Richtungen des Himmels erreicht uns so gut wie genau die gleiche Menge an Hintergrundstrahlung.<\/p>\n<p>W\u00e4re das Universum nach den ersten 400000 Jahren allerdings tats\u00e4chlich v\u00f6llig gleichf\u00f6rmig gewesen, dann w\u00fcrde es uns heute nicht geben. Dann h\u00e4tte sich das urspr\u00fcngliche Material niemals zu Sternen, Galaxien und Galaxienhaufen zusammengeballt. Es muss also winzige Variationen gegeben haben, die sich auch in der Hintergrundstrahlung widerspiegeln sollte (\u00dcbrigens erkl\u00e4rt man diese Schwankungen heute mit <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/lindaunobel\/2008\/07\/csi-cosmic-scene-investigator.php\">Mitteln der Quantentheorie<\/a>). Es hat allerdings bis 1993 gedauert, bis der <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/01\/big-bang-und-big-bang-zweiter-akt-simon-singh-vs-harald-lesch-teil-1.php\">Satellit COBE diese Schwankungen auch tats\u00e4chlich messen<\/a> konnte. 2001 hat die Sonde WMAP dann noch viel genauere Messungen angestellt und dabei etwas interessantes gefunden: Im Universum klafft ein riesiges Loch!<br \/>\n<!--more--><br \/>\nHier sieht man die Ergebnisse von WMAP:<\/p>\n<form mt:asset-id=\"10369\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-8ce70e3ff9e439a5451cd7654d714460-WMAP_2008.png\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-8ce70e3ff9e439a5451cd7654d714460-WMAP_2008.png','popup','width=4096,height=2048,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-37c93af9f8a7a6097a335d3d4cb2ce1b-WMAP_2008-thumb-500x250-1.png\" alt=\"i-37c93af9f8a7a6097a335d3d4cb2ce1b-WMAP_2008-thumb-500x250.png\" \/><\/a><\/form>\n<p>Das ist der gesamte Himmel und die Farben geben die Temperatur des Hintergrunds an, die WMAP gemessen hatte. Die Unterschiede sind gering &#8211; nur etwa 0,001%. In diesen Daten hat <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/astro-ph\/0310273\">eine Analyse aus dem Jahr 2004<\/a> einen ungew\u00f6hnlich gro\u00dfen &#8222;kalten Fleck&#8220; gefunden:<\/p>\n<form mt:asset-id=\"10372\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-e35c0ae9a7135cbbed438bdcd58b127c-ColdSpot.jpg\" alt=\"i-e35c0ae9a7135cbbed438bdcd58b127c-ColdSpot.jpg\" \/><\/form>\n<p>Dieser kalte Fleck im Sternbild Eridanus d\u00fcrfte eigentlich nicht da sein. Mit der bisherigen Theorie des Urknall und der Entwicklung des fr\u00fchen Universums w\u00e4re es nicht erkl\u00e4rbar gewesen. Man hat im Laufe der Zeit verschiedene Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze gefunden.<\/p>\n<p>Eine davon w\u00e4re ein gewaltiger <i>Void<\/i>. Bei den Voids handelt es sich, gemeinsam mit den <i>Filamenten<\/i> um die gr\u00f6\u00dften Strukturen im Universum. Die Galaxienhaufen sind nicht zuf\u00e4llig angeordnet sondern in langen &#8222;F\u00e4den&#8220; (den Filamenten). Die L\u00fccken dazwischen nennt man Voids. Ein \u00fcbergro\u00dfer Void &#8211; ein &#8222;Supervoid&#8220; mit einer Ausdehnung von etwa einer Milliarde Lichtjahre &#8211; k\u00f6nnte f\u00fcr diesen kalten Fleck verantwortlich sein. <\/p>\n<p>Es gab auch noch exoterische Erkl\u00e4rungsversuche. Der kalte Fleck k\u00f6nnte <a href=\"https:\/\/www.newscientist.com\/article\/mg19626311.400\">der &#8222;Abdruck&#8220; eines Paralleluniversums<\/a> sein. Und es gab &#8222;langweilige&#8220; Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze: der kalte Fleck existiere in Wirklichkeit gar nicht und sei nur ein Artefakt der Datenauswertung.<\/p>\n<p>Und diese Erkl\u00e4rung scheint sich nun als korrekt herauszustellen. <i>Ray Zhang<\/i> und <i>Dragan Huterer<\/i> von der Universit\u00e4t Michigan haben in einer <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/0908.3988\">k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Arbeit<\/a> gezeigt, dass der kalte Fleck verschwindet, wenn man eine andere Methode der Datenverarbeitung w\u00e4hlt. Anscheinend war es ein ungl\u00fccklicher Zufall, dass das scheinbare WMAP-Profil des kalten Flecks besonders gut auf die verwendete Analysemethode angesprungen ist.<\/p>\n<p>Damit scheint eines der gro\u00dfen &#8222;R\u00e4tsel&#8220; der Kosmologie der letzten Jahre gel\u00f6st. Aber vermutlich haben sich alle Wissenschaftler eine andere L\u00f6sung gew\u00fcnscht. Unerkl\u00e4rbare R\u00e4tsel sind immer der Vorbote von neuen Erkenntnissen und Theorien. Aber eben nur dann, wenn sie sich nicht als simpler Rechenfehler herausstellen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Will man etwas \u00fcber die Bedingungen in der Fr\u00fchzeit des Universum erfahren, dann muss man die sg. kosmische Hintergrundstrahlung beobachten. Die stellt quasi das \u00e4lteste Licht dar, das wir noch sehen k\u00f6nnen. In den ersten knapp 400000 Jahren nach dem Urknall war das Universum noch &#8222;undurchsichtig&#8220;. 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