{"id":18256,"date":"2009-07-11T22:59:22","date_gmt":"2009-07-11T20:59:22","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/07\/11\/warum-die-astronomie-in-drei-bundeslandern-seit-1959-pflichtfach-ist-und-warum-sie-es-bundesweit-werden-sollte\/"},"modified":"2009-07-11T22:59:22","modified_gmt":"2009-07-11T20:59:22","slug":"warum-die-astronomie-in-drei-bundeslandern-seit-1959-pflichtfach-ist-und-warum-sie-es-bundesweit-werden-sollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/07\/11\/warum-die-astronomie-in-drei-bundeslandern-seit-1959-pflichtfach-ist-und-warum-sie-es-bundesweit-werden-sollte\/","title":{"rendered":"Warum die Astronomie in drei Bundesl\u00e4ndern seit 1959 Pflichtfach ist und warum sie es bundesweit werden sollte"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;Warum die Astronomie in drei Bundesl\u00e4ndern seit 1959 Pflichtfach ist und warum sie es bundesweit werden sollte&#8220;<\/em>. So lautet der Titel eines offenen Briefes an Bund und L\u00e4nder. <\/p>\n<p>Darin wird ein bundesweiter Astronomieunterricht in den Schulen im Ausma\u00df von 2 Jahreswochenstunden in der 10. Klasse gefordert. Das ich schulischen Astronomieunterricht f\u00fcr eine sehr gute Sache halte, habe ich hier im Blog ja schon \u00f6fters geschrieben (z.B. <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/01\/astronomie-wird-pflichtfach-an-schulen.php\">hier<\/a>). Darum unterst\u00fctze ich auch die Forderungen in diesem offenen Brief und hoffe, dass das auch viele meiner Leserinnen und Leser tun. Wer sich als Unterst\u00fctzer eintragen m\u00f6chte, der m\u00f6ge bitte ein Mail an <em>Lutz Clausnitzer<\/em> (lutz.clausnitzer AT t-online.de) schicken. <a href=\"https:\/\/www.lutz-clausnitzer.de\/as\/ProAstro-Sachsen\/Offener_Brief_an_Bund_und_Lander_01.07.2009.pdf\">Der Brief<\/a> und viele weitere interessante Informationen zum Thema Astronomieunterricht findet sich auf der Homepage von <a href=\"https:\/\/www.lutz-clausnitzer.de\/as\/ProAstro-Sachsen\/proastro-sachsen.html\">ProAstro-Sachsen<\/a>.<\/p>\n<p>Ich habe den Text aber auch nocheinmal hier in mein Blog kopiert:<\/p>\n<hr>\n<p><!--more--><\/p>\n<div align=\"center\"><b>Warum die Astronomie in drei Bundesl\u00e4ndern seit 1959<\/b><br \/><b>Pflichtfach ist und warum sie es bundesweit werden sollte<\/b><\/div>\n<p>Sehr geehrte Politiker(innen), sehr geehrte Kolleg(inn)en,<\/p>\n<p>unsere Kultur ist gepr\u00e4gt von der Kenntnis des Sternhimmels. Die Astronomie der Griechen<br \/>stellte das Denken und Handeln des Menschen erstmals in den Kontext des gesamten Kosmos&#8216;. Die ontologischen Fragen \u201eWoher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?&#8220;<br \/>veranlasste die Menschen zu versuchen, durch Sternenbeobachtung unseren Platz im Universum zu bestimmen. Sternreligionen, Mythen, Kunst, Arch\u00e4ologie und Wissenschaftsgeschichte zeigen die Verbundenheit des Menschen mit dem gestirnten Himmel. Astronomie und Astronomiegeschichte sind Kulturgeschichte.<\/p>\n<p>Die modernere Astronomie erkannte, dass \u00fcberall im Kosmos die gleichen Naturgesetze gelten wie auf der Erde und erkl\u00e4rte die Herkunft der chemischen Elemente. Heute stimuliert die Astronomie viele Wissenschaften, ist Technologietreiber und ein Fundament der Raumfahrt. Mit der Raumfahrt erkunden wir den Weltraum und verbessern die Qualit\u00e4t unseres t\u00e4glichen Lebens, etwa durch Satelliten f\u00fcr Wettervorhersage, Kommunikation, Navigation, Flugsicherheit, Umweltkontrolle, Klimaforschung und den Katastrophenschutz. Astronomie und Raumfahrt bringen Universit\u00e4ten, Forschungsinstituten, Industrie und Mittelstand eine wachsende Zahl von Auftr\u00e4gen. Das f\u00f6rdert die wirtschaftliche Entwicklung,<br \/>erh\u00f6ht andererseits aber auch die Anforderungen an das Fachpersonal, wo den Kosmos betreffende Kompetenzen zunehmend gefragt sind.<\/p>\n<p>Allgemein bildende Schulen und Universit\u00e4ten m\u00fcssen sich diesen Erfordernissen stellen. Dabei geht es zum einen um eine gediegene astronomische Grundbildung aller und zum anderen darum, den interdisziplin\u00e4ren Charakter der Astronomie zu nutzen, um eine von F\u00e4chergrenzen befreite Gesamtsicht auf Natur und Gesellschaft zu generieren.<br \/>Die besten Voraussetzungen und Ans\u00e4tze findet man daf\u00fcr in Th\u00fcringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo die Astronomie seit 1959 Pflichtfach ist und (in Jena, Halle und Rostock) fast ebenso lange Astronomielehrer ausgebildet werden. Aus den dort gesammelten Erfahrungen ergibt sich die Notwendigkeit, den regul\u00e4ren Astronomieunterricht schnellstm\u00f6glich auf alle Bundesl\u00e4nder auszudehnen. Gr\u00fcnde sind:<\/p>\n<ol>\n<li>Medien berichten vielf\u00e4ltig \u00fcber das All. Die Schule sollte nicht nur weitere Fragmente hinzuf\u00fcgen, sondern mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern ein \u201eRegalsystem&#8220; bauen, in das sie den Weltraum betreffende Erkenntnisse ein Leben lang einordnen k\u00f6nnen. Dieses \u201eRegalsystem&#8220; ist nichts anderes als die Fachsystematik der Astronomie.<\/li>\n<li>Das Wissen \u00fcber den Kosmos ist so komplex geworden, dass Lehrer den Anforderungen des Astronomie Lehrens nur dann gewachsen sind, wenn sie Astronomie f\u00fcr das Lehramt studiert, ein Zusatzstudium Astronomie absolviert oder im Ausnahmefall durch umfassendes Selbststudium eine vergleichbare Qualifikation erworben haben.<\/li>\n<li>Im Fach Astronomie greifen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf Wissen und K\u00f6nnen aus dem Mathematik-, Informatik-, Technik-, Physik-, Chemie-, Biologie-, Geografie-, Geschichtsunterricht und auf Elemente der Philosophie, Religion, Ethik und Kunst zur\u00fcck und wenden es in einem neuen Kontext an. Diese Strategie der Reaktivierung, Festigung und Vertiefung f\u00f6rdert Multiperspektivit\u00e4t und entwickelt intelligentes Wissen mit einem hohen Grad flexibler Anwendbarkeit. Optimal gelingt das in Klassenstufe 10, weil die jungen Menschen erst dann \u00fcber die erforderlichen Vorleistungen verf\u00fcgen und zugleich mehrheitlich noch in den Genuss dieses Unterrichts kommen k\u00f6nnen. <\/li>\n<li>Wenn Astronomie nicht nur auf andere F\u00e4cher verteilt, sondern in ihrem nat\u00fcrlichen Zusammenhang gelehrt wird, ist sie eine Plattform f\u00fcr F\u00e4cher \u00fcbergreifendes Arbeiten.<\/li>\n<li>Viele Himmelserscheinungen unterliegen einer j\u00e4hrlichen Periodizit\u00e4t. Ein ganzj\u00e4hriger Astronomieunterricht bietet optimale M\u00f6glichkeiten, Beobachtungen zu integrieren. <\/li>\n<\/ol>\n<p>Astronomieunterricht unterst\u00fctzt viele andere F\u00e4cher, f\u00f6rdert vernetztes Denken und bietet den jungen Menschen zahlreiche Gelegenheiten, ethische Werte zu erschlie\u00dfen und Medienkompetenz zu erwerben. Beispielsweise ist das Fach Astronomie besonders geeignet, dem reichlichen Astrologieangebot der Medien eine wissenschaftliche Sichtweise entgegen zu setzten. Lehrer anderer F\u00e4cher verf\u00fcgen eher selten \u00fcber die dazu n\u00f6tigen astronomischen, astronomiehistorischen und astronomiedidaktischen Voraussetzungen.<\/p>\n<p>Allerdings k\u00f6nnen diese Bildungs- und Erziehungspotenzen auch in den o.g. Bundesl\u00e4ndern<br \/>nur teilweise genutzt werden, weil dieser Unterricht in der Sekundarstufe I auf eine Wochenstunde in nur einem Schuljahr begrenzt ist. Wir empfehlen daher bundesweit zwei Jahreswochenstunden Astronomie f\u00fcr alle Sch\u00fcler der Klassenstufe 10 und eine Fl\u00e4chen deckende Ausbildung von Astronomielehrern.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich sollten ausgew\u00e4hlte astronomische Inhalte ab der Grundschule &#8211; m\u00f6glicherweise in anderen F\u00e4chern &#8211; eine Rolle spielen. Beispielsweise ist es unangemessen, F\u00fcnfzehnj\u00e4hrige erstmals mit dem Aufbau unseres Planetensystems konfrontieren zu wollen. Dem Pflichtfach in Klasse 10 sollte sich in der gymnasialen Oberstufe ein fakultativer Kurs anschlie\u00dfen. Als Hauptschulkompromiss ist Astronomieunterricht in Klassenstufe 9 sinnvoll. <\/p>\n<p>Ein Wort zu anderen F\u00e4cherw\u00fcnschen: Mitunter werden Wirtschaft, Rechtskunde und&nbsp; Gesundheitserziehung als eigenst\u00e4ndige Unterrichtsf\u00e4cher empfohlen. \u00d6konomie und Jura sind aber zentrale Komponenten des unmittelbaren gesellschaftlichen Alltags. Deren allgemeinbildungsrelevanten Grundlagen k\u00f6nnen in Gesellschaftskunde im entsprechenden Kontext sogar noch lebensverbundener und effektiver vermittelt werden als in separaten F\u00e4chern. Analog passt das Thema Gesundheit inhaltlich sehr gut in den Biologieunterricht.<\/p>\n<p>Die Natur- und Kulturwissenschaft Astronomie lebt aber vom Zusammenspiel so vieler Disziplinen, dass sie sich nirgendwo einordnen l\u00e4sst. Nicht umsonst wird sie von den Vereinten Nationen als \u201ebasic science&#8220; hervorgehoben.<\/p>\n<div align=\"right\">Im Internationalen Jahr der Astronomie 2009<\/p>\n<p>Die Unterzeichner,<br \/>die mit der Vielfalt ihrer Fachgebiete den gesamtgesellschaftlichen Charakter des Anliegens dokumentieren.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Warum die Astronomie in drei Bundesl\u00e4ndern seit 1959 Pflichtfach ist und warum sie es bundesweit werden sollte&#8220;. So lautet der Titel eines offenen Briefes an Bund und L\u00e4nder. 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