{"id":18146,"date":"2009-06-08T16:10:35","date_gmt":"2009-06-08T14:10:35","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/06\/08\/ruckzieher-der-wiener-linien-atheistenbuskampagne-wurde-gestoppt\/"},"modified":"2025-05-14T16:00:51","modified_gmt":"2025-05-14T14:00:51","slug":"ruckzieher-der-wiener-linien-atheistenbuskampagne-wurde-gestoppt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/06\/08\/ruckzieher-der-wiener-linien-atheistenbuskampagne-wurde-gestoppt\/","title":{"rendered":"R\u00fcckzieher der Wiener Linien: Atheisten-Buskampagne wurde gestoppt"},"content":{"rendered":"<p>Gestern habe ich mich noch dar\u00fcber gefreut, dass es in \u00d6sterreich (im Gegensatz zu Deutschland) m\u00f6glich ist, <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/06\/der-atheistenbus-fahrt-durch-wien.php\">atheistische Werbung im \u00f6ffentlichen Raum<\/a> zu machen. Und heute erf\u00e4hrt man, dass die Verantwortlichen in \u00d6sterreich genauso Mumm haben, wie in Deutschland. Auch die Wiener Linien, auf deren Bussen der Slogan &#8222;Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott&#8220; prangen sollte, haben <a href=\"https:\/\/www.buskampagne.at\/2009\/06\/08\/wiener-linien-ziehen-zustimmung-zuruck\/\">ihre Zustimmung zur Kampagne zur\u00fcckgezogen<\/a>.<\/p>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"8085\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-61ebc768d65ee3493b418278620906d7-abcv_sujet1.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-61ebc768d65ee3493b418278620906d7-abcv_sujet1.jpg','popup','width=587,height=198,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-a4a0e247a38f3d15e352cad65f405c8a-abcv_sujet1-thumb-500x168-1.jpg\" alt=\"i-a4a0e247a38f3d15e352cad65f405c8a-abcv_sujet1-thumb-500x168.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div><\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dabei h\u00e4tten die Busse laut Vertrag mit der f\u00fcr die Werbung zust\u00e4ndigen Firma Gewista schon seit erstem Juni mit dem Sujet ausgestattet werden sollen. Den R\u00fcckzug findet daher auch der Auftraggeber der Kampagne, Niko Alm (Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Agentur Super-Fi), seltsam:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Es ist sehr ungew\u00f6hnlich, dass eine vertraglich vereinbarte Kampagne w\u00e4hrend der Laufzeit gestoppt wird&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Und was war der Grund f\u00fcr die pl\u00f6tzliche Ablehnung?<\/p>\n<p><em><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Einer der Grunds\u00e4tze der Wiener Linien ist, keine Werbung f\u00fcr politische Parteien oder religi\u00f6se Glaubensgemeinschaften auf den Fahrzeugen der Wiener Linien zuzulassen. Auch bei Werbung f\u00fcr atheistische Gruppen oder Glaubenstendenzen greift dieser Unternehmensgrundsatz. Insofern wurde das Ansuchen des Freidenkerbundes bzw. der AG-ATHE nach sorgf\u00e4ltiger Pr\u00fcfung abgelehnt.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/derstandard.at\/?url=\/?id=1244460160988\">sagt<\/a> ein Sprecher der Wiener Linien. <\/p>\n<p>Angesichts der vielen Werbeplakate von politischen Parteien, die sich an den Bushaltestellen befinden, ist das eine ziemlich seltsame Begr\u00fcndung (auch wenn in der Begr\u00fcndung nur von &#8222;Fahrzeugen&#8220; gesprochen wird). Das findet auch <em>Erich Eder<\/em>, von <a href=\"https:\/\/www.ag-athe.at\/\">AG-ATHE (AtheistInnen und AgnostikerInnen f\u00fcr ein s\u00e4kulares \u00d6sterreich)<\/a>:<\/p>\n<p><em><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Die Gewista, bei der die Fl\u00e4chen gebucht waren, hatte keine Einw\u00e4nde. Aber kaum sehen die Wiener Linien die Sujets, bekommen sie kalte F\u00fc\u00dfe&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><\/em><\/p>\n<p><em>Martin Luksan<\/em> vom Freidenkerbund meint:<\/p>\n<p><em><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Es ist f\u00fcr uns eine traurige \u00dcberraschung, dass man in Wien genau so reagiert wie in Deutschland oder Italien. Offenbar ist die Stadt doch noch nicht so weit, wie wir geglaubt haben sondern f\u00fcrchtet sich vor einer Diskussion&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><\/em><\/p>\n<p>Mehr Stellungnahmen gibt es bei <a href=\"https:\/\/www.politwatch.at\/stories\/wiener-linien-drehen-atheisten-buskampagne-ab\/\">Politwatch<\/a>.<\/p>\n<p>Ich kann nur zustimmen. Ich h\u00e4tte mich gefreut, wenn Wien offen genug gewesen w\u00e4re, diese Werbung zuzulassen. Wenn so etwas in einer \u00f6sterreichischen Stadt m\u00f6glich ist, dann in Wien &#8211; h\u00e4tte ich zumindest gedacht. Aber auch Wien ist anscheinend zu provinziell.<\/p>\n<p>In den \u00f6sterreichischen Blogs wird das Thema schon aufgegriffen. Bei <a href=\"https:\/\/www.theflowersaregone.at\/2009\/06\/da-hat-man-sich-schon-gefreut\/\">&#8222;The Flowers are gone&#8220;<\/a> wird folgendes Fazit gezogen: <\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Damit ist klar, was von Anfang an allerseits bef\u00fcrchtet wurde: Anstatt<br \/>\nzu einer offenen Diskussionskultur beizutragen und dabei noch Geld zu<br \/>\nverdienen, verschlie\u00dft sich der Staatsbetrieb lieber vor etwaigen<br \/>\nUnangenehmheiten mit der christlichen Kirche (die ja traditionell als<br \/>\nerste auf die Barrikaden steigt, wenn man es wagt, deren dogmatische<br \/>\nLehre anzufechten) und versteckt sich hinter angeblichen &#8222;Grunds\u00e4tzen&#8220;.<br \/>\nKomisch nur, dass so etwas die Verkehrsbetriebe in Spanien oder Kanada<br \/>\n&#8211; nicht gerade atheistische L\u00e4nder &#8211; nicht n\u00f6tig haben und aus der<br \/>\nZulassung der Sujets selbstverst\u00e4ndlich auch keine Sch\u00e4den bezieht. Die Vorstellung von \u00d6sterreich als weltoffener Staat wird damit einmal mehr dezimiert.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Feuerhaken.org meint: &#8222;<a href=\"https:\/\/feuerhaken.org\/2009-06-08\/wiener-linien-machen-sich-ins-hemd\/\">Wiener Linien machen sich ins Hemd<\/a>&#8222;. <a href=\"https:\/\/www.politwatch.at\/stories\/wiener-linien-drehen-atheisten-buskampagne-ab\/\">Politwatch.at<\/a> hat viele Stellungnahmen der Organisatoren der Buskampagne; unter anderem diese:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Aufgeben wolle man nicht, hei\u00dft es von den Proponenten. \u201eWir werden<br \/>\nalle M\u00f6glichkeiten aussch\u00f6pfen um diese Sujets doch noch an die<br \/>\n\u00d6ffentlichkeit zu bringen. Gerade der \u00fcberraschende Kampagnenstopp<br \/>\nzeigt, wie notwendig es in \u00d6sterreich ist, \u00fcber den Einfluss von<br \/>\nReligion in der Gesellschaft zu diskutieren&#8220;. Fraglich sei au\u00dferdem, ob<br \/>\nhier nicht Diskriminierung vorliege: \u201eWerbung von und f\u00fcr<br \/>\nReligionsgemeinschaften wird an \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen problemlos<br \/>\ngeduldet. Menschen, die nicht an Gott glauben, wird es schwer gemacht,<br \/>\nihre Meinung an die \u00d6ffentlichkeit zu bringen, auch wenn sie daf\u00fcr<br \/>\nbezahlen&#8220;. Die Organisationen erinnern daran, dass<br \/>\nReligionsgemeinschaften Sendezeit im \u00f6ffentlich-rechtlichen H\u00f6rfunk<br \/>\nbekommen. \u201eF\u00fcr AtheistInnen, FreidenkerInnen und HumanistInnen gibt es<br \/>\ndas nicht&#8220;.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Roman Korecky hat schon die <a href=\"https:\/\/roko.blog.at\/2009\/06\/08\/wiener-linien-und-das-recht-auf-freie-meinungsauserung\/\">ersten Protestmails<\/a> verfasst und an die Stadt Wien bzw. die Wiener Linien verschickt. <\/p>\n<p>Das alles zeigt aber nur nochmal, wie wichtig diese Kampagne ist! Es ist<br \/>\nanscheinend immer noch ein gro\u00dfes Problem, \u00f6ffentlich und deutlich die<br \/>\nMeinung zu verk\u00fcnden, dass Gott es eventuell keinen Gott gibt<br \/>\n(andersrum ist das nat\u00fcrlich v\u00f6llig problemlos m\u00f6glich). Atheisten sind<br \/>\nkeine Freaks, keine Verbrecher und auch nicht gef\u00e4hrlich: sondern ganz<br \/>\nnormale Menschen. Und um das auch der gl\u00e4ubigen Mehrheit klarzumachen,<br \/>\nbraucht es Werbung dieser Art. Es sollte in einer modernen Demokratie<br \/>\neigentlich kein Problem sein, Minderheitenmeinungen zu akzeptieren.<br \/>\nAber wenn es um Religion geht, haben viele L\u00e4nder damit anscheinend<br \/>\nimmer noch ein Problem. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern habe ich mich noch dar\u00fcber gefreut, dass es in \u00d6sterreich (im Gegensatz zu Deutschland) m\u00f6glich ist, atheistische Werbung im \u00f6ffentlichen Raum zu machen. 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