{"id":18018,"date":"2009-04-23T10:08:21","date_gmt":"2009-04-23T08:08:21","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/04\/23\/interstellarer-rum\/"},"modified":"2025-05-14T16:00:36","modified_gmt":"2025-05-14T14:00:36","slug":"interstellarer-rum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/04\/23\/interstellarer-rum\/","title":{"rendered":"Interstellarer Rum"},"content":{"rendered":"<p>Wissenschaftler vom <a href=\"https:\/\/www.mpifr-bonn.mpg.de\/public\/pr\/pr-c2h5ocho-dt.html\">Max-Planck-Institut f\u00fcr Radioastronomie in Bonn, der Universit\u00e4t K\u00f6ln und der Universit\u00e4t Cornell haben in unserer Milchstrasse<\/a> die Molek\u00fcle \u00c4thylformiat C<sub>2<\/sub>H<sub>5<\/sub>OCHO und n-Propylzyanid C<sub>3<\/sub>H<sub>7<\/sub>CN entdeckt.<\/p>\n<p>Das klingt jetzt erstmal nicht so wahnsinnig beeindruckend &#8211; ist es aber, wenn man bedenkt, dass sich diese Molek\u00fcle nicht irgendwo auf einem Planeten befinden, sondern &#8222;mitten im Nirgendwo&#8220;, zwischen den Sternen. Dass dort vielleicht mal das eine oder andere Atom mit einem Kollegen kollidiert und ein simples Molek\u00fcl bildet, kann man sich ja noch vorstellen. Aber wie k\u00f6nnen dort solche komplexen Molek\u00fcle wie die jetzt entdeckten entstehen?<\/p>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"6987\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/04\/23\/a-EtFo.php\" onclick=\"window.open('https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/04\/23\/a-EtFo.php','popup','width=886,height=539,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-1416b6bd4b969a588dae9872c24860d8-a-EtFo-thumb-500x304-1.jpeg\" alt=\"i-1416b6bd4b969a588dae9872c24860d8-a-EtFo-thumb-500x304.jpeg\" \/><\/a><\/form>\n<\/p>\n<div align=\"center\"><font style=\"font-size: 0.8em;\"><i><a href=\"https:\/\/www.mpifr-bonn.mpg.de\/public\/pr\/pr-c2h5ocho-dt.html\">\u00c4thylformiat. Bild: Oliver Baum, Universit\u00e4t K\u00f6ln<\/a><\/i><\/font><\/div>\n<p><!--more--><br \/>\nSolche Molek\u00fcle entstehen auch nicht wirklich im absolut leeren Raum, sondern in interstellaren Gaswolken. Im aktuellen Fall hat man eine gro\u00dfe Wolke im <i>Sternentstehungsgebiet Sagittarius B2<\/i> untersucht. Dort befindet sich auch ein junger Stern, dessen Strahlung man untersucht hat. Jedes Atom (und jedes Molk\u00fcl) &#8222;blockiert&#8220; nun einen characteristischen Teil der Strahlung des Sterns &#8211; und anhand dieser <i>Spektrallinien<\/i> kann man herausfinden, was sich in der Wolke befindet.<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich nicht so leicht wie es klingt. Je weniger von einem bestimmten Atom\/Molek\u00fcl vorhanden ist, desto schw\u00e4cher ist auch die Linie. Au\u00dferdem wird die Strahlung der komplexen Molek\u00fcle \u00fcber mehrere Linien verteilt. Sie zu identifizieren kann ziemlich knifflig sein &#8211; vor allem weil man in der ganzen Wolke etwa 3700 Spektrallinien gefunden hat.<\/p>\n<p>Und wie haben sich diese komplexen Molek\u00fcle nun gebildet? Molek\u00fcle k\u00f6nnen nicht nur durch Kollisionen von Gasatomen entstehen, sondern auch durch chemische Reaktionen an Staubteilchen, die sich ebenfalls in der Wolke befinden. Die Forscher vom MPIfR haben nun <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/0902.4694\">herausgefunden<\/a>, dass sich die komplexen Molek\u00fcle nicht Atom f\u00fcr Atom bilden sondern sich aus St\u00fccken &#8222;vorgefertigter&#8220; einfacherer Molek\u00fcle zusammensetzen k\u00f6nnen. Diese wurden vorher an den Staubteilchen gebildet. <\/p>\n<p>Einer der beteiligten Forscher, Robin Garrod (Universit\u00e4t Cornell) meint dazu:<\/p>\n<blockquote><p><i> &#8222;Es gibt anscheinend keine Begrenzung<br \/>\nf\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe der Molek\u00fcle, die durch diesen Prozess<br \/>\nerzeugt werden k\u00f6nnen &#8212; wir erwarten sogar noch<br \/>\nkomplexere Molek\u00fcle, wenn wir sie \u00fcberhaupt nur entdecken<br \/>\nk\u00f6nnen.&#8220;<\/i><br \/>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich eine interessante Behauptung. Denn diese astrochemischen Prozesse sind aus verschiedensten Gr\u00fcnden von Bedeutung. Das, was im interstellaren Raum an komplexen Molek\u00fclen herumschwirrt, kann irgendwann auch mal auf der Oberfl\u00e4che eines Planeten landen. Manche Wissenschaftler vermuten, dass vielleicht auch so die ersten Bausteine des Lebens auf die Erde gelangt sind. Man sucht zwar schon seit einiger Zeit nach Glyzin (NH<sub>2<\/sub>CH<sub>2<\/sub>COOH), der einfachsten Aminos\u00e4ure (und ein wichtiger Bestandteil fast aller Proteine) &#8211; hat bis jetzt aber noch nichts gefunden. Von der Komplexit\u00e4t her ist Glyzin allerdings durchaus mit den jetzt gefundenen Molek\u00fclen zu vergleichen &#8211; man darf also hoffen!<\/p>\n<p>Ach ja, der Rum! Eines der beiden entdecketn Molek\u00fcle, \u00c4thylformiat, hat einen typischen Rumgeruch&#8230; (Manche Medien behaupten auch, <a href=\"https:\/\/diepresse.com\/home\/science\/472718\/index.do?from=gl.home_wissenschaft\">Himbeeren<\/a> h\u00e4tten ihren Geschmack dem \u00c4thylformiat zu verdanken. Kann das vielleicht ein Chemiker verifizieren? Dann k\u00f6nnte man sich in Sagittarius B2 ja nen netten Cocktail mixen \ud83d\ude09 ).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut f\u00fcr Radioastronomie in Bonn, der Universit\u00e4t K\u00f6ln und der Universit\u00e4t Cornell haben in unserer Milchstrasse die Molek\u00fcle \u00c4thylformiat C2H5OCHO und n-Propylzyanid C3H7CN entdeckt. 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