{"id":17961,"date":"2009-04-01T18:55:10","date_gmt":"2009-04-01T16:55:10","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/04\/01\/mysterioser-mull\/"},"modified":"2025-05-14T15:59:55","modified_gmt":"2025-05-14T13:59:55","slug":"mysterioser-mull","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/04\/01\/mysterioser-mull\/","title":{"rendered":"Mysteri\u00f6ser M\u00fcll"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich sollte man ja meinen, dass es beim Weltraumm\u00fcll nicht viel neues zu entdecken gibt. Immerhin haben wir den Kram ja selbst dort rauf gebracht &#8211; wir sollten doch eigentlich wissen, um was es sich handelt.<\/p>\n<p>Der Vortrag von Thorsten Schildknecht von der Universit\u00e4t Bern, den ich heute bei der <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/03\/weltraumschrott-in-darmstadt.php\">Konferenz \u00fcber Weltraumschrott in Darmstadt<\/a> geh\u00f6rt habe, kommt zu einem anderen Ergebnis. Auch der M\u00fcll im All hat \u00dcberraschungen f\u00fcr uns parat und seine Erforschung ist oft genau so spannend, wie die der nat\u00fcrlichen Himmelsk\u00f6rper.<\/p>\n<p>Schildknecht sprach \u00fcber die Arbeit der letzten 10 Jahre am <em>&#8222;ESA Space Debris Telescope&#8220;<\/em>. Eigentlich ist das gar nicht der offizielle Name. Bei diesem Teleskop handelt es sich um die Optische Bodenstation (Optical Ground Station) der europ\u00e4ischen Weltraumagentur ESA am Teide Observatorium in Teneriffa:<\/p>\n<form mt:asset-id=\"6522\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-14711fff0a96c8f1d0058399e94acde6-OGS teide circumpolares.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-14711fff0a96c8f1d0058399e94acde6-OGS teide circumpolares.jpg','popup','width=550,height=368,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-dced59036367da828db3cba5afd0efe6-OGS-teide-circumpolares-thumb-500x334-1.jpg\" alt=\"i-dced59036367da828db3cba5afd0efe6-OGS teide circumpolares-thumb-500x334.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<p align=\"center\"><font style=\"font-size: 0.8em;\"><i><a href=\"https:\/\/www.ot-admin.net\/basura\/index_ing.htm\">Bild: OGS-ESA<\/a><\/i><\/font><\/p>\n<p>Da das 1-m Teleskop dort aber sehr oft f\u00fcr die Beobachtung des Weltraumm\u00fclls eingesetzt wird, hat sich im Laufe der Zeit der Name &#8222;Space Debris Telescope&#8220; eingeb\u00fcrgert. Seit August 1999 werden dort optische Beobachtungen des Weltraumschrotts durchgef\u00fchrt; durchschnittlich 80 N\u00e4chte pro Jahr.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"6525\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-7cc41d49cbce70551808b74272777a19-GTO_Orbit.png\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-7cc41d49cbce70551808b74272777a19-GTO_Orbit.png','popup','width=350,height=257,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-314a80a402b98a8661e2e7b5671dbe6e-GTO_Orbit-thumb-150x110-1.png\" alt=\"i-314a80a402b98a8661e2e7b5671dbe6e-GTO_Orbit-thumb-150x110.png\" \/><\/a><\/form>\n<p>Dabei hat man sich anf\u00e4nglich auf die sg. GTO-Region konzentriert. GTO steht f\u00fcr &#8222;Geostationary Transfer Orbit&#8220; und meint Bahnen von k\u00fcnstlichen Himmelsk\u00f6rpern, deren erdfernster Punkt in der Region der geostation\u00e4ren Satelliten liegt (etwa 36000 km von der Erde entfernt); deren erdn\u00e4chster Punkt aber sehr nahe der Erde ist. Diese stark elliptischen Bahnen werden benutzt, um Satelliten in geostation\u00e4re Bahnen zu bringen.&nbsp;<\/p>\n<p>Entlang dieser Bahnen gibt es nat\u00fcrlich auch viel Schrott &#8211; im Juni 2002 hat man mit dem <em>Space Debris Telescope <\/em>aber auch Objekte gefunden, die sich &#8222;seltsam&#8220; verhalten. Die gro\u00dfen Halbachsen ihrer Bahnen sind ebenso gro\u00df wie die der GTO-Objekte; ihre Exzentrizit\u00e4t ist aber viel geringer. Allerdings auch nicht kreisf\u00f6rmig, so wie die Bahnen der echten geostation\u00e4ren Satelliten.<\/p>\n<p>Man konnte sich vorerst nicht vorstellen, wo diese &#8222;neue&#8220; Population an Weltraumschrott herkam. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es m\u00f6glich, dass Schrott von Satelliten in geostation\u00e4ren Bahnen durch Bahnst\u00f6rungen in diese Bereiche gekommen war. Aber eigentlich war das eher unwahrscheinlich. Viel eher w\u00e4re es m\u00f6glich, dass der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Strahlungsdruck\">Strahlungsdruck<\/a> der Sonne daf\u00fcr gesorgt hat, dass sich die Exzentrizit\u00e4t der Bahnen der Schrottteilchen im Laufe der Zeit erh\u00f6ht hat. Daf\u00fcr m\u00fcsste aber ihr <i>&#8222;Area to Mass Ratio&#8220; (AMR<\/i>), also das Verh\u00e4ltnis von Oberfl\u00e4che zu Masse, relativ gro\u00df sein.&nbsp;<\/p>\n<p>Man begann also die physikalischen Eigenschaften dieser seltsamen M\u00fcllpopulation genauer zu untersuchen und stellte fest, dass sie tats\u00e4chlich alle einen hohen AMR-Wert hatten. Nun wollte man nat\u00fcrlich wissen, mit was man es hier zu tun hat und benutzte dazu auch das <a href=\"https:\/\/www.aiub.unibe.ch\/content\/zimmerwald\/index_ger.html\">Zimmerwald-Observatorium<\/a> der Universit\u00e4t Bern.&nbsp;<\/p>\n<p>Hier beobachtete man Lichtkurven der Objekte (d.h. man untersuchte, wie sich die Helligkeit im Lauf der Zeit \u00e4ndert) um so R\u00fcckschl\u00fcsse \u00fcber das Rotationsverhalten ziehen zu k\u00f6nnen. Man bestimmte die Farbe der Objekte und nahm sogar Spektren auf (das allerdings dann wieder mit dem Teleskop in Teneriffa).&nbsp;<\/p>\n<p>Dabei hat man unter anderem festgestellt, dass es einige Objekte gibt, deren AMR-Wert sich im Laufe der Zeit \u00e4ndert!<\/p>\n<p>Bis jetzt wei\u00df man immer noch nicht, um was es sich hier genau handelt. Ich habe Herrn Schildknecht nach dem Votrag nochmal gefragt, und er meinte, dass es sich hier wahrscheinlich um St\u00fccke handelt, die von funktionierenden Satelliten abgefallen sind &#8211; beispielsweise Isoliermaterial. Aber um genau sagen zu k\u00f6nnen, wo diese seltsame Population an Weltraumm\u00fcll herkommt, muss man noch weiterforschen.<\/p>\n<p>Einerseits ist der M\u00fcll im Weltraum nat\u00fcrlich ein gro\u00dfes Problem. Aber irgendwie ist es sch\u00f6n zu wissen, dass selbst der Schrott noch f\u00fcr ein paar spannende wissenschaftliche R\u00e4tsel gut ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich sollte man ja meinen, dass es beim Weltraumm\u00fcll nicht viel neues zu entdecken gibt. Immerhin haben wir den Kram ja selbst dort rauf gebracht &#8211; wir sollten doch eigentlich wissen, um was es sich handelt. 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