{"id":17954,"date":"2009-03-31T15:12:56","date_gmt":"2009-03-31T13:12:56","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/03\/31\/weltraumschrott-in-darmstadt\/"},"modified":"2025-05-14T15:59:54","modified_gmt":"2025-05-14T13:59:54","slug":"weltraumschrott-in-darmstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/03\/31\/weltraumschrott-in-darmstadt\/","title":{"rendered":"Weltraumschrott in Darmstadt"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Darmstadt&#8220; &#8211; das klingt irgendwie ganz anders als &#8222;Cape Canaveral&#8220; oder &#8222;Houston&#8220;. Trotzdem befindet sich dort das Satellitenkontrollzentrum <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/SPECIALS\/ESOC\/index.html\">ESOC<\/a> der europ\u00e4ischen Weltraumagentur <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/\">ESA<\/a>. Und dort findet diese Woche eine <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/SPECIALS\/Space_Debris\/SEMIHQKTYRF_0.html\">gro\u00dfe Konferenz<\/a> zum Thema &#8222;<i>Weltraumschrott<\/i>&#8220; statt. Als Himmelsmechaniker muss ich da nat\u00fcrlich dabei sein. Ich habe mich in meiner wissenschaftlichen Arbeit zwar nie direkt mit k\u00fcnstlichen Himmelsk\u00f6rpern besch\u00e4ftigt (mit der Ausnahme meiner Zeit beim \u00f6sterreichischen Bundesheer als ich als <i>&#8222;milit\u00e4rwissenschaftler Experte<\/i>&#8220; eine Arbeit \u00fcber Satellitenabst\u00fcrze und Asteroideneinschl\u00e4ge schreiben durfte) &#8211; aber ob man nun die Bahnen von Asteroiden oder die von Satelliten untersucht, macht keinen gro\u00dfen Unterschied.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"6484\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-e56b2af35459fd22764ebc5d839aa188-esoc1.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-e56b2af35459fd22764ebc5d839aa188-esoc1.jpg','popup','width=2048,height=1536,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-e10d6146e754c7df2ebfa53f99801d22-esoc1-thumb-500x375-1.jpg\" alt=\"i-e10d6146e754c7df2ebfa53f99801d22-esoc1-thumb-500x375.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<p align=\"center\"><i><font style=\"font-size: 0.8em;\">Der Eingang zum European Space Operations Centre (Danke an <a href=\"https:\/\/twitter.com\/AndreasSchepers\">Andreas Schepers<\/a> f\u00fcr die F\u00fchrung)<\/font><\/i><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist das nicht ganz richtig. Satellitenbahnen sind schon ein wenig anders als die Bahnen nat\u00fcrlicher Himmelsk\u00f6rper. Satelliten haben ja oft einen eigenen Antrieb und die Analysen m\u00fcssen hier <i>viel<\/i> exakter sein als bei den Asteroiden. Da m\u00fcssen Effekte der speziellen Relativit\u00e4tstheorie ber\u00fccksichtigt werden; man darf die Erde nicht einfach als Punktmasse ann\u00e4hern (so wie wir Himmelsmechaniker das gerne machen \ud83d\ude09 ) und man muss auch andere, nicht-gravitative Effekte (Strahlungsdruck, &#8230;) ber\u00fccksichtigen. <\/p>\n<p>Aber prinzipiell wirken auf Satelliten die gleichen Kr\u00e4fte wie auf Asteroiden. Bl\u00f6d ist es nur dann, wenn Satelliten kaputtgehen. Von all den k\u00fcnstlichen Himmelsk\u00f6rpern, die wir seit 1957, als <i>Sputnik I<\/i> das erste Mal seine Bahn \u00fcber den Himmel zog, in eine Erdumlaufbahn gebracht haben, ist die \u00fcberwiegende Mehrheit schon l\u00e4ngst kaputt oder abgest\u00fcrzt. Denn auch in H\u00f6hen von hunderten Kilometern wo man eigentlich schon l\u00e4ngst den &#8222;leeren&#8220; Weltraum vermutet, gibt es noch ein bisschen Atmosph\u00e4re. Und dadurch ein bisschen Reibung. Die Satelliten verlieren also langsam aber stetig Energier. Je n\u00e4her sie der Erde sind, desto mehr. Spionagesatelliten beispielsweise umkreisen die Erde sehr nahe und haben daher eine Lebensdauer, die nur einige Monate betragen kann. <\/p>\n<p align=\"left\">Viele der kleineren Satelliten vergl\u00fchen beim Wiedereintritt in die Atmosph\u00e4re und stellen keine Gefahr mehr dar. Manche der gr\u00f6\u00dferen Objekte wie zum Beispiel die <a href=\"https:\/\/www.raumfahrtmuseum.at\/das_ende_der_mir.html\">Raumstation MIR werden gezielt im Ozean zum Absturz<\/a> gebracht. Letztes Jahr hat man einen a<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=OhdHkoal31o\">bst\u00fcrzenden Satelliten auch durch Raketenbeschu\u00df<\/a> pulverisiert. Aber in vielen F\u00e4llen gibt man den ausrangierten Satelliten noch einen letzten Schub mit dem Triebwerk und schickt sie auf hohe &#8222;Parkorbits&#8220;<i>.<\/i><\/p>\n<form mt:asset-id=\"6487\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-787431aff4cdb6e433fd2169e11c3874-esoc2.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-787431aff4cdb6e433fd2169e11c3874-esoc2.jpg','popup','width=2048,height=1536,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-85ebc4069f192be40c3ae9d30d3ffdad-esoc2-thumb-500x375-1.jpg\" alt=\"i-85ebc4069f192be40c3ae9d30d3ffdad-esoc2-thumb-500x375.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<p align=\"center\"><i><font style=\"font-size: 0.8em;\">Einer der Kontrollr\u00e4ume im European Space Operations Centre (Danke an <a href=\"https:\/\/twitter.com\/AndreasSchepers\">Andreas Schepers<\/a> f\u00fcr die F\u00fchrung)<\/font><\/i><\/p>\n<div align=\"left\">\n<\/div>\n<p align=\"left\">Und da bleiben sie dann. F\u00fcr sehr lange Zeit. Zu ihnen gesellt sich jede Menge anderer Weltraumm\u00fcll. Raketentanks, anderer Teile, die hier und da abgefallen sind und auch der eine andere <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/zoonpolitikon\/2008\/11\/den-schraubenzieher-mit-dem-feldstecher-suchen-neues-von-der-iss.php\">Werkzeugkoffer<\/a> schwebt dort oben herum. Mittlerweile stellt dieser Weltraumschrott eine nicht unbetr\u00e4chtliche Gefahr f\u00fcr die Raumfahrt dar. Im Weltall ist zwar viel Platz &#8211; aber mit Satelliten und Raumschiffen kann man nicht einfach durchs All kreuzen wie mit einem Auto oder Flugzeug. Viele Satelliten erf\u00fcllen ihre Aufgabe nur an ganz bestimmten Orten.<\/p>\n<div align=\"left\">\n<\/div>\n<p align=\"left\">Daher ist es wichtig, den Schrott im Auge zu behalten, wenn man ihn schon nicht entfernen kann. Die Weltraumorganisationen machen sich viel M\u00fche, jedes auch noch so kleine Schrottteilchen im Auge zu behalten und dessen Bahn zu verfolgen. Das kann ziemlich knifflig sein. Die erst <a href=\"https:\/\/www.netzeitung.de\/vermischtes\/1273937.html\">k\u00fcrzlich erfolgte Kollision zweier Satelliten<\/a> hat zum Beispiel eine Tr\u00fcmmerwolke erzeugt, die den Leuten noch lange Kopfzerbrechen erzeugen wird. Erst vor kurzem ist die Besatzung der internationalen Welltraumstation ISS nur <a href=\"https:\/\/www.netzeitung.de\/spezial\/weltraum\/1297477.html\">knapp einer Evakuierung entgangen<\/a>. Ein St\u00fcck M\u00fcll war im Anflug und es war gro\u00df genug, um die ISS ernsthaft zu gef\u00e4hrden. Die Astronauten mussten sicherheitshalber in das gerade angedockte Shuttle ausweichen um im Fall einer Kollision fl\u00fcchten zu k\u00f6nnen. Gl\u00fccklicherweise ist diesmal nichts passiert &#8211; aber solche Man\u00f6ver k\u00f6nnten durchaus Standard werden, wenn sich an der Situation nichts \u00e4ndert. Schon jetzt m\u00fcssen viele  Satelliten immer wieder mal ein wenig ihre Bahn ver\u00e4ndern, um einer Kollision zu entgehen.<\/p>\n<form mt:asset-id=\"6490\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\" contenteditable=\"false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-1ff5acc8b24396dbb9a003e5cb0fe4cc-weltraumschrott.png\" alt=\"i-1ff5acc8b24396dbb9a003e5cb0fe4cc-weltraumschrott.png\" \/><\/form>\n<p align=\"center\"><font style=\"font-size: 0.8em;\"><i>Weltraumschrott in der N\u00e4he der Erde (Bild: ESA)<\/i><\/font><\/p>\n<p>Auf der Konferenz in Darmstadt werden alle diese Aspekte ausf\u00fchrlich behandelt. Man macht sich Gedanken dar\u00fcber, wie man die Schrottteile am besten im Blick beh\u00e4lt bzw. unbekannte Objekte m\u00f6glichst schnell aufsp\u00fcrt. Man untersucht, wie sich eine zuk\u00fcnftige &#8222;Verm\u00fcllung&#8220; des erdnahen Weltraums am besten vermeiden l\u00e4sst und was man tun kann, um Zusammenst\u00f6\u00dfe im erdnahen Weltraum zu vermeiden.<\/p>\n<p>Heute und Morgen werde ich von dieser Konferenz berichten und hoffentlich einige interessante Berichte f\u00fcr mein Blog sammeln k\u00f6nnen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Darmstadt&#8220; &#8211; das klingt irgendwie ganz anders als &#8222;Cape Canaveral&#8220; oder &#8222;Houston&#8220;. Trotzdem befindet sich dort das Satellitenkontrollzentrum ESOC der europ\u00e4ischen Weltraumagentur ESA. Und dort findet diese Woche eine gro\u00dfe Konferenz zum Thema &#8222;Weltraumschrott&#8220; statt. Als Himmelsmechaniker muss ich da nat\u00fcrlich dabei sein. 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