{"id":17894,"date":"2009-03-04T12:35:43","date_gmt":"2009-03-04T11:35:43","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/03\/04\/wurden-gravitationswellen-schon-vor-22-jahren-entdeckt\/"},"modified":"2025-05-14T15:59:50","modified_gmt":"2025-05-14T13:59:50","slug":"wurden-gravitationswellen-schon-vor-22-jahren-entdeckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2009\/03\/04\/wurden-gravitationswellen-schon-vor-22-jahren-entdeckt\/","title":{"rendered":"Wurden Gravitationswellen schon vor 22 Jahren entdeckt?"},"content":{"rendered":"<p>Gravitationswellen werden von der allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie vorhergesagt. Im Gegensatz zu Newton, der meinte, dass die Gravitationskraft instantan \u00fcbertragen wird, zeigte Albert Einstein, dass sich \u00c4nderungen im Gravitationsfeld mit Lichtgeschwindigkeit durch den Raum ausbreiten.<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten schon probieren Wissenschaftler, diese Gravitationswellen im Raum direkt nachzuweisen &#8211; da die messbaren Effekte allerdings so gering sind, ist das bis jetzt noch nicht gelungen. Wir haben bis jetzt nur indirekte Hinweise auf die Existenz von Gravitationswellen: Russell Hulse und Joseph Taylor untersuchten in den siebziger Jahren, wie sich die beiden Komponenten des Doppelpulsars <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/PSR_1913%2B16\">PSR 1913+16<\/a> umkreisten. Dabei handelt es sich um 2 Neutronensterne; extrem kompakte Objekte, die bei einer Supernova entstehen. Sie konnten zeigen, dass sich deren Umlaufgeschwindigkeit geringf\u00fcgig verlangsamte &#8211; genau das, was man erwarten w\u00fcrde, wenn die Objekte Gravitationsenergie durch Abstrahlung von Gravitationswellen verlieren. Die beobachtete Verlangsamung entsprach dabei genau den Vorhersagen aus der allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie. Hulse und Taylor bekamen f\u00fcr ihre Entdeckung 1993 den Nobelpreis f\u00fcr Physik.<\/p>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"5951\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-c3748bf16286b2b3ecf6c8c8d3f76d3e-geo600.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-c3748bf16286b2b3ecf6c8c8d3f76d3e-geo600.jpg','popup','width=400,height=282,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-8f0d87c07d5775422798378b0d639762-geo600-thumb-200x141-1.jpg\" alt=\"i-8f0d87c07d5775422798378b0d639762-geo600-thumb-200x141.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<p>Aber ein direkter Nachweis von Gravitationswellen steht immer noch aus und Physiker auf der ganzen Welt suchen danach. Ein solcher Gravitationswellendetektor &#8211; <a href=\"https:\/\/geo600.aei.mpg.de\/\">GEO600<\/a> &#8211; steht beispielsweise in der N\u00e4he von Hannover (Bild rechts). Dieses deutsch-britische Projekt sucht seit 2005 nach Gravitationswellen &#8211; bisher erfolglos. Die n\u00f6tige Genauigkeit f\u00fcr einen Nachweis konnte bis jetzt noch nicht erreicht werden.<\/p>\n<p>Die ersten Experimente zum direkten Nachweis von Gravitationswellen wurden&nbsp; ab 1958 von Joseph Weber an der Universit\u00e4t Maryland durchgef\u00fchrt (der \u00fcbrigens ma\u00dfgeblich an der Entwicklung des Lasers beteiligt war). Er versuchte damals die Wellen durch die Messung von Schwingungen an gro\u00dfen Aluminiumzylindern nachzuweisen:<\/p>\n<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"5954\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-e0da91c477a8bad474a8e7c4165b507f-weber.jpg\" alt=\"i-e0da91c477a8bad474a8e7c4165b507f-weber.jpg\" \/><\/form>\n<p align=\"center\"><font style=\"font-size: 0.8em;\"><i><a href=\"https:\/\/www.geo600.uni-hannover.de\/%7Eaufmuth\/JoeWeber.pdf\">Bild: GEO600, Uni Hannover<\/a><\/i><\/font><\/p>\n<p>Allerdings erwiesen sich auch hier die externen St\u00f6rungen als zu gro\u00df, um einen Nachweis zu erbringen &#8211; die Messergebnisse waren nicht eindeutig genug. Webers vermutete einige Male, dass er <a href=\"https:\/\/prola.aps.org\/abstract\/PRL\/v22\/i24\/p1320_1\">Gravitationswellen detektiert<\/a> hatte. Seine Ergebnisse konnten allerdings nie reproduziert werden. <\/p>\n<p>Auch im Februar 1987 meldete Weber eine <a href=\"https:\/\/www.springerlink.com\/content\/5mr2103798l7ux48\/\">Detektion von Gravitationswellen<\/a>. Das war bemerkenswert &#8211; denn seine Detektion fand zum gleichen Zeitpunkt statt, als Astronomen die ber\u00fchmte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/SN_1987A\">Supernova 1987A<\/a> entdeckten. Und Supernova-Ausbr\u00fcche geh\u00f6ren zu den Ereignissen, von denen man sich starke Gravitationswellen erwarten w\u00fcrde!<\/p>\n<p>Allerdings war auch hier die Meinung der wissenschaftlichen Community gespalten &#8211; viele glaubten nicht, das Weber tats\u00e4chlich die Gravitationswellen der Supernova gemessen hatte. Seine Instrumente seien daf\u00fcr nicht sensibel genug. Bis zum Tod Webers im Jahr 2002 arbeitete er weiter an der Verbesserung der Gravitationswellendetektoren und hat damit den Weg f\u00fcr die modernen Experimente und Projekte bereitet. Aber obwohl er immer davon \u00fcberzeugt war, die Wellen gemessen zu haben, hat sich diese Ansicht in der wissenschaftlichen Gemeinschaft nie durchgesetzt. Seine Arbeiten blieben immer umstritten (Weber war aber trotzdem kein Au\u00dfenseiter in der Wissenschaft. Seine Arbeit wurde von vielen gesch\u00e4tzt &#8211; auch wenn sie die Ergebnisse anzweifelten. Er bekam viele wissenschaftliche Ehrungen und es gibt seit 2002 einen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joseph-Weber-Preis_f%C3%BCr_astronomische_Instrumentierung\">Joseph Weber Award f\u00fcr astronomische Instrumentierung<\/a>).<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte sich jetzt vielleicht \u00e4ndern. Am Montag erschien auf dem Preprint-Server arXiv eine Arbeit mit dem Titel &#8222;<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/0903.0252\">Gravitational Wave Sources May Be &#8222;Closer&#8220; Than We Think<\/a>&#8220; von Asghar Qadir vom <i>Centre for Advanced Mathematics and Physics<\/i> in Rawalpindi, Pakistan. <\/p>\n<p>Darin zeigt er, dass die St\u00e4rke der Gravitationswellen bis jetzt vermutlich immer falsch berechnet wurde. Unter bestimmten Umst\u00e4nden &#8211; dann, wenn die Gravitationswellen asymmetrisch erzeugt werden, k\u00f6nnen sie viel st\u00e4rker sein. Genau so eine Asymmetrie findet man bei der Supernova 1987A und Qadir rechnete aus, dass die Wellen von dort um einen Faktor 10000 st\u00e4rker gewesen sein k\u00f6nnten, als angenommen! <\/p>\n<p>Es ist also durchaus m\u00f6glich, dass Weber 1987 <i>tats\u00e4chlich<\/i> als erster Gravitationswellen direkt nachgewiesen hat! Man m\u00fcsste seine damaligen Experimente und Daten noch einmal genau ansehen und \u00fcberpr\u00fcfen. Weber wird eine eventuelle Rehabilitierung leider nicht mehr erleben &#8211; aber aus wissenschaftlicher Sicht k\u00f6nnte man aus einer neuen Untersuchung seiner Experimente viel lernen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gravitationswellen werden von der allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie vorhergesagt. Im Gegensatz zu Newton, der meinte, dass die Gravitationskraft instantan \u00fcbertragen wird, zeigte Albert Einstein, dass sich \u00c4nderungen im Gravitationsfeld mit Lichtgeschwindigkeit durch den Raum ausbreiten. 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