{"id":17720,"date":"2008-11-27T13:55:31","date_gmt":"2008-11-27T12:55:31","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/11\/27\/hilfsbedurftige-satelliten\/"},"modified":"2025-05-14T15:59:37","modified_gmt":"2025-05-14T13:59:37","slug":"hilfsbedurftige-satelliten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/11\/27\/hilfsbedurftige-satelliten\/","title":{"rendered":"Hilfsbed\u00fcrftige Satelliten"},"content":{"rendered":"<form contenteditable=\"false\" mt:asset-id=\"4485\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-1cc54f74da0230fd89c46019761f4da6-G-ESP-2004-1-low.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-b4718403ad0e673607bdb2e38c1404fb-G-ESP-2004-1-low-thumb-200x141-1.jpg\" alt=\"i-b4718403ad0e673607bdb2e38c1404fb-G-ESP-2004-1-low-thumb-200x141.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<p>Gerade habe ich einen interessanten Vortrag im Instituts-Kolloquium geh\u00f6rt. Es geht dabei um den europ\u00e4ischen Satelliten <a href=\"https:\/\/www.ari.uni-heidelberg.de\/gaia\/deutschinfo\/was_ist_gaia.php\">GAIA<\/a> (Bild rechts, <a href=\"https:\/\/www.rssd.esa.int\/index.php?project=GAIA&amp;page=IG_Spacecraft_artistic\">ESA<\/a>). Das bedeutet <i>&#8222;Globales Astrometrisches Interferometer f\u00fcr die Astrophysik&#8220;<\/i>. Von diesem Satellit, der im Dezember 2011 starten soll, erwarten sich die Astronomen enorm viel! <\/p>\n<p>Ziel der Mission ist es &#8211; simpel gesagt &#8211; die Positionen der Sterne in unserer Milchstrasse (zumindest der meisten) extrem genau zu vermessen. Das klingt vielleicht ein bisschen langweilig &#8211; ist aber ziemlich wichtig! Denn nur wenn die Positionen der Sterne genau genug bekannt sind, l\u00e4sst sich weitere Forschung, z.B. \u00fcber Entstehung und Entwicklung der Milchstrasse, darauf aufbauen. <\/p>\n<p>Und als Nebenprodukt wird GAIA noch jede Menge andere Objekte am Himmel entdeckt. Man sch\u00e4tzt dass<\/p>\n<blockquote>\n<ul>\n<li>bis zu einer Million Asteroiden und Kometen innerhalb unseres Sonnensystems\n<\/li>\n<li>drei\u00dfigtausend Planeten au\u00dferhalb unseres Sonnensystems\n<\/li>\n<li>f\u00fcnfzigtausend &#8222;misslungene&#8220; Sterne, sogenannte Braune Zwerge\n<\/li>\n<li>mehrere hunderttausend erloschene Stern\u00fcberreste, sogenannte Wei\u00dfe Zwerge\n<\/li>\n<li>zwanzigtausend explodierende Sterne, sogenannte Supernovae\n<\/li>\n<li>hunderttausende weit entfernte aktive Galaxien, sogenannte Quasare\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p>von GAIA entdeckt werden k\u00f6nnen (<a href=\"https:\/\/www.ari.uni-heidelberg.de\/gaia\/deutschinfo\/was_ist_gaia.php\">Quelle<\/a>). <font style=\"font-size: 0.8em;\">U<i>nd eventuell auch die <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/zoonpolitikon\/2008\/11\/den-schraubenzieher-mit-dem-feldstecher-suchen-neues-von-der-iss.php\">Werkzeugtasche von der ISS <\/a>\ud83d\ude09 <\/i><\/font><\/p>\n<p>Und das ist dann doch recht beachtlich. Kein Wunder also, dass Astronomen auf der ganzen Welt auf eine erfolgreiche Mission der europ\u00e4ischen Weltraumagentur ESA hoffen. <\/p>\n<p>Damit GAIA aber so exakt funktioniert, wie man es sich erhofft, ist es notwendig, die Position des Satelliten am Himmel genau zu kennen (der Ort muss auf etwa 150 Meter und die Geschwindigkeit auf 2,5 mm pro Sekunde bekannt sein). Denn wenn man nicht genau wei\u00df, wo sich der Satellit befindet, kann man auch die Positionen der Himmelsobjekte nicht genau bestimmen (bzw. nur mit einer geringeren Genauigkeit). Am Besten w\u00e4re es also daher, wenn man 2 seperate Bodenstationen h\u00e4tte &#8211; dann kann der Satellit aus 2 verschiedenen Richtungen angepeilt werden und die Positionsbestimmung ist kein Problem. <\/p>\n<p>Nun will (kann?) die ESA aber kein Geld f\u00fcr eine zweite Bodenstation ausgeben und man muss sich etwas anderes \u00fcberlegen, um die Position von GAIA zu bestimmen. Dieses Problem war Thema des Vortrags. Im Prinzip l\u00e4uft es darauf hinaus, dass man probiert, den Satelliten mit Teleskopen von der Erde aus zu beobachten. Das ist allerdings nicht unbedingt trivial: so ein Satellit ist der Erde zwar vergleichsweise nahe (GAIA befindet sich aber mit 1,5 Millionen Kilometern trotzdem sehr weit entfernt), er ist aber auch extrem klein und leuchtschwach (GAIA wird in etwa 19 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Scheinbare_Helligkeit\">Magnituden<\/a> haben).&nbsp;<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass der Satellit f\u00fcr die gesamte Dauer der Mission (mindestens 5 Jahre) t\u00e4glich beobachtet werden muss. Die Leute von GAIA-GBOT (<i>GAIA-Ground Based Optical Tracking<\/i>) m\u00fcssen im Moment also jede Menge technische und astronomische Probleme l\u00f6sen, um GAIA von der Erde aus so genau beobachten zu k\u00f6nnen. Sie sind aber auch auf der Suche nach Sternwarten, die ein bisschen ihrer Beobachtungszeit f\u00fcr die GAIA-Messungen zur Verf\u00fcgung stellen. Den idealerweise sollte der Satellit von mehreren Sternwarten aus ins Visier genommen werden (und ein paar sollte man auch immer in Reserve haben, falls mal schlechtes Wetter ist). <\/p>\n<p>Schon irgendwie absurd: Da wird eine Weltraummission der Superlative gestartet und knapp eine halbe Milliarde Euro investiert. Aber eine vergleichsweise kleine Summe f\u00fcr eine zweite Bodenstation, um die F\u00e4higkeiten des Satelliten optimal auszunutzen und die hohe Genauigkeit der Messdaten zu bekommen, ist dann nicht mehr drin. Stattdessen ist man nun auf den guten Willen der internationalen astronomischen Community angewiesen die hoffentlich genug Beobachtungszeit an geeigneten Teleskopen zur Verf\u00fcgung stellt.<\/p>\n<p>Aber so was kommt leider \u00f6fter vor als man denkt. Zuerst wird viel investiert &#8211; und sp\u00e4ter werden schon geringste Kosten gescheut, die aber n\u00f6tig w\u00e4ren um z.B. die Daten, die man aus einer teuren Weltraummission erhalten hat, auch vern\u00fcnftig auszuwerten. <\/p>\n<p>Naja &#8211; ich denke mal die GAIA-Mission wird trotz allem h\u00f6chst erfolgreich sein. Es werden sich sicherlich gen\u00fcgend Sternwarten finden, die hier bei der Beobachtung mithilfen (au\u00dferdem gibt es noch alternative Pl\u00e4ne falls das mit der bodengebundenen Beobachtung doch nicht klappen sollte). Aber ein bisschen gewundert habe ich mich \u00fcber die europ\u00e4ische Weltraumforschung trotzdem wieder mal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade habe ich einen interessanten Vortrag im Instituts-Kolloquium geh\u00f6rt. Es geht dabei um den europ\u00e4ischen Satelliten GAIA (Bild rechts, ESA). Das bedeutet &#8222;Globales Astrometrisches Interferometer f\u00fcr die Astrophysik&#8220;. 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