{"id":17609,"date":"2008-04-07T19:40:11","date_gmt":"2008-04-07T17:40:11","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/04\/07\/live-von-der-hcm-7-konferenz-tag-5\/"},"modified":"2025-05-14T15:59:20","modified_gmt":"2025-05-14T13:59:20","slug":"live-von-der-hcm-7-konferenz-tag-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/04\/07\/live-von-der-hcm-7-konferenz-tag-5\/","title":{"rendered":"(Live) von der HCM 7 Konferenz: Tag 5"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"bild1.jpg\" href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4903.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4903.jpg\" alt=\"bild1.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" align=\"right\" border=\"0\" \/><\/a>Die Woche ist schnell vergangen &#8211; heute ist der letzte Tag der Konferenz. Und diesen letzten Tag hat <strong>Fernando Roig<\/strong> (Observat\u00f3rio Nacional, Brasilien) mit dem Thema <em>&#8222;Asteroid families: present and future&#8220; (Asteroidenfamilie: Vergangenheit und Zukunft)<\/em> er\u00f6ffnet. Dieser \u00dcbersichtsvortrag besch\u00e4ftigte sich mit den sg, &#8222;Asteroidenfamilien&#8220;. Das sind Asteroiden, die sehr \u00e4hnliche Eigenschaften aufweisen und \u00e4hnliche Bahnen bzw. physikalische Eigenschaften haben. Man hat im Laufe der Zeit herausgefunden, dass es sich dabei um Bruchst\u00fccke eines gr\u00f6\u00dferen &#8222;Mutterasteroiden&#8220; handelte. Vor langer Zeit ist so ein gro\u00dfer Asteroid dabei mit einem anderen kollidiert. Die dabei entstandenen Bruchst\u00fccke bilden dann eine Asteroidenfamilie. Die sind aber leider nicht immer so einfach zu identifizieren. Denn diese Bruchst\u00fccke entwickeln sich nat\u00fcrlich nicht alle auf die gleiche Art und Weise und im Laufe der Zeit verstreuen sie sich und vermischen sich mit anderen Asteroiden, die nicht zu dieser Familie geh\u00f6ren. Durch ausgekl\u00fcgelte Beobachtungen, Modelle und Rechnungen l\u00e4sst sich aber herausfinden, welche Objekte zur Familie geh\u00f6ren, wo sie zum Zeitpunkt der Kollision waren und auch wann diese Kollision stattgefunden haben. Die Untersuchung dieser Asteroidenfamilien bringt also sch\u00f6ne Einblicke in die Geschichte und Entwicklung unseres Sonnensystems.<\/p>\n<p><a title=\"pict4904.JPG\" href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4904.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4904.jpg\" alt=\"pict4904.JPG\" width=\"300\" height=\"225\" align=\"right\" border=\"0\" \/><\/a>Den zweiten \u00dcbersichtsvortrag des Tages hielt<strong> Christian Beaug\u00e9<\/strong> (Universit\u00e4t Cord\u00f3ba, Argentinien) zum Thema <em>&#8222;Dynamics and orbital determination of resonant exoplanetary systems&#8220; (Dynamik und Bahnbestimmung von resonanten Exoplanetensystemen)<\/em>. Hier ging es wieder um extrasolare Planetensysteme. Viele der entdeckten Planeten befinden sich in Resonanzen. Das bedeutet, dass ihre Umlaufzeiten in einem ganzzahligen Verh\u00e4ltnis zueinander stehen. Auch in unserem Sonnensystem befinden sich z.B. Jupiter und Saturn (fast) in einer Resonanz: 5 Uml\u00e4ufe von Jupiter um die Sonne dauern fast gleich so lang wie 2 Uml\u00e4ufe des Saturns. Solche Resonanzen f\u00fchren zu Besonderheiten bei der gravitativen Beeinflussung: denn Planeten in Resonanz nehmen in periodischen Abst\u00e4nden immer wieder die gleiche relative Position zueinander ein und ihre gravitativen St\u00f6rungen k\u00f6nnen sich so verst\u00e4rken (oder verringern). Aber auch aus anderen Gr\u00fcnden sind resonante Exoplaneten wichtig. Man vermutet n\u00e4mlich, dass solche Systeme nur durch &#8222;Migration&#8220; entstehen k\u00f6nnen. Das bedeutet, dass sich diese Planeten in der Fr\u00fchzeit des Planetensystems noch an einem anderen Platz befunden haben und dann durch die gravitative Wechselwirkung mit Gas oder kleinen Asteroiden langsam ihren Bahnradius verkleinert haben &#8211; solange bis sie in einer resonanten Position angelangt sind die sie dann gehalten haben. Leider sind die Beobachtungsdaten meisten noch zu ungenau um wirklich mit Sicherheit sagen zu k\u00f6nnen, ob sich Planeten in Resonanz befinden oder nicht &#8211; aber in Zukunft wird das m\u00f6glich sein. Und dann sind wir beim Verst\u00e4ndnis der Planetenentstehung einen gro\u00dfen Schritt weiter.<\/p>\n<p><a title=\"bild3.jpg\" href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4905.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4905.jpg\" alt=\"bild3.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" align=\"right\" border=\"0\" \/><\/a><strong>Kleomenis Tsiginis<\/strong> vertrat den erkrankten <strong>Harry Varvoglis<\/strong> (beide von der Universit\u00e4t Thessaloniki, Griechenland) und hielt f\u00fcr ihn seinen Vortrag \u00fcber &#8222;S<em>cattering and capture of free-floating planets by planetary systems&#8220; (Streuung und Einfang von frei-fliegenden Planeten durch Planetensystem)<\/em>. Bei diesen &#8222;free-floating planets&#8220; handelt es sich um Planeten, die nicht um einen Stern kreisen. Bei der Entstehung eines Planetensystems ist es sehr wahrscheinlich das einige der im System vorhandenen Protoplaneten durch gravitative Interaktionen mit anderen Protoplaneten aus dem System geworfen werden. Wenn das der Fall ist, dann m\u00fcssen zwischen den Sternen einige dieser Planeten umher schwirren&#8230; Und man hat mittlerweile tats\u00e4chlich <a href=\"http:\/\/exoplanet.eu\/cat-freefl.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein paar dieser Planeten<\/a> entdeckt! Harry Varvoglis hat in seiner Arbeit untersucht, was passiert, wenn so ein frei-fliegender Planet einem bestehenden Planetensystem nahe kommt. Dabei kann es passieren, dass der frei-fliegenden Planet einen bestehenden aus dem System kickt und selbst beginnt um den Stern zu kreisen. Es k\u00f6nnen aber auch beide Planeten aus dem System fliegen &#8211; oder er fliegt einfach vorbei ohne allzu gro\u00dfen Schaden anzurichten. Abh\u00e4ngig von verschiedenen Parametern \u00e4ndert sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmter Zustand eintritt. Harry Varvoglis hat nun gezeigt, wie diese Abh\u00e4ngigkeit aussieht &#8211; und das es keine klar definierten Grenzen zwischen den einzelnen M\u00f6glichkeiten gibt.<\/p>\n<p><strong>John Hadjidemetriou<\/strong> (Universit\u00e4t Thessaloniki, Griechenland) sprach anschlie\u00dfend \u00fcber<em> &#8222;Extrasolar planetary systems at the 1:1 Resonance&#8220; (Extrasolare Planeten in der 1:1 Resonanz)<\/em>. Bei Planeten in 1:1 Resonanz handelt es sich um 2 Planeten, die einen Stern in genau der selben Zeit umkreisen. Das k\u00f6nnen Trojanerplaneten sein (\u00fcber die schon an den vorangegangenen Tagen ausf\u00fchrlich gesprochen wurde) &#8211; aber es gibt auch andere M\u00f6glichkeiten. Auch hier ist es wieder n\u00f6tig herauszufinden welche Anfangsbedingungen zu einer stabilen Konfiguration f\u00fchren und welche nicht. Das hat John Hadjidemetriou mit verschiedenen mathematischen und numerischen Methoden untersucht.<\/p>\n<p><a title=\"bild4.jpg\" href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4908.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4908.jpg\" alt=\"bild4.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" align=\"right\" border=\"0\" \/><\/a>Auch<strong> Li-Young Zhou<\/strong> (Universit\u00e4t Nanjing, China) hat sich in seinem Vortrag zum Thema <em>&#8222;Possible 3:1 mean-motion resonance in the 55 Cancri system&#8220; (Eine m\u00f6gliche 3:1 Resonanz der mittleren Bewegung im 55 Cancri System)<\/em> mit dem Problem der resonanten Planeten besch\u00e4ftigt. Bei diesem System war es besonders schwierig konkrete Aussagen zu machen da die bekannten Bahndaten noch keine detailierten Berechnungen zulassen. Um festzustellen, ob sich Planeten in einer Resonanz befinden oder nicht muss man die Bahnen der Planeten genau kennen &#8211; und leider sind die Beobachtungen immer mit Fehlern behaftet. Hinzu kommt, dass die Bahndaten nur aus Modellrechungen abgeleitet werden k\u00f6nnen &#8211; und die \u00e4ndern sich im Laufe der Zeit bzw. von Beobachtung zu Beobachtung. Das bedeutet zwar einerseits, dass die Genauigkeit der Daten immer gr\u00f6\u00dfer wird &#8211; die Daten selbst k\u00f6nnen sich aber oft drastisch \u00e4ndern. So hat man bei 55 Cancri beispielsweise festgestellt, dass aufgrund neuer Beobachtungen die Daten jetzt viel besser zu einem System mit 5 Planeten passen w\u00fcrden anstatt zu einem System mit 4 Planeten. Dadurch haben sich nat\u00fcrlich die Daten &#8211; und die daraus folgenden Berechnungen bez\u00fcglich der Resonanzen &#8211; ziemlich stark ge\u00e4ndert. Hier m\u00fcssen wir wirklich warten, bis die Beobachtungen genau genug werden um abschlie\u00dfenden Aussagen \u00fcber resonante Systeme machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a title=\"bild5.jpg\" href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4912.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4912.jpg\" alt=\"bild5.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" align=\"right\" border=\"0\" \/><\/a>Der letzte Vortrag dieser Konferenz wurde von <strong>Zsolt S\u00e1ndor<\/strong> (MPIA Heidelberg, Deutschland) gehalten. Sein Thema war <em>&#8222;Evolution of the eccentricities during the formation of resonant planetary systems&#8220; (Entwicklung der Exzentrizit\u00e4ten w\u00e4hrend der Entstehung von resonanten Planetensystemen)<\/em>. Zsolt hat sich hier mit einem wichtigen Problem der Planetenentstehungstheorien besch\u00e4ftigt: wir kennen heute sehr viele extrasolare Planeten, die alle sehr enge Umlaufbahnen mit sehr gro\u00dfen Exzentrizit\u00e4ten haben. Das sollte eigentlich nicht so sein &#8211; man w\u00fcrde eher erwarten das die Bahnen so wie in unserem Sonnensystem nahezu kreisf\u00f6rmig sind und das sich die gro\u00dfen Planeten weiter weg vom Stern befinden. Damit Planeten die beobachteten Bahnen bekommen k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie auch einer Migration unterworfen sein. Durch diese Migration verkleinert sich ihre Bahn und auch die Exzentrizit\u00e4ten k\u00f6nnen gr\u00f6\u00dfer werden. Allerdings wei\u00df man noch nicht genau, wie dieser Prozess gestoppt werden kann. Irgendetwas muss dazu gef\u00fchrt haben, dass die Migration und die Exzentrizit\u00e4tsvergr\u00f6\u00dferung irgendwann aufgeh\u00f6rt hat und die Planeten die beobachteten Bahnen eingenommen haben. Bis jetzt hat man aber noch keinen Mechanismus gefunden, der alle Beobachtungen erkl\u00e4ren k\u00f6nnte. Dieses Problem zu untersuchen ist sehr kompliziert &#8211; man muss nicht nur die gravitative Wechselwirkung der Planeten untersuchen &#8211; sondern auch die Interaktion mit den im System vorhandenden Gasteilchen. Auch hier muss noch viel geforscht werden, bis wir eine vern\u00fcnftige Antwort bekommen werden&#8230;<\/p>\n<p>Mit diesem Vortrag hat der wissenschaftliche Teil geendet &#8211; aber sp\u00e4ter am Tag gab es noch den &#8222;Salzburger Abend&#8220; &#8211; auch eine traditionelle Veranstaltung bei den Humboldt-Kolloquien. Dabei gibts Gratis-Wein f\u00fcr alle &#8211; und Salzburger Volksmusik. Das ist zwar nicht ganz so mein Musikgeschmack &#8211; aber der Gratis-Wein hilft ein bisschen dabei, den Abend noch recht lustig werden zu lassen \ud83d\ude09 Hier sind zum Abschlu\u00df noch ein paar Fotos vom Salzburger Abend:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a title=\"bild6.jpg\" href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bhg6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bhg6.jpg\" alt=\"bild6.jpg\" width=\"400\" height=\"300\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a title=\"bild7.jpg\" href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4940.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4940.jpg\" alt=\"bild7.jpg\" width=\"400\" height=\"300\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a title=\"bild8.jpg\" href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4953.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4953.jpg\" alt=\"bild8.jpg\" width=\"400\" height=\"300\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a title=\"bild9.jpg\" href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4937.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/pict4937.jpg\" alt=\"bild9.jpg\" width=\"300\" height=\"400\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Woche ist schnell vergangen &#8211; heute ist der letzte Tag der Konferenz. 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