{"id":17593,"date":"2008-03-24T21:19:37","date_gmt":"2008-03-24T20:19:37","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/03\/24\/astronomische-ostern\/"},"modified":"2025-05-14T15:59:14","modified_gmt":"2025-05-14T13:59:14","slug":"astronomische-ostern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2008\/03\/24\/astronomische-ostern\/","title":{"rendered":"Astronomische Ostern"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/de\/thumb\/3\/3e\/Easter_bunny.jpg\/507px-Easter_bunny.jpg\" align=\"right\" height=\"300\" width=\"253\" \/>Erstmal w\u00fcnsche ich nat\u00fcrlich allen Leserinnen und Lesern meines Blogs noch (ein bisschen nachtr\u00e4glich) frohe Ostern! Und dann muss ich ein paar Sachen zur Astronomie hinter dem Osterfest sagen. Ostern ist ja erstmal ein religi\u00f6ses Fest &#8211; allerdings ein variables. Das hei\u00dft, es wird nicht &#8211; wie z.B. Weihnachten &#8211; immer am selben Tag im Jahr gefeiert.  Das Datum des Ostersonntags zu bestimmen ist eine recht komplexe Aufgabe.<\/p>\n<p>Jesus soll am Freitag, den 14. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nisan_%28Monat%29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nisan<\/a> (damals der erste Monat des j\u00fcdischen Kalenders) gekreuzigt worden sein. Die Widerauferstehung soll am Sonntag, den 16. Nisan stattgefunden haben. Der j\u00fcdischen Kalender basiert allerdings auf der Bewegung des Mondes; w\u00e4hrend unser heutiger Kalender auf der Bewegung der Sonne (bzw. der Erde) basiert. Die Umrechung von einem System in das andere ist knifflig und f\u00fchrt zum variablen Datum des Osterfests.<\/p>\n<p>Zur damalige Zeit begann das Jahr mit dem Fr\u00fchlingsmonat Nisan &#8211; also im M\u00e4rz\/April. Der Tag des 1. Nisan wurde jedes Jahr durch die Beobachtung des Neumondes festgelegt &#8211; es war der Tag, an dem das erste Licht des neuen Mondes sichtbar war. Da zwischen Neu- und Vollmond immer etwa 2 Wochen liegen, f\u00e4llt der 14. Nisan immer in die N\u00e4he des Vollmonds. Ganz zu Beginn feierten die ersten Christen Ostern gemeinsam mit dem j\u00fcdischen Passahfest. Im Laufe der Zeit geriet der j\u00fcdische Kalender aber immer mehr in &#8222;Unordung&#8220; &#8211; man ging dazu \u00fcber, den Kalender fix zu berechnen als auf st\u00e4ndigen Beobachtungen aufzubauen. Dadurch hat sich auch das christliche Ostern vom j\u00fcdischen Passah gel\u00f6st und die Christen begannen, das Osterdatum selbst zu berechnen. Allerdings legte jedes Jahr fast jede Gemeinde ihr Datum selbst fest und man kam dabei oft auf unterschiedliche Ergebnisse und feierte deswegen auch Ostern an unterschiedlichen Tagen.<\/p>\n<p>Beim <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erstes_Konzil_von_Nic%C3%A4a\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ersten Konzil von Nic\u00e4a<\/a> im Jahr 325 wurde daher nach einer einheitlichen L\u00f6sung gesucht. Man beschloss, dass Ostern ab jetzt \u00fcberall am selben Sonntag gefeiert werden sollte, dass es nicht mit dem Passahfest zusammenfallen soll und dass es am ersten Sonntag nach dem ersten Fr\u00fchlingsvollmond gefeiert wird.<\/p>\n<p>Und hier tritt jetzt die Astronomie auf den Plan. Den um das Osterdatum herauszufinden, muss man nat\u00fcrlich \u00fcber die Bewegung der Erde und des Mondes Bescheid wissen. Fr\u00fchlingsanfang ist im heute verwendeten gregorianischen Kalender jedes Jahr am 19., 20. oder 21. M\u00e4rz (das h\u00e4ngt von den Schalttagen im jeweiligen Jahr ab). Zu dieser Zeit verwendete man aber noch den julianischen Kalender und 525 legte Papst Johannes I. fest dass der Fr\u00fchlingsanfang immer auf den 21. M\u00e4rz fallen soll. Das fr\u00fchestm\u00f6gliche Datum f\u00fcr den Ostersonntag war deswegen auch der 22. M\u00e4rz; das sp\u00e4testm\u00f6gliche lag logischerweise etwa einen Monat sp\u00e4ter &#8211; am 25. April.<\/p>\n<p><em>Wie<\/em> nun das Datum genau berechnet werden sollte wurde vom Konzil allerdings nicht <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/180px-Carl_Friedrich_Gauss.jpg\" align=\"left\" height=\"153\" width=\"120\" \/>festgelegt. Im Laufe der Zeit gab es viele verschiedene Methoden (<a href=\"http:\/\/www.nabkal.de\/ostern.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> gibt es eine gute \u00dcbersicht). Die heute noch verwendete Formel wurde 1800 vom gro\u00dfen Mathematiker und Astronomen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Carl_Friedrich_Gau%C3%9F\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Carl Friedrich Gau\u00df<\/a> (links) entwickelt (1816 ver\u00f6ffentlichte er noch eine korrigierte Version). <a href=\"http:\/\/webdoc.sub.gwdg.de\/ebook\/e\/2005\/gausscd\/html\/kapitel_osterfest.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier<\/a> kann man sich die Arbeit im Orignal ansehen. Wie dieser Algorithmus im Detail funktioniert werde ich sp\u00e4ter mal (vermutlich n\u00e4chstes Jahr zu Ostern \ud83d\ude09 ) genau erkl\u00e4ren &#8211; bis dahin verweise ich mal auf <a href=\"http:\/\/www.nabkal.de\/gauss.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diese gute Erkl\u00e4rung<\/a>.<\/p>\n<p>Ich habe nat\u00fcrlich auch mal wieder in der Literatur <a href=\"http:\/\/adsabs.harvard.edu\/cgi-bin\/nph-abs_connect?db_key=AST&amp;db_key=PRE&amp;qform=AST&amp;arxiv_sel=astro-ph&amp;arxiv_sel=cond-mat&amp;arxiv_sel=cs&amp;arxiv_sel=gr-qc&amp;arxiv_sel=hep-ex&amp;arxiv_sel=hep-lat&amp;arxiv_sel=hep-ph&amp;arxiv_sel=hep-th&amp;arxiv_sel=math&amp;arxiv_sel=math-ph&amp;arxiv_sel=nlin&amp;arxiv_sel=nucl-ex&amp;arxiv_sel=nucl-th&amp;arxiv_sel=physics&amp;arxiv_sel=quant-ph&amp;arxiv_sel=q-bio&amp;sim_query=YES&amp;ned_query=YES&amp;aut_logic=OR&amp;obj_logic=OR&amp;author=&amp;object=&amp;start_mon=&amp;start_year=&amp;end_mon=&amp;end_year=&amp;ttl_logic=OR&amp;title=easter+ostern&amp;txt_logic=OR&amp;text=&amp;nr_to_return=200&amp;start_nr=1&amp;jou_pick=ALL&amp;ref_stems=&amp;data_and=ALL&amp;group_and=ALL&amp;start_entry_day=&amp;start_entry_mon=&amp;start_entry_year=&amp;end_entry_day=&amp;end_entry_mon=&amp;end_entry_year=&amp;min_score=&amp;sort=SCORE&amp;data_type=SHORT&amp;aut_syn=YES&amp;ttl_syn=YES&amp;txt_syn=YES&amp;aut_wt=1.0&amp;obj_wt=1.0&amp;ttl_wt=0.3&amp;txt_wt=3.0&amp;aut_wgt=YES&amp;obj_wgt=YES&amp;ttl_wgt=YES&amp;txt_wgt=YES&amp;ttl_sco=YES&amp;txt_sco=YES&amp;version=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nach Artikeln im Zusammenhang mit Ostern<\/a> gesucht &#8211; und dabei ein paar recht interessante Dinge gefunden:<\/p>\n<ul>\n<li>Ein gewisser William Noble schreibt 1899 in einem Brief an die Zeitschrift &#8222;The Observatory&#8220; (<a href=\"http:\/\/adsabs.harvard.edu\/abs\/1899Obs....22..340N\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Observatory, 22, p. 340<\/a>):  <em>&#8222;The perusal of Mr. Cowell&#8217;s interesting and elaborate paper [&#8230;] suggests to me to ask the question: Why should easter continue to be a movable festival after all? A more eminently unscientific arrangement than the existing one would be hard to devise. [&#8230;] I should be really glad to know what objection can exist to making Easter-Day a fixed festival, falling upon one definite Sunday in every year, and so obviating all necessity for the elaborate calculations entailed on us by mere ecclesiastical tradition and prejudice.&#8220;<\/em> Tja, leider scheint sein Aufruf zu einem fixen Osterdatum nicht viel Geh\u00f6r gefunden zu haben &#8211; die &#8222;kirchlichen Traditionen und Vorurteile&#8220; sind ja auch bekanntermassen sehr schwer loszuwerden&#8230;<\/li>\n<li>1944 schreibt George Walker in &#8222;Popular Astronomy&#8220; einen Artikel \u00fcber &#8222;Rare Dates for Easter&#8220; (<a href=\"http:\/\/adsabs.harvard.edu\/abs\/1944PA.....52..139W\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Popular Astronomy, 52, p. 139<\/a>). Dabei untersucht er die H\u00e4ufigkeit der Osterdaten und stellt fest, das manche nur sehr selten auftreten. Am seltensten findet Ostern am 22. M\u00e4rz statt (im Schnitt nur einmal alle 210 Jahre). Es folgt Ostern am 25. April &#8211; das findet nur einmal alle 133 Jahre statt. Und Ostern am 23. M\u00e4rz (so wie dieses Jahr) ist das drittseltenste Datum und kommt nur einmal in 105 Jahren vor (und das ist auch gut so &#8211; wer will schon st\u00e4ndig Ostern bei Eis und Schnee feiern&#8230;).<\/li>\n<li>Aber auch heute noch besch\u00e4ftigen sich Wissenschaftler mit dem Osterdatum. Ovidiu Vaduvescu hat 2004 einen neuen Algorithmus zur Berechnung von Ostern ver\u00f6ffentlicht. Dabei legte er mehr Wert auf die astronomischen Gesichtspunkte und weniger auf die religi\u00f6sen und hoffte, so die unterschiedlichen Osterdaten der katholischen und orthodoxen Kirchen zu vereinen. Die Arbeit ist auf dem <a href=\"http:\/\/arxiv.org\/abs\/math\/0404109\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">preprint-Server arxiv<\/a> frei verf\u00fcgbar.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nat\u00fcrlich gab es noch viel mehr Artikel zum Thema Ostern (meine Suche hat auch viele Artikel zum Thema &#8222;Arch\u00e4oastronomie der Osterinseln&#8220; gefunden &#8211; klingt sehr interessant, da muss ich wohl auch mal was dr\u00fcber schreiben \ud83d\ude09 ). Aber jetzt sind die Osterfeiertag schon bald wieder vorbei (am Donnerstag k\u00f6nnten wir allerdings nochmal das orthodoxe Osterfest feiern) &#8211; und ich habe wieder mehr als ein Jahr Zeit um f\u00fcr ein umfangreiches astronomisches Osterspecial am 12. April 2009 zu recherchieren. Und hoffentlich erinnern sich dann alle daran, dass es den Astronomen zu verdanken ist, wenn wir wissen, wann man die Ostereier suchen muss. \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstmal w\u00fcnsche ich nat\u00fcrlich allen Leserinnen und Lesern meines Blogs noch (ein bisschen nachtr\u00e4glich) frohe Ostern! Und dann muss ich ein paar Sachen zur Astronomie hinter dem Osterfest sagen. Ostern ist ja erstmal ein religi\u00f6ses Fest &#8211; allerdings ein variables. Das hei\u00dft, es wird nicht &#8211; wie z.B. 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