Der Unsinn mit dem Weltuntergang 2012 (und es ist Unsinn, der Weltuntergang findet nicht statt) nimmt so langsam wieder Fahrt auf. Zur Zeit macht im Internet gerade ein Bild die Runde, dass zeigt, wie im Dezember 2012 (meistens wird vom 3. Dezember gesprochen) die Planeten Merkur, Venus und Saturn genau über den Pyramiden von Gizeh stehen werden. Ein weiteres Anzeichen dafür, dass an diesem Tag etwas besonderes passiert? Nein, nur ein weiteres Anzeichen dafür, dass der 2012-Unsinn nicht so schnell verschwinden wird…

So sieht das Bild aus, dass man bei Facebook, in Foren und Blogs überall sehen kann:

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Ok, das sieht wirklich beeindruckend aus. Wenn es diese spezielle Konstellation am Himmel und ihre Ausrichtung an den Pyramiden tatsächlich geben würde, dann wäre das ein ziemlich faszinierendes Schauspiel. Aber – und wen überrascht es? – so ist es leider nicht.

Es dürfte jedem klar sein, dass das Bild nicht echt ist (hoffe ich zumindest). Immerhin zeigt es, wie der Himmel im Dezember aussieht und das dauert noch ein paar Monate. Es muss sich also um eine Fotomontage handeln. Leider ist die ziemlich schlecht und enorm irreführend. Das merkt man schon, wenn man einmal selbst probiert hat, den Himmel zu beobachte. Ok, Venus und Saturn sind tatsächlich sehr helle Objekte. Aber Merkur, der kleinste Planet, ist nur sehr schwach zu sehen und das auch nur in der Abend- oder Morgendämmerung. Das sieht dann zum Beispiel so aus – Venus ist der helle Punkt links; Merkur der schwache Lichtpunkt rechts:

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Es ist also klar, dass mit der Fotomontage irgendwas nicht stimmt. Schauen wir mal, wie es wirklich aussieht. Wenn man wissen will, wie der Himmel zu einem bestimmten Zeitpunkt aussieht (oder ausgesehen hat), dann benutzt man am besten ein Planetariumsprogramm. Von denen gibt es jede Menge; ich empfehle das kostenlose Programm „Stellarium“. Dort können wir problemlos nachsehen, wie der Himmel im Dezember 2012 im ägyptischen Kairo aussehen wird. So:

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Das Bild zeigt die Situation in Kairo, beim Blick Richtung Osten. Man sieht tatsächlich Merkur, Venus und Saturn am Himmel stehen. Allerdings sieht die Sache ganz anders aus als auf dem Bild mit dem Pyramiden. Dort stehen die drei Planeten alle eher nebeneinander, in der Realität stehen sie übereinander. Man wird also keinesfalls direkt über jeder Pyramidenspitze so eine helle „Laterne“ sehen können.

Aber ist nicht schon „Zeichen“ genug, dass die drei Planeten tatsächlich am Himmel stehen? Und dass sie, wenn auch ein wenig schief, tatsächlich genau im richtigen Abstand zueinander über den Pyramiden zu sehen sind und deren Abstände reproduzieren? Nun ja. Erstmal kommt es immer auf die Perspektive an. Vermutlich kann man sich gerade so vor den Pyramiden positionieren und aus der richtigen Entfernung im richtigen Winkel zum Himmel blicken, so dass über jeder Pyramide ein Stern zu sehen ist (der konkrete Anblick aus der Pyramiden-Fotomontage ist allerdings unmöglich, wie Astronom Phil Plait in seinem Blog erklärt). Aber – und das ist der wichtige Punkt – das ist nichts besonderes!

Es stehen immer irgendwelche Planeten am Himmel. Immer wieder auch mal Merkur, Venus und Saturn. Gerade Merkur und Venus sieht man oft nahe bei einander am Himmel stehen. Es sind die beiden innersten Planeten, sie bewegen sich viel schneller um die Sonne als die Erde und von dort aus gesehen kommen sie eben immer wieder mal aneinander vorbei – das kann man ja auch an meinem Merkur-Venus-Bild aus dem Jahr 2010 weiter oben sehen. Das sich ein dritter Planet dazu gesellt, ist ebenso wenig außergewöhnlich. Vor gerade mal 7 Jahren standen Merkur, Venus und Saturn schon mal gemeinsam am Himmel.

Die Aussage mit dem „Nur einmal in 2737 Jahren“ ist also Unsinn. Denn auch an der „Ausrichtung“ an den Pyramiden ist nichts weiter bemerkenswert. Hier zeigt sich wieder ein altes Problem: Mangelndes Verständnis der Statistik. Ok – die drei Planeten stehen also „genau“ über den Pyramiden (wenn wir mal all das ignorieren, was wir oben schon festgestellt haben). Das kann uns erst mal gerne beeindrucken. Aber dann dürfen wir nicht vor lauter Ehrfurcht ob dieses mysteriösen kosmischen Zusammentreffen erstarren, sondern sollten uns weiter Gedanken machen und weitere Fragen stellen. Zum Beispiel: Gibt es auch noch ein „mysteriöses kosmisches Zusammentreffen“ mit irgendwelchen anderen Landmarken? Die drei Planeten kann man ja nicht nur in Ägypten sehen sondern auch anderswo. Irgendwo auf der Erde sind die Planeten immer zu sehen. Und es stehen auch überall irgendwelche Häuser, Burgen, Denkmäler, Berge und andere Dinge herum, über denen die Planeten am Himmel stehen können. Wenn man jetzt zeigen könnte, dass Merkur, Venus und Saturn tatsächlich nur an den Pyramiden ausgerichtet sind und das auch nur 2012, dann wäre das vielleicht tatsächlich bemerkenswert. Aber so ist es nicht.

Im Prinzip kann man sich eine beliebige Stelle suchen, an der drei Landmarken zu sehen sind und wenn man dort vom richtigen Platz unter dem richtigen Winkel zum Himmel blickt, dann wird man immer sehen, wie die drei Planeten „genau“ darüber stehen. Wenn man dann noch ein bisschen trickst, so wie die Macher der Pyramiden-Fotomontage und die Planeten nebeneinander stellt anstatt übereinander, dann kann man auch immer ebenso „beeindruckende“ Bilder erzeugen. Hier ist ein Beispiel:

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Bild der Schornsteine: Claus Moser, CC-BY-NC-SA 2.0

Das sind nicht irgendwelche Schornsteine, die im Wald herumstehen, sondern die Schornsteine der Blei- und Silberhütte Braubach und so wie die Pyramiden von Gizeh gehört auch die Hütte in Braubach zum UNESCO-Weltkulturerbe. Und so wie über den Pyramiden von Gizeh stehen Merkur, Venus und Saturn im Dezember 2012 auch „genau“ über den Schornsteinen… (Der besseren Sichtbarkeit wegen habe ich es gemacht wie bei der Fotomontage vom Anfang und die Konstellation in die Horizontale gedreht).

Man könnte sich problemlos noch haufenweise andere Landmarken suchen und würde feststellen, dass die Planeten auch dort „genau“ darüber stehen. Wie gesagt: daran ist nichts besonderes. Man muss sich nur den richtigen Blickpunkt suchen, dann stehen die Planeten immer über irgendeinem Ort. Aber so weit denken und „forschen“ die meisten Pseudowissenschaftler nicht. Das gleiche Prinzip kennt man ja von Erich von Däniken und seinen Kollegen. Da sucht man sich auch auf den Landkarten irgendwelche „besonderen“ Punkte heraus und stellt fest, dass sie sich durch „mysteriöse“ geometrische Muster verbinden lassen. Dass daran nichts außergewöhnlich ist, weil man so etwas mit beliebigen Punkten machen kann, wird nicht bemerkt oder ignoriert. Die „geheimnisvollen“ Muster, die Verbindungslinien zwischen englischen Kathedralen auf die Landkarte zeichnen, erhält man zum Beispiel auch, wenn man statt der Kathedralen Supermarktfilialen verbindet

Also: Das Bild mit den Pyramiden und den Planeten zeigt nicht, wie es am 21. Dezember 2012 wirklich aussehen wird. Und auch wenn die drei Planeten tatsächlich am Himmel zu sehen sein werden, ist daran nichts geheimnisvoll oder mysteriös. Die Welt wird nicht untergehen.

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Von admin

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