Asteroiden sind ein häufig auftretendes Thema in meinem Blog. Das ist nicht verwunderlich: erstens habe ich mich damit in meiner Doktorarbeit beschäftigt und zweitens ist es ein Thema, dass viele Menschen interessiert. Denn die „Gefahr“ die von den Asteroiden ausgeht, ist allen durch Hollywoodfilme und BILD-Schlagzeilen bekannt 😉

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Bis jetzt habe ich mich in Sachen Asteroiden hauptsächlich mit der Himmelsmechanik, den Bahnen der Kleinkörper und potentiellen Kollisionen beschäftigt. Aber wann immer man von einem Zusammenstoß zwischen der Erde und einem Asteroid spricht stellt sich auch gleich die Frage, ob man etwas dagegen tun könnte? Und wenn ja – was?

Darum möchte ich mich nun in einer kleinen Serie der Asteroidenabwehr widmen.

Denn eines unterscheidet einen Asteroideneinschlag von allen anderen Naturkatastrophen: wir wären prinzipiell in der Lage, ihn zu verhindern!

Große Katastrophen sind (leider) nichts außergewöhnliches. Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen: die Natur ist nicht immer nur freundlich zu uns. Und auch wenn auf einigen Gebieten die Forschung mittlerweile fortgeschritten genug ist, um halbwegs brauchbare Vorhersagen in naher Zukunft in Aussicht stellen zu können gibt es noch nicht mal den Ansatz einer Idee, wie man zum Beispiel ein Erdbeben oder einen Vulkanausbruch verhindern könnte.

Bei Asteroideneinschlägen ist das anderes. Wir sind mittlerweile in der Lage, einen bevorstehenden Impakt sehr genau vorhersagen zu können (mit Einschränkungen auf die ich später noch eingehen werde) – und wir haben konkrete Vorstellungen davon, wie wir so einen bevorstehenden Einschlag aktiv verhindern können!

Es gibt da eine interessante Arbeit, die die Einzigartigkeit der Asteroideneinschläge nochmal gesondert hervorhebt. Sie erschien unter dem Titel „The Impact Hazard“ von Dave Morrison, Clark Chapman und Paul Slovic im Sammelband „Hazards due to comets & asteroids“ (1994), und ist hier als pdf-Datei abrufbar.

Die Autoren haben dort das Risiko eines Asteroideneinfalls statistisch untersucht und dabei auch die möglichen Todesfälle angesehen. Macht man eine Liste mit den häufigsten Todesursachen weltweit, dann kann man dort auch Asteroideneinschläge eintragen, wenn man aus der erwarteten Anzahl der Toten bei einem bestimmten Einschlag und der typischen Frequenz so eines Einschlags einen statistischen Wert berechnet. Hier ist die Liste, die die Autoren zusammengestellt haben:

  1. schwere Krankheiten (Krebs, Herzkrankheiten, …)
  2. Krieg und Völkermord
  3. Epidemien
  4. Hungersnöte
  5. andere Krankheiten (Grippe, Lungenentzündung, …)
  6. schwere Unfälle (Auto, Stürze, …)
  7. Mord und Selbstmord
  8. Stürme und Überflutungen
  9. andere Unfälle (Vergiftungen, Feuer, …)
  10. Erdbeben
  11. seltene Unfälle (fallende Objekte, Zugsunglück, Flugzeugabsturz)
  12. Asteroideneinschlag mit globalen Folgen
  13. seltene Naturkatastrophen (Vulkanausbrüche,…)
  14. Bisse oder Stiche von giftigen Tieren
  15. Asteroideneinschlag vom Tunguska-Typ
  16. Folgen einer Flugzeugentführung
  17. verunreinigtes Wasser

Ok – die Daten sind sicher schon ein wenig alt – aber man sieht doch, dass Asteroideneinschläge nicht vernachlässigt werden sollten! Die Autoren unterscheiden hier zwei verschiedene Arten des Impakts. Einmal eine Kollision, die globale Folgen hat – denn ab einer gewissen Größe ist es egal, wo ein Asteroid einschlägt; es wird trotzdem die ganze Erde betroffen sein (z.B. durch den aufgewirbelten Staub in der Atmosphäre).

Einschläge vom Tunguska-Typ sind dagegen nur lokal; können aber trotzdem ganze Städte und Regionen zerstören.

Noch besser sieht man die Gefahr die von den Asteroideneinschlägen ausgeht in diesem Diagram (das nur schematisch zu verstehen ist und keine konkreten Messwerte bzw. Datenpunkte enthält):

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Bild: Morrison, Chapman, Slovic (1994)

Aufgetragen ist die weltweite Todesrate gegen die Anzahl der Toten pro Ereignis. Betrachtet man Ereignisse, bei denen nur wenige Menschen zu Tode kommen (linker Bereich des Diagrams) dann dominieren hier ganz klar die Unfälle mit Autos, Züge, Flugzeugen („Transportation Accidents“). Aber mehr als 1000 Leute sterben bei solchen Unglücksfällen selten. Diesen mittleren Bereich, bei dem es um Ereignisse geht, die Tausende bis Millionen Menschen das Leben kosten können, dominieren die klassichen Naturkatastrophen – aber auch hier ist irgendwo zwischen 10 und 100 Millionen Menschen Schluß. Da bleiben dann nur noch die Asteroideneinschläge, die den rechten Teil des Diagrams beherrschen.

Sie sind die einzigen Ereignisse, die tatsächlich Milliarden Menschen umbringen können – bis hin zur kompletten Auslöschung allen Lebens auf der Erde. Keine andere Katastrophe hat dieses Potential! Und – wie ich eingangs schon erwähnt habe – keine andere Katastrophe können wir aktiv verhindern!

Es ist also klar, warum wir uns mit der Asteroidenabwehr beschäftigen sollten. Auch wenn Einschläge anderer Himmelskörper ein relativ seltenes Ereignis sind, sind sie doch potentiell so gefährlich, dass wir sie nicht ignorieren dürfen. Vor allem dann nicht, wenn wir prinzipiell die Möglichkeit haben, etwas dagegen zu tun.

WAS man dagegen tun kann, ist wieder eine andere Geschichte. Um einen Asteroideneinschlag zu verhindern, kann man den Asteroiden entweder zerstören oder seine Bahn ändern. Wie sinnvoll das eine bzw. das andere ist und wie man es bewerkstelligen kann: darüber werde ich in den nächsten Teilen der Serie reden…


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Von admin

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